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Gezielte Provokation? : Türkei verweigerte deutschem Militärtransporter den Überflug

Ein A 310 der deutschen Luftwaffe in Köln. Bild: AFP

Ankara, eigentlich Nato-Partner Berlins, hat diesen Sommer einen A 310 der deutschen Luftwaffe zur Umkehr gezwungen. Er sollte armenische Soldaten zu einem Lehrgang nach Deutschland bringen.

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          Die Türkei setzt ihren Kurs gezielter Provokation gegen Nato-Verbündete offenbar fort. Wie jetzt bekannt wurde, verweigerte die türkische Flugsicherung Mitte Juli einem deutschen Militärtransporter kurzfristig den Überflug über sein Staatsgebiet. Der Vorfall ereignete sich, als der A310 der Luftwaffe auf dem Weg nach Eriwan war, um dort Angehörige der armenischen Streitkräfte abzuholen. Sie sollten in Deutschland an einem Lehrgang teilnehmen.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Ein Sprecher der Luftwaffe bestätigte am Freitag der F.A.Z. eine Meldung der Zeitschrift „Der Spiegel“. Wie die Luftwaffe mittteilte, war der Flug von Köln nach Eriwan auf dem üblichen diplomatischen Weg beantragt und genehmigt worden, ein Routinevorgang. Jedoch wurde dann während des Hinflugs, der noch ohne Passagiere stattfand, von türkischer Seite mitgeteilt, dass für den Rückflug keine Überfluggenehmigung erteilt werde. Die Luftwaffen-Maschine musste umkehren. Weil die Sache auch später nicht partnerschaftlich beigelegt werden konnte, mussten die armenischen Soldaten dann im August mit einem Flug über Russland abgeholt werden.

          Nach dem Bericht des „Spiegel“ geht die Bundeswehr davon aus, das die Türkei dem Flugzeug wegen des Reiseziels Armenien den Überflug verweigert hat. Hintergrund ist der türkische Völkermord an Hundertausenden Armeniern während des Ersten Weltkrieges, den der Bundestag als solchen anerkennt, die Türkei aber entschieden bestreitet. Die Türkei trägt derzeit einen schweren Konflikt mit Griechenland um Gas-Vorkommen aus. Im Mittelmeer war es vor kurzem beinahe zu einem Gefecht zwischen einem türkischen und einem französischen Kriegsschiff gekommen. Dabei ging es um den Verdacht illegaler Waffenlieferungen die Türkei nach Libyen.

          Erst vorige Woche war bekannt geworden, dass die Türkei moderne Airbus-A400M-Transporter nutzt, um völkerrechtswidrig Material in das Bürgerkriegsland zu fliegen. Die deutsche Luftwaffe hatte zudem während des Kampfes gegen den Islamischen Staat in Syrien und Irak wegen ständiger Schikanen der türkischen Seite 2017 ihre Präsens an einem türkischen Flugplatz aufgegeben und war nach Jordanien umgezogen.

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