https://www.faz.net/-gpf-96ddh

Operation in Nordsyrien : Türkei droht mit Ausweitung der Offensive in Kurdengebieten

  • Aktualisiert am

Der türkische Präsident Recep Tayyip Ergoan am Dienstag bei der Beerdigung des ersten, im Rahmen der „Operation Olivenzweig“ getöteten türkischen Soldaten Bild: AFP

Die türkische Armee hat sich am Dienstag heftige Gefechte mit den kurdischen „Volksschutzeinheiten“ geliefert. Aufrufe von Imamen, für den Erfolg der Soldaten zu beten, sorgen unterdessen in Baden-Württemberg für Ärger.

          Die Türkei hat gedroht, ihre Offensive auf weitere von Kurden kontrollierte Gebiete im Norden Syriens auszuweiten. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte am Dienstag nach Angaben des Nachrichtensenders Habertürk: „Die Terroristen in Manbidsch feuern als Provokation ständig Schüsse ab.“

          Er forderte die Vereinigten Staaten auf, mäßigend auf die mit ihnen verbündeten kurdischen „Volksschutzeinheiten“ in der syrischen Stadt einzuwirken. Andernfalls, sagte Cavusoglu weiter, „werden wir sie stoppen“.

          Die türkische Armee lieferte sich am Dienstag weiter heftige Gefechte mit den „Volksschutzeinheiten“ im westlichen der kurdisch kontrollierten Gebiete Syriens. Die Kurden verkündeten eine „Generalmobilmachung“ zur Verteidigung des Gebiets Afrin. Laut Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seit dem Beginn der Militäraktion am Samstag mehr als 80 kurdische Kämpfer und protürkische Rebellen getötet.

          Berichte, wonach es auch 24 zivile Opfer türkischer Angriffe gab, wies die Türkei als „Propaganda“ zurück. Im eigenen Land geht die Regierung gegen Kritiker der Offensive vor. Nach Medienberichten wurden fast hundert Menschen festgenommen. Sie sollen in sozialen Medien „terroristische Propaganda verbreitet“ haben.

          Verbündete riefen die Türkei abermals zur Zurückhaltung auf. Eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu der Offensive war am Montagabend jedoch ohne gemeinsame Erklärung zu Ende gegangen.

          In Baden-Württemberg sollen Imame in Ditib-Gemeinden im oberschwäbischen Bad Wurzach sowie in Schömberg im Landkreis Calw ihre Gemeindemitglieder dazu aufgerufen haben, für den Erfolg der türkischen Soldaten bei dem Militäreinsatz gegen die Kurden zu beten.

          Der Generalsekretär der baden-württembergischen CDU, Manuel Hagel, bezeichnete solche Aufforderungen als „gelebte Integrationsfeindlichkeit“. „Die Zeiten, in denen die Geistlichkeit in unserem Land für Kriegserfolge betet, sind Gott sei Dank längst vorbei“, sagte Hagel. Für „Gewaltprediger“ sei in Deutschland kein Platz. Ditib instrumentalisiere die Religion schamlos für die „machtpolitischen Ambitionen“ des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

          Weitere Themen

          Erhöhte Wachsamkeit auch in Deutschland

          Nach Straßburger Anschlag : Erhöhte Wachsamkeit auch in Deutschland

          Der Terroranschlag in Frankreich sorgt auch in Deutschland für Unsicherheit: Einige Bundesländer verstärken ihr Polizeiaufgebot auf Weihnachtsmärkten – in Rheinland-Pfalz fordert der Innenminister sogar, dass die Polizei „die Maschinenpistole sichtbar trägt“.

          Topmeldungen

          Theresa May : Jetzt soll Brüssel den Brexit retten

          Die britische Premierministerin Theresa May hat den Aufstand in ihrer Fraktion überstanden. Auf dem Brexit-Gipfel erhofft sie sich nun Unterstützung der EU. Doch die Lage ist verzwickt.
          Diskussion bei Sandra Maischberger

          TV-Kritik: Sandra Maischberger : Das Jahr der Frauen

          Mit ihrem obligatorischen Jahresrückblick verabschiedete sich Sandra Maischberger in die Weihnachtspause. Es ging um Fussball und Politik, aber vor allem um ein Lebensgefühl. Darüber durften sogar Männer diskutieren.
          Unser Sprinter-Autor: Jasper von Altenbockum

          FAZ.NET-Sprinter : 27 Mal vorbestraft

          Nach dem Amoklauf in Straßburg fragt man sich: Was hilft gegen solche Täter? Der Brexit und Theresa Mays Rücktritt beherrschen diesen Donnerstag. Was sonst noch kommt, steht im Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.