https://www.faz.net/-gpf-8z5lv

Demonstration in Istanbul : Türkische Polizei setzt Gummigeschosse gegen Gay-Pride-Protestanten ein

  • Aktualisiert am

Türkische Polizisten versuchen die Demonstration mit Gewalt zu stoppen. Bild: AFP

Um die verbotene Demonstration für die Selbstbestimmung sexueller Minderheiten zu stoppen, schreckt die türkische Polizei auch nicht vor Gummigeschossen zurück. Menschenrechtsorganisationen sind alarmiert.

          1 Min.

          Mit Gummigeschossen hat die türkische Polizei Aktivisten daran gehindert, trotz eines Verbots eine Gay Pride-Parade in Istanbul abzuhalten. Die Beamten gingen am Sonntag gegen rund 40 Aktivisten vor, die sich auf dem zentralen Taksim-Platz versammelt hatten, um für die Rechte sexueller Minderheiten zu demonstrieren. Es gab mehrere Festnahmen. Es war das dritte Jahr in Folge, dass die Gay Pride verboten wurde.

          Auf dem Taksim-Platz befanden sich laut einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP mehr Polizisten als Demonstranten. Mindestens vier Menschen wurden festgenommen. „Wir haben keine Angst“, erklärte das Gay-Pride-Komitee. „Wir sind hier, wir werden uns nicht ändern.“ Die Homosexuellen würden ihren Kampf „entschlossen fortsetzen“. Der Istanbuler Provinzgouverneur hatte die Gay-Pride-Parade am Samstag mit der Begründung untersagt, die Demonstration für die Selbstbestimmungsrechte sexueller Minderheiten (LGBTI) gefährde „die Sicherheit von Touristen und die öffentliche Ordnung“.

          In diesem Jahr fiel die Parade mit dem großen Fastenbrechen zum Abschluss des islamischen Ramadan-Monats zusammen. In sozialen Netzwerken machten türkische Nationalisten und Rechtsextremisten Stimmung gegen die Demonstration. In der Türkei herrscht seit dem gescheiterten Putschversuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Juli der Ausnahmezustand.

          Schon in den Jahren 2015 und 2016 hatten die Behörden die Gay Pride in Istanbul verboten. Im vergangenen Jahr trotzten bis zu 300 Menschen dem Verbot. Die Polizei ging damals mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor und konfiszierte Regenbogenfahnen der Aktivisten.

          In den Jahren zuvor fand die Versammlung hingegen statt, ohne dass es zu Zwischenfällen kam. Damit war die Istanbuler Gay Pride die einzige Demonstration von Homosexuellen in einem mehrheitlich muslimischen Land in dieser Weltregion. Seit den Protesten gegen den Abriss des am Taksim angrenzenden Gezi-Parks im Jahr 2013 haben die türkischen Behörden Demonstrationen auf dem zentralen Istanbuler Platz verboten.

          In der vergangenen Woche standen in Istanbul elf Aktivisten vor Gericht, weil sie sich im vergangenen Jahr an der nicht genehmigten Kundgebung beteiligt hatten. Sie wurden freigesprochen. Homosexualität ist in der Türkei nicht strafbar, Erdogan hält sich mit Äußerungen zu dem Thema zurück, obwohl er für seine konservativen Ansichten in Fragen von Familie und Sexualität bekannt ist.

          Weitere Themen

          Direkter Draht ins Weiße Haus

          Trumps Syrien-Politik : Direkter Draht ins Weiße Haus

          In einem Telefonat überzeugt Erdogan Trump, sich aus dem Nordosten Syriens zurückzuziehen. Den Kurden dort droht eine Massenvertreibung – und danach will Ankara Flüchtlinge ansiedeln.

          Topmeldungen

          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
          Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

          Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

          Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.