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Massaker in Orlando : Was wir über den Anschlag in Orlando wissen

  • Aktualisiert am

Nach dem Massaker: Der Nachtlcub „Pulse“ in Orlando Bild: AFP

Es ist der schlimmste Anschlag auf amerikanischem Boden seit dem 11. September. 49 Menschen wurden getötet, 53 weitere verletzt. Was wissen wir bisher über die Tat und was nicht? Ein Überblick.

          5 Min.

          Der Tathergang

          Was wir wissen: Um kurz nach zwei Uhr morgens Ortszeit am Sonntag betritt der Täter, bewaffnet mit einem Sturmgewehr, einer Handfeuerwaffe und großen Mengen an Munition den Nachtclub Pulse an der Orange Avenue, einen Szeneclub für Schwule und Lesben in Orlando (Florida), und eröffnet das Feuer. Augenzeugen berichten, dass der Club sehr voll gewesen sein soll. Der D.J. des Clubs, Ray Rivera, soll die Schüsse laut „New York Times“ zunächst für Feuerwerkskracher gehalten haben – bis die ersten Gäste zu Boden fallen und regungslos liegen bleiben.

          Laut Angaben der Polizei von Orlando ist ein Polizeibeamter zu dieser Zeit vor Ort. Es kommt zur Schießerei zwischen ihm und dem Täter. Wie Orlandos Polizeichef John Mina bestätigte, hatte der mutmaßliche Schütze die Nummer des Notrufs gewählt, während er mehrere Menschen auf der Toilette des Nachtclubs gefangen hielt. Bei dem Telefongespräch erklärte der gebürtige New Yorker der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) die Treue und bezog sich auf das Attentat während des Marathons in Boston im April 2013.

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          Orlando : Massaker in Nachtclub

          Um drei Uhr morgens postet der Pulse Nightclub schließlich auf Facebook eine Warnung: „Verlasst alle Pulse und rennt.“ Die Polizei steht im Kontakt mit dem Attentäter, der „cool und ruhig“ reagiert. Mit ihm redet ein Spezialteam für Verhandlungen in Krisensituationen. „Es gab Gerede zu Bomben und Sprengstoff“, berichtet die Polizei in einer Pressekonferenz am Montagmorgen (Ortszeit).

          Um kurz vor fünf Uhr morgens trifft die Polizei eine Entscheidung. Sie geht davon aus, dass der Verlust weitere Leben kurz bevorsteht und stürmt deshalb den Club, um die Geiseln zu retten. Die Polizisten versuchen zunächst, ein Loch in die Wand zu sprengen, um einen Fluchtweg für die Geiseln zu schaffen. Als das nicht funktioniert, fahren die Einsatzkräfte mit einem Fahrzeug ein Loch in die Wand. Einige der Menschen, die sich im Club versteckt haben, können durch das Loch fliehen. Auch der Täter schlüpft durch das Loch in der Wand. Es kommt zur Schießerei zwischen ihm und den Einsatzkräften, dabei wird der Täter getroffen und stirbt noch im Club. Ein Polizist wird bei dem Einsatz ebenfalls getroffen, sein Helm fängt den Schuss jedoch ab und er überlebt.

          Wie der New Yorker Kriminalist Stuart Cameron dem „Orlando Sentinel“ sagte, müssten Beamte bei einem „Active shooter“ abwägen, sofort zu stürmen oder zu verhandeln. Untersuchungen früherer Massenschießereien zeigten, dass Schützen durchschnittlich alle 15 Sekunden einen Menschen töteten. Gleichzeitig sei aber auch nicht auszuschließen gewesen, dass Mateen verhandeln wollte. „Der Fall liegt aber anders, sobald eine Schießerei in Verbindung mit Terrorismus steht“, sagte Cameron. Terroristen seien meist nicht daran interessiert, Geiseln leben zu lassen. Nach Erfahrungen des Kriminalisten würden Terrorverdächtige dennoch das Gespräch mit der Polizei suchen, um den Einsatz in die Länge zu ziehen und damit auch die Berichterstattung über den Anschlag.

          In den ersten Nachrichtenmeldungen ist von 20 Todesopfern bei einer Schießerei in Orlando die Rede. Erst als der Bürgermeister Orlandos, Buddy Dyer, gegen zehn Uhr morgens am Sonntag (Ortszeit) vor die Presse tritt, wird das Ausmaß des Attentats bekannt: Die Zahl der Toten springt von 20 auf 30. 39 Menschen, darunter auch der Täter, sind laut Dyer im Club tot aufgefunden worden, elf weitere sollen auf dem Weg ins oder im Krankenhaus verstorben sein.

          Was wir nicht wissen: Vor dem Eingang des Clubs sollen Sicherheitsleute gestanden haben. Wie und wo der Täter den Club betreten hat, ist noch unklar. Zwischenzeitlich soll es Kontakt zwischen der Polizei und dem Täter gegeben haben – was genau kommuniziert wurde, hat die Polizei noch nicht gesagt. Auch ist noch nicht bekannt, was genau im Club vorgegangen ist, bevor das Einsatzteam das Gebäude stürmte.

          Der Täter

          Was wir wissen: Die Polizei identifizierte den Täter als Omar Mateen, ein 29-Jähriger Staatsbürger Amerikas. Seine Eltern kommen aus Afghanistan, geboren ist er in New York. Im Kindesalter zog seine Familie nach Florida. Vor der Tat hat Mateen in St. Port Lucie, etwa 170 Kilometer südlich von Orlando, gelebt. Seit fast zehn Jahren arbeitete er für die private Sicherheitsfirma G4S. Er hat einen Universitätsabschluss in Strafrecht.

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