https://www.faz.net/-gpf-p8sn

Truppenabzug : "Jeder Amerikaner, der geht, ist ein Freund, der geht"

  • -Aktualisiert am

In Wiesbaden gibt man sich gelassen Bild: dpa/dpaweb

Nach Angaben von Militärexperten wird die Zahl amerikanischer Truppen in Deutschland von derzeit 70.000 auf40.000 sinken. Betroffen wären vor allem die bisherigen Divisionsstandorte Wiesbaden und Würzburg.

          In Wiesbaden wird nicht daran gezweifelt, daß eine der Einheiten, die zurück in die Vereinigten Staaten verlegt werden sollen, die 1. Panzerdivision ist, die ihr Hauptquartier in der hessischen Landeshauptstadt hat. Der amerikanische Verbindungsoffizier zur hessischen Landesregierung hatte schon vor einigen Monaten dazu bemerkt, es sei eindeutig, daß etwas passieren werde, nur der Zeitpunkt sei noch unklar. Und General Richard Myers, der Chef des amerikanischen Generalstabs, hatte Anfang Juni auf dem Stützpunkt Wiesbaden-Erbenheim während eines Besuches von Angehörigen der Soldaten gesagt, für die Soldaten werde es in Zukunft mehr Bewegung geben - für ihre Familien dagegen weniger.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die traditionsreiche "First Armored Division" wurde 1940 in Fort Knox gegründet. Ihre Soldaten verweisen mit Stolz darauf, im Zweiten Weltkrieg die erste amerikanische Panzerdivision mit Feindkontakt gewesen zu sein. Sie hat wie die 1. Infanteriedivision, die in Würzburg stationiert ist und ebenfalls nach Amerika zurückkehren soll, bisher zwei ihrer drei Brigaden auf deutschem Boden; die dritte ist in Fort Riley im amerikanischen Bundesstaat Kansas stationiert. So kamen von den rund 16.500 im Mai vergangenen Jahres in den Irak abkommandierten Soldaten der Einheit 13.000 aus hessischen Standorten und etwa 3500 aus Amerika.

          Umzug bisher nicht bestätigt

          Während der Führungsstab der Panzerdivision in Wiesbaden untergebracht ist, haben die Kampftruppen ihre Quartiere in den hessischen Städten Friedberg, Hanau, Gießen sowie in den rheinland-pfälzischen Kommunen Baumholder und Wackenheim. Beim Abzug an den Golf hatte es erste Vermutungen gegeben, die "First Armored" werde möglicherweise gar nicht mehr in ihre hessischen Standorte zurückkehren.

          Nach der Verlängerung ihres einjährigen Einsatzes um 90 Tage sind die Soldaten der beiden bisher in Deutschland beheimateten Brigaden in den vergangenen Wochen jedoch zunächst wieder in ihre Kasernen eingerückt. Ob sie nunmehr nach Fort Riley umziehen sollen, wird auch vom Hauptquartier der amerikanischen Heeresstreitkräfte in Heidelberg bisher nicht bestätigt.

          Schon im April vergangenen Jahres hatten die Amerikaner angekündigt, die Standorte Friedberg sowie Wetzlar, Bad Nauheim und Butzbach, wo nur noch Wohnungsiedlungen genutzt werden, bis 2008 vollständig aufzugeben. In Gießen sollten dann nur noch Zivilbeschäftigte in der Wohnraumverwaltung und einem Zentrallager für Kleidung und Fahrzeugteile ihren Dienst verrichten.

          Wiesbaden bleibt Stützpunkt

          In den betroffenen Städten wird nun erwartet, daß die von Präsident Bush verkündeten Pläne den Rückzug beschleunigen werden. Das hessische Wirtschaftsministerium rechnet allein in Mittelhessen mit dem Freiwerden von rund 1300 Hektar ehemaliger Wohnsiedlungen, Kasernen und Übungsplätze. In den Kommunen werden neben dem Verlust von Arbeitsplätzen und Kaufkraft vor allem negative Auswirkungen auf die lokalen Wohnungsmärkte befürchtet.

          Wiesbaden dürfte im Gegensatz zu den mittelhessischen Standorten auch nach Abzug der Ersten Panzerdivision ein Stützpunkt amerikanischer Truppen bleiben. In der Landeshauptstadt sind ebenso wie im benachbarten Mainz noch mehrere tausend Soldaten anderer Einheiten stationiert. Neben der 1. Panzerdivision hat dort auch die Versorgungseinheit "3. Corps Support Command" ihr Hauptquartier.

          Oberbürgermeister Hildebrand Diehl (CDU) sagte am Dienstag, er erwarte, daß sich an der Zahl der in Wiesbaden lebenden Amerikaner auch nach einem möglichen Abzug der Panzerverbände nur wenig ändern werde. Hoffnung machen offenbar auch Berichte, an die Stelle der Panzerdivision könne möglicherweise eine leichter bewaffnete Brigade treten. Die Rede ist von einer etwa 5000 Mann starken Einheit, die mit dem neuen Panzerfahrzeug "Stryker" ausgerüstet sein soll.

          Weitere Themen

          Netanjahu fordert Bildung großer Koalition

          Wahl in Israel : Netanjahu fordert Bildung großer Koalition

          In Israel siegt das Mitte-Bündnis Blau-Weiß mit einer hauchdünne Mehrheit vor dem Likud, der Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Dieser will nun mit seinem Herausforderer Benny Gantz regieren – lässt dabei aber eines offen.

          Topmeldungen

          Rechtsextreme Netzwerke : Wie stoppt man den Hass?

          Rechtsextreme Netzwerke stiften im Internet immer wieder zu blutigen Taten an. In einer neuen Studie untersuchen Physiker die Dynamiken des Hasses – und entwickeln vier Strategien dagegen.
          Justin Trudeau im September in Truro

          Wahlkampf in Kanada : Der Politik-Star stellt sich den Wählern

          Ende Oktober wird in Kanada gewählt. Premierminister Justin Trudeau, der seiner liberalen Partei vor vier Jahren einen Rekordsieg einbrachte, führt einen Wahlkampf mit Startschwierigkeiten.
          Argentinische Weinbauern in der Region Mendoza.

          Freihandelsabkommen : „Das Mercosur-Abkommen ist Geschichte“

          In der EU kommt es zu einem weiteren Streit um Freihandelsabkommen. Österreich wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen den Vertragsschluss mit den Mercosur-Staaten stimmen. Vieles erinnert an einen früheren Konflikt mit Kanada.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.