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Truppenabzug : Kleiner, flexibler und schneller im Einsatz

Bild: F.A.Z.

Das von Präsident Bush angekündigte neue Stationierungskonzept ist Teil einer operativen Neugestaltung der amerikanischen Streitkräfte, das der veränderten weltweiten Sicherheitslage Rechnung tragen soll.

          Auf den ersten Blick erscheint der angekündigte amerikanische Truppenabzug aus Deutschland nicht völlig frei von tagespolitischen Einflüssen zu sein. Immerhin nutzte der amerikanische Präsident Bush eine Rede vor Veteranen in einem für die anstehende Präsidentenwahl wichtigen Bundesstaat, um die Botschaft vom "Heimholen" der Soldaten zu verkünden. Und in der Vergangenheit hatte es in Deutschland immer wieder Vermutungen gegeben, die seit langem bekannten Überlegungen zum Auflösen von Stützpunkten könnten so etwas wie eine "Bestrafung" der Regierung Schröder für ihr Verhalten im Streit über den Irak-Krieg sein.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          In Amerika wurde aber auch schon lange vor dem Krieg und lange vor Beginn des Wahlkampfes über eine Neustrukturierung der amerikanischen Truppenpräsenz in Übersee nachgedacht. Seit Jahren beschäftigt sich das Pentagon mit der Frage, wie ein neues Stationierungskonzept auszusehen hat, daß der veränderten Sicherheitslage nach dem Ende des Kalten Krieges entspricht.

          Erste Korrekturen nach Zerfall des Ostblocks

          Bis zum Fall der Berliner Mauer war die weltweite Verteilung der amerikanischen Truppen einfach geregelt. Eine massive amerikanische Truppenpräsenz geb es in Europa und Asien, um für Kriege gegen die Sowjetunion und ihre kommunistischen Verbündeten gewappnet zu sein. Nach dem Zerfall der Ostblocks wurden zwar erste Korrekturen vorgenommen, indem etwa die Anzahl der in Deutschland stationierten Soldaten von 250.000 am Ende des Kalten Krieges auf heute etwas mehr als 71.000 abgesenkt wurde.

          Die geographische Grundstruktur blieb aber im wesentlichen erhalten: Die größten permanent stationierten Kontingente lagen weiterhin in Europa, wo derzeit neben Deutschland vor allem Italien (14.000 Soldaten), Großbritannien (11.000), Spanien (2450), Island (1700) und die Türkei (1770) genutzt werden. In Asien sind die größten Verbände in Südkorea (40.000), Japan (35.000) und auf der Pazifikinsel Guam (3800) stationiert.

          Neue territoriale Aufstellung

          Die Anschläge des 11. September 2001 bestärkten die Verteidigungsplaner in Washington jedoch in der Ansicht, daß die beiden größten neuen Bedrohungen (Terrorismus und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen) auch eine neue territoriale Aufstellung der amerikanischen Streitkräfte erforderlich machten. Die Kriege in Afghanistan, wo derzeit etwa 10.000 amerikanische Soldaten eingesetzt sind, und im Irak (140.000) führten die verbliebene Weltmacht in Gegenden, wo sie bisher wenig Präsenz gezeigt hatte.

          Aus Europa und Ostasien, wo um die amerikanischen Kasernen herum kleine stadtähnliche Anlagen mit Wohnquartieren für die Familien der Soldaten, Schulen und Supermärkten entstanden waren, mußten immer wieder Verbände in die neuen Krisenherde verlegt werden, wo an den Aufbau einer solchen Infrastruktur gar nicht gedacht war. Da man im Pentagon erwartet, daß künftige Konflikte weiterhin vor allem im Nahen Osten, in Zentralasien oder in Südostasien stattfinden werden, stand der Bestand der alten Stützpunkte in Europa und Ostasien seit längerem zur Debatte.

          Logistische Knotenpunkte

          Nach allem, was bisher bekannt wurde, ist aber nicht vorgesehen, nun in den neuen Einsatzgebieten Basen aufzubauen, die mit den zu schließenden vergleichbar wären. Ein Teil der abziehenden Soldaten soll ohnehin in die Vereinigten Staaten zurückkehren. Das Pentagon will vielmehr neue, kleinere Stützpunkte aufbauen, die zwar geographisch näher an den potentiellen Krisenherden liegen, die aber vor allem als logistische Knotenpunkte für den flexiblen Transport von Truppen dienen sollen.

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