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Wende im Syrien-Krieg : Der einsame Kampf der Kurden

Verbitterung macht sich breit

Bei den Kurden macht sich abermals Verbitterung breit. Moskau kommt ihnen nicht zu Hilfe, auch nicht Washington. Biden hatte die Kurden am vergangenen Mittwoch aufgefordert, sich in die Gebiete östlich des Euphrats zurückzuziehen; ansonsten würden sie die militärische Unterstützung Amerikas verlieren. Da hatte die Operation „Schutzschild Euphrat“ gerade begonnen, und Biden erweckte den Anschein, dass das türkische Vorgehen mit Washington abgestimmt sei.

Türkische Offensive: Präsident Erdogan befürchtet das Erstarken kurdischer Truppen – auch  im eigenen Land.
Türkische Offensive: Präsident Erdogan befürchtet das Erstarken kurdischer Truppen – auch im eigenen Land. : Bild: dpa

Dabei hatten die Vereinigten Staaten nur wenige Tage zuvor die syrischen Kurden für die Vertreibung des IS aus der strategisch wichtigen Stadt Manbidsch gelobt. Dazu beigetragen hat die Unterstützung durch amerikanische Luftschläge. Nach dem Ultimatum Bidens hat jedoch der für Syrien und den Irak zuständige amerikanische Kommandant, General Stephen Townsend, die amerikanischen Soldaten in den kurdischen YPG-Einheiten angewiesen, sich auf der Luftwaffenbasis Rumailan nahe Hassakeh einzufinden; zudem erhalten die YPG-Einheiten keine amerikanische Munition mehr und keine geheimdienstlichen Erkenntnisse aus der Luftüberwachung der Gebiete, in denen die türkisch-kurdischen Gefechte stattfinden. Die Kurden sollen darauf mit einer Blockade der wichtigsten Zufahrtsstraße nach Rumailan geantwortet haben.

Halbherziger Krieg

Bei den Kurden macht sich das Gefühl bereit, dass die Großmächte sie wieder einmal fallen lassen. Das war nach der Vertreibung des Iraks aus Kuweit der Fall, als die Vereinigten Staaten im Irak die Kurden und die Schiiten zu einem Aufstand gegen den Diktator Saddam Hussein ermuntert hatten, dann aber keine Hilfe leisteten, sodass Saddam Hussein die Aufstände brutal niederschlug, bis im April 1991 eine Flugverbotszone in Kraft trat. Bereits 1975 ging Saddam Hussein nach einem Friedensschluss mit dem iranischen Schah, einem Verbündeten Washingtons, mit größter Brutalität gegen die irakischen Kurden vor, als dieser die Kurden zugunsten von Gebietsgewinnen im Schatt al Arab fallen ließ.

Diesmal scheinen sich die Kurden nicht dem Willen Washingtons zu beugen, und sie geben der türkischen Forderung nicht nach, das Gelände an die Türkei abzutreten, das sie in den vergangenen Monaten vom IS erobert haben. Sie ziehen sich also keineswegs von dem Territorium westlich des Euphrats zurück, wie es Biden gefordert hatte, sondern stellen sich dort der türkischen Armee entgegen. Salih Muslim, der Vorsitzende der größten Partei der syrischen Kurden, PYD, drohte zu Beginn der türkischen Offensive sogar, die Türkei werde ebenso wie der IS besiegt werden.

In dem Krieg gegen den IS waren die Kurden aus Syrien und dem Irak bislang die wichtigsten Verbündeten des Westens. Die türkische Operation „Schutzschild Euphrat“ stellte den weiteren Verlauf dieses Kriegs aber in Frage. Denn die Türkei führt diesen Krieg bestenfalls halbherzig, und Amerika ist dabei, die Unterstützung der Kurden zu verlieren. Ohne die ist die Rückeroberung von Raqqa, der syrischen „Hauptstadt“ des IS, aber kaum möglich, und bei der Rückeroberung von Mossul müsste sich Amerika ganz auf die schiitischen Milizen verlassen, was die Erfolgswahrscheinlichkeit schmälert.

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