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Tunesisches Bergbaurevier : Warten auf den Wandel

Chokri Brahmia hat eigentlich alles richtig gemacht. Ein sehr gutes Abitur erlaubte ihm das Studium an der angesehenen Handelshochschule von Tunis. Im Juni 2009 machte er sein Diplom, fand schließlich für einige Monate Arbeit bei einem Messeveranstalter in der Hauptstadt. Doch mit der Revolution war es damit vorbei, das Unternehmen entließ ihn. Es war die Zeit, in der Streiks und Protestzüge das Land lähmten. Brahmia schloss sich den Arbeitslosen aus dem Bergbaurevier an. Im Februar campierte er mit Dutzenden von ihnen vor der Zentrale der „Compagnie des Phosphates de Gafsa“ in Tunis. Einen ganzen Monat lang. Sie fluchten auf die Arbeitsbedingungen in dem Unternehmen, den Staub, der die Lungen krank und die Knochen porös mache - und verlangten doch ebendort Arbeitsplätze. Schließlich, sagt Brahmia, hätten sie die Zusage erwirkt, dass in Moulares 800 Stellen geschaffen würden und 2200 weitere in Metlaoui und Redeyef. Brahmia reichte seine Bewerbungsunterlagen ein. Er wartet immer noch auf eine Antwort.

Chokri Brahmia lebt jetzt wieder in Moulares, bei seinem Vater, einem pensionierten Minenarbeiter, der Mutter und seinen zwei ebenfalls arbeitslosen Brüdern. Seit einem Beschluss der Übergangsregierung erhalten diplomierte Arbeitslose wie er eine Unterstützung von 200 Dinaren (etwa 103 Euro) im Monat, doppelt so viel wie Arbeitslose ohne Diplom. Das Geld komme aber mit monatelanger Verzögerung, sagt Brahmia. Seine Verlobte könne er nicht heiraten, dafür reiche das Geld nicht. Die Redefreiheit sei ja schön und gut, sagt er. „Aber man fühlt sich frei, wenn man jemanden hat, der einem zuhört.“ Doch da gäbe es niemanden. Zwischen Februar und dem Ramadan im August hätten einige die Straße nach Gafsa blockiert, um die Kader der „Compagnie des Phosphates“ zu zwingen, endlich zuzuhören. Ohne Erfolg. Immerhin, sagt Brahmia, hätten die Leute in Moulares verstanden, dass sie sich nicht von den alten Kräften gegeneinander aufhetzen lassen sollten wie die Leute in Metlaoui oder Mdhilla. Man unterstütze einander. Brahmia sagt, auf eine Arbeitsstelle könne er notfalls warten, immerhin seien einige hier schon seit mehr als fünfzehn Jahren arbeitslos. Doch was Gerechtigkeit und Transparenz betreffe, wolle er nicht warten. Und er würde wieder demonstrieren, wenn etwa die Posten in der „Compagnie des Phosphates“ wieder ungerecht besetzt würden.

So hatten die Unruhen des Jahres 2008 ihren Anfang genommen. Tausend Kandidaten bewarben sich auf 81 Stellen. Als die Liste mit den Namen der erfolgreichen ausgehängt wurden, stellte sich heraus, dass einige Kader der Einheitsgewerkschaft im Verein mit der Führung der „Compagnie des Phosphates“ sich über die Regeln hinweggesetzt und ihre Günstlinge bevorzugt hatten. So berichten es die Leute. Sie gingen auf die Straße, für Arbeit, bald aber auch gegen „die Politik“. Die Reaktion folgte umgehend. Besonders hart traf es die Stadt Redeyef. Sicherheitskräfte Ben Alis riegelten sie über Monate hinweg ab.

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