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Prozess um türkische Zeitung : „Cumhuriyet“-Mitarbeiter bleiben in Haft

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Protest in Istanbul: Aktivisten demonstrieren vor dem Gericht gegen die Anklagen gegen die „Cumhuriyet“-Mitarbeiter. Bild: dpa

Wegen Unterstützung von Terrororganisationen müssen sechs Mitarbeiter der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ weiter hinter Gittern bleiben. Einem Journalisten wird zudem die „Verunglimpfung des Türkentums“ vorgeworfen.

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          Im Prozess gegen Mitarbeiter der regierungskritischen türkischen Zeitung „Cumhuriyet“ hat die Staatsanwaltschaft die fortdauernde Untersuchungshaft für die wichtigsten Angeklagten gefordert. Staatsanwalt Haci Hasan Bölükbasi verlangte am Freitagabend in Istanbul, dass sechs der elf inhaftierten „Cumhuriyet“-Mitarbeiter während des laufenden Prozesses hinter Gittern bleiben, wie die Nachrichtenagentur DHA und die Zeitung „Cumhuriyet“ übereinstimmend berichteten. Darunter sind Chefredakteur Murat Sabuncu, Herausgeber Akin Atalay, der Investigativjournalist Ahmet Sik und der Kolumnist Kadri Gürsel.

          Den Angeklagten wird die Unterstützung verschiedener Terrororganisationen vorgeworfen. Im Fall von Sik forderte Bölükbasi nach Angaben von „Cumhuriyet“ eine zusätzliche Anklage wegen „Verunglimpfung des Türkentums“ – und zwar auf der Basis der Ansprache, die Sik vor Gericht zu seiner Verteidigung hielt. Sik hatte darin am Mittwoch mit Blick auf die Terrorvorwürfe gegen die Angeklagten unter anderem gesagt: „Die Organisation, die sie bei der Zeitung „Cumhuriyet“ suchen, regiert unter dem Deckmantel einer politischen Partei das Land.“

          Bei fünf Inhaftierten plädierte der Staatsanwalt darauf, dass sie bis zu einem Urteil auf freien Fuß kommen, vier davon unter Auflagen. Bei ihnen handelt es sich um den Karikaturisten der Zeitung, Musa Kart, um einen Anwalt, ein Vorstandsmitglied, einen Kolumnisten und einen Redakteur der Literaturbeilage. Eine Entscheidung des Gerichts zu den Forderungen der Staatsanwaltschaft wurde noch am Abend erwartet.

          Den Journalisten, Herausgebern und anderen Mitarbeitern des traditionsreichen Blatts wird Unterstützung der Gülen-Bewegung und anderer „Terrororganisationen“ vorgeworfen. Die Zeitung weist die Vorwürfe entschieden zurück und beschuldigt die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan, mit dem Prozess eine der letzten unabhängigen Pressestimmen zum Schweigen bringen zu wollen.

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