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Umstrittenes Geschäft : Stoppt Türkei Kauf russischer Luftabwehr?

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Eigentlich wollte die Türkei mehrere S-400-Systeme (hier bei einer Parade am 9. Mai) kaufen. Bild: EPA

Die Türkei hat einem Medienbericht zufolge Abstand vom Kauf russischer S-400-Luftabwehrsysteme genommen. Angeblich fürchtet das Nato-Mitglied Sanktionen aus Washington. Ankara und Moskau dementieren.

          Im Streit zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei um die Lieferung russischer Luftabwehrraketen lenkt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan offenbar ein. Wegen der von Washington angedrohten Sanktionen werde es „zu keiner Lieferung der S-400 kommen“, zitierte die „Bild“-Zeitung (Samstag) einen ranghohen Diplomaten aus Ankara. „In der aktuellen Lira-Krise wäre das der wirtschaftliche Untergang der Türkei“, hieß es weiter.

          Aus der Türkei kam ein Dementi des Berichts. „Die S-400-Lieferung ist beschlossene Sache“, schrieb der türkische Präsidentensprecher Fahrettin Altun im Kurzbotschaftendienst Twitter. Auch aus Moskau kam ein Dementi: Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte eine ungenannte Quelle aus Militärkreisen, wonach es „keinerlei Veränderungen“ an dem Vertrag gebe. Die Lieferung der S-400-Raketen werde vorbereitet.

          Die Pläne der Türkei, das Luftabwehrsystem zu kaufen, sorgen schon länger für Spannungen innerhalb der Nato. Die Vereinigten Staaten und andere Mitgliedstaaten fürchten, Russland könnte über das S-400-System Informationen zu Nato-Flugzeugen erlangen. Washington hat aus Protest das gemeinsame F-35-Kampfjet-Programm mit der Türkei auf Eis gelegt und mit weiteren Wirtschaftssanktionen gedroht. Die Türkei hatte bisher trotz aller Kritik an dem Rüstungsgeschäft festgehalten.

          Schlechte Beziehungen zwischen Ankara und Washington

          Das Raketenabwehrsystem S-400 ist zur Bekämpfung von Marschflugkörpern und Kampfflugzeugen konzipiert, soll aber auch Kurz- und Mittelstreckenraketen abfangen können. Entwickelt wurde das System noch in der ehemaligen Sowjetunion, dann aber von Russland weiter betrieben. Es verfügt über eine Reichweite von 380 Kilometern und soll Ziele bis eine Höhe von 30 Kilometern bekämpfen können. Die Nato bezeichnet das Gerät mit dem Namen SA-21 Growler.

          Zwischen Ankara und Washington steht es derzeit sowieso nicht zum Besten. In der vergangenen Woche hatte das amerikanische Außenministerium sehr deutlich die Entscheidung der türkischen Wahlbehörde kritisiert, die Bürgermeisterwahl in Istanbul zu annullieren. Die Amerikaner forderten die Türkei in einer Stellungnahme dazu auf, für faire Wahlen zu sorgen. Aus Ankara wurde die Kritik zurückgewiesen mit dem Hinweis, die Entscheidung der Behörde sei zu respektieren.

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