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Operation in Nordsyrien : Türkei droht mit Ausweitung der Offensive in Kurdengebieten

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Der türkische Präsident Recep Tayyip Ergoan am Dienstag bei der Beerdigung des ersten, im Rahmen der „Operation Olivenzweig“ getöteten türkischen Soldaten Bild: AFP

Die türkische Armee hat sich am Dienstag heftige Gefechte mit den kurdischen „Volksschutzeinheiten“ geliefert. Aufrufe von Imamen, für den Erfolg der Soldaten zu beten, sorgen unterdessen in Baden-Württemberg für Ärger.

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          Die Türkei hat gedroht, ihre Offensive auf weitere von Kurden kontrollierte Gebiete im Norden Syriens auszuweiten. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte am Dienstag nach Angaben des Nachrichtensenders Habertürk: „Die Terroristen in Manbidsch feuern als Provokation ständig Schüsse ab.“

          Er forderte die Vereinigten Staaten auf, mäßigend auf die mit ihnen verbündeten kurdischen „Volksschutzeinheiten“ in der syrischen Stadt einzuwirken. Andernfalls, sagte Cavusoglu weiter, „werden wir sie stoppen“.

          Die türkische Armee lieferte sich am Dienstag weiter heftige Gefechte mit den „Volksschutzeinheiten“ im westlichen der kurdisch kontrollierten Gebiete Syriens. Die Kurden verkündeten eine „Generalmobilmachung“ zur Verteidigung des Gebiets Afrin. Laut Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seit dem Beginn der Militäraktion am Samstag mehr als 80 kurdische Kämpfer und protürkische Rebellen getötet.

          Berichte, wonach es auch 24 zivile Opfer türkischer Angriffe gab, wies die Türkei als „Propaganda“ zurück. Im eigenen Land geht die Regierung gegen Kritiker der Offensive vor. Nach Medienberichten wurden fast hundert Menschen festgenommen. Sie sollen in sozialen Medien „terroristische Propaganda verbreitet“ haben.

          Verbündete riefen die Türkei abermals zur Zurückhaltung auf. Eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu der Offensive war am Montagabend jedoch ohne gemeinsame Erklärung zu Ende gegangen.

          In Baden-Württemberg sollen Imame in Ditib-Gemeinden im oberschwäbischen Bad Wurzach sowie in Schömberg im Landkreis Calw ihre Gemeindemitglieder dazu aufgerufen haben, für den Erfolg der türkischen Soldaten bei dem Militäreinsatz gegen die Kurden zu beten.

          Der Generalsekretär der baden-württembergischen CDU, Manuel Hagel, bezeichnete solche Aufforderungen als „gelebte Integrationsfeindlichkeit“. „Die Zeiten, in denen die Geistlichkeit in unserem Land für Kriegserfolge betet, sind Gott sei Dank längst vorbei“, sagte Hagel. Für „Gewaltprediger“ sei in Deutschland kein Platz. Ditib instrumentalisiere die Religion schamlos für die „machtpolitischen Ambitionen“ des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

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