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TV-Kritik: Hart aber Fair : Verklemmtes Reden über Migrantenkriminalität

Die Ermittler stellten 25 Kilogramm Rohopium sowie 30 Kilogramm Amphetamin sicher. Bild: dpa

Wird ein Generalverdacht gegen Migranten geschürt, wenn man über Migrantenkriminalität spricht? Bei „Hart, aber Fair“ ging es um die Gewalt von Banden und Clans in Deutschland.

          Für den Hinweis, in einem freien Land könne man doch über alles reden, es gebe weder Sprachregelungen noch Sprechtabus, die jüngste Ausgabe von „Hart, aber Fair“ belege das doch – für diesen Hinweis war die Plasberg-Sendung gerade kein Beleg. Denn die Sendung zum Thema „Mafia, Jugend-Banden und Clans: Wer hat die Macht auf unseren Straßen?“ bildete genau die Verklemmungen ab, die es beim öffentlichen Bereden von Migrantenkriminalität gibt. Während die eine Seite die kriminellen Fakten beim Namen nannte, machte die andere Seite eine „problematische Sprache“ (Volker Beck) aus und konterte pauschal mit der Warnung vor Pauschalverurteilung, auch wenn es eine solche in der Sendung gar nicht gegeben hatte, vielmehr genau differenziert wurde zwischen dem arabischstämmigen Familienverband als ganzem und den Straftätern innerhalb dieses Verbands, ohne dass sich freilich die Frage nach Einflussfaktoren verbieten ließe, zu denen wiederum auch bestimmte kulturelle und familiäre Prägungen gehören – für Soziologen und Sozialpsychologen beinahe schon eine Trivialität, für Volker Beck aber offenbar ein Menetekel.

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          Unbestritten bleibt ja auch nach dieser Sendung, dass es in unserem Land Rassismus gibt (ja natürlich: auch bei der Polizei) und dass man sich tunlichst vorsehen soll, durch unbedachtes Reden nicht noch Wasser auf die Mühlen dieses Rassismus zu gießen. Aber das kann nicht heißen, über Migrantenkriminalität zu schweigen und Polizisten, die wie Rainer Wendt, Chef der Polizeigewerkschaft, die Delikte namhaft machen, in die rechtsradikale Ecke zu manövrieren, als irgendwie unaufgeklärt hinzustellen oder sonst wie unmöglich zu machen. Im Zweifel wird Rassismus durch solche Verunglimpfungen gestärkt, nicht geschwächt.

          Nichtkommunikation tut keiner Debatte gut

          Warum er es denn für eine problematische Sprache halte, wenn über Migrantenkriminalität gesprochen werde, wollte Plasberg von Beck wissen. Weil, so Beck und mit ihm die Publizistin Beate Krafft-Schöning, deren Gegenpart der „Stern“-Redakteur Walter Wüllenweber übernahm -- mit der Rede von der Migrantenkriminalität der Eindruck entstehe, „dass diese Migranten alle kriminell seien“. Aber soll man bestimmte Tätermilieus verschweigen, statt dem irrigen Generalverdacht, wo er geäußert wird, zu widersprechen? Soll man darauf verzichten, ein Verständnis in der Sache herbeizuführen, nur weil mit jedem Benennen von Tatsachen (und deren noch so strittigen Ursachen) auch das Risiko des (absichtsvollen) Missverstehens gegeben ist? So viel strategische (Nicht-)Kommunikation tut keiner öffentlichen Debatte gut.

          Zur Sprache kamen die Bedrohungen, denen Richter, Staatsanwälte und Polizisten aus den Reihen der Clans ausgesetzt sind. „Es ist langfristig nicht abschätzbar, welche Wirkung ein öffentliches Interview bei den Beteiligten und deren Familien haben könnte.“ Mit diesem Satz nahm eine Polizeidienststelle die bereits gegebene Interviewzusage eines Polizisten wieder zurück, der von arabischstämmigen Gewalttätern zusammengeschlagen worden war (der Bremer Tatort „Brüder“ hatte den Fall im Februar als Vorlage benutzt). Fürsorge oder Kapitulation, fragte Plasberg.

          „Es ist doch schön, wie du privat wohnst“

          Angemessene Fürsorge, fand der Polizeigewerkschaftler Wendt und fügte hinzu, es sei ja ein offenes Geheimnis, „dass nicht nur Polizeibeamte, die als Zeugen vor Gericht aussagen sollen, sondern auch Staatsanwälte und Richter aus diesen Clanstrukturen heraus massiv bedroht werden. Im übrigen, mitunter sehr subtil. Da wird nicht gesagt: ich bringe dich um. Da reicht es mitunter, die Anwesenheit des ein oder anderen Clanchefs im Gerichtssaal zu dokumentieren oder schlicht den Satz zu sagen: Es ist doch schön, wie du privat wohnst.“ Dass es vor Prozessen nicht selten einschlägige Hausbesuche zur Einschüchterung gebe, wollte der Strafverteidiger Gottfried Reims zwar nicht bestreiten. Sein Rat, derartige Besuche nicht zu dramatisieren, sondern sie wiederum der Polizei zu melden, die dann schon ermitteln werde – dieser Rat war an Zynismus und Herablassung der ganzen Diskussion gegenüber kaum zu überbieten. Dann solle man nach der Anzeige des Hausbesuchs also einfach den nächsten Hausbesuch abwarten, fragte Plasberg denn auch zurück.

          Wendt unterstützte ausdrücklich auch den unlängst bekannt gewordenen offenen Brief einer Bochumer Polizistin mit griechischen Familienwurzeln, der die oft religiös bemäntelte Verachtung gegenüber Frauen (zumal gegenüber Polizistinnen) hervorbringende Macho-Kultur thematisiere. „Hart, aber Fair“ dokumentierte das Schreiben der Polizistin an die Gewerkschaftszeitschrift „Deutsche Polizei“ wie folgt: „Meine Kollegin und ich werden täglich mit straffälligen Migranten, darunter größtenteils Muslimen (Türken, Araber, Libanesen) konfrontiert, welche nicht den geringsten Respekt vor der Polizei haben. Man wird täglich auf der Straße beleidigt, wenn man zum Beispiel Präsenz zeigt.“

          Für Beck sprach sich hier lediglich eine „Binsenweisheit“ aus, die damit zu tun habe, dass die Polizei naturgemäß mehr und öfter mit Straftätern zu tun habe als der Rest der Bevölkerung. So kann man es vermutlich auch sehen, wenn man sonst nichts sehen will.

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