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Streit mit Amerika : Erdogans Drohung

Der amerikanische Präsident Donald Trump und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan während des Nato-Gipfels Anfang Dezember Bild: AFP

Die Nato beruht auf der Zusage aller Mitglieder, einander Beistand zu leisten. Passt das zum Selbstverständnis des türkischen Präsidenten?

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          Der Jubiläumsgipfel der Nato liegt zwei Wochen zurück. Ein Zyniker würde sagen: Und deshalb werden Solidaritätsbeteuerungen wieder von unverhüllten Drohungen abgelöst. Das ist beim türkisch-amerikanischen Verhältnis der Fall.

          Präsident Erdogan hat Washington mit Entzug der Nutzung zweier Militäreinrichtungen im Land gedroht, darunter der großen Luftwaffenbasis Incirlik, sollten die Vereinigten Staaten, wie vom Auswärtigen Ausschuss des Senats befürwortet, Sanktionen gegen die Türkei verhängen. Streitpunkt ist deren Erwerb des russischen Raketenabwehrsystems S-400. Von dem F-35-Programm ist Ankara bereits ausgeschlossen.

          Sollte Erdogan die Drohung wahrmachen und etwa Incirlik für die amerikanischen Streitkräfte sperren, wäre ein neuer Tiefpunkt in den bilateralen Beziehungen erreicht; überdies stellt sich mehr und mehr die Frage nach dem Selbstverständnis der Türkei als Nato-Mitglied.

          Ein Affront sondergleichen

          Ja, der Türkei gefällt es nicht, wenn Parlamente seiner Partner den Völkermord an den Armeniern als solchen anerkennen; ja, die Türkei will eine selbständige, an eigenen (Macht-)Interessen orientierte Rolle im Nahen Osten und im Mittelmeer spielen – sie tritt auch entsprechend auf. Offenkundig nimmt sie dabei immer neue Konflikte mit der Nato in Kauf, einem Bündnis, das, immerhin, auf gegenseitigem Beistand ruht.

          Der Kauf des russischen S-400-Systems war eine Provokation, die Verbannung aus Incirlik wäre ein Affront sondergleichen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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