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Trumps Truppenabzug : Europas schmelzende Sicherheit

Die Flagge auf der Uniform eines amerikanischen Soldaten bei einer Übung in Grafenwöhr am 4. März 2020 Bild: AFP

Trump geht mit der Nato und den Verbündeten so um wie mit seinem eigenen Land. Er zerstört die Glaubwürdigkeit des Bündnisses und gefährdet so Europas Sicherheit.

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          Es ist kein Zufall, dass in Deutschland nur aus der Linkspartei Beifall für die Meldung kam, Donald Trump wolle mehr als ein Viertel der derzeit hierzulande stationierten amerikanischen Soldaten abziehen: Da sind sicherheitspolitische Geisterfahrer unter sich. Das Entsetzen in den übrigen demokratischen Parteien von der Union bis zu den Grünen wird nicht von der Furcht vor kurz- oder mittelfristigen militärischen Folgen dieser bisher noch nicht offiziell bestätigten Entscheidung gespeist.

          Die Sicherheit Deutschlands und Europas hängt nicht von einer bestimmten Zahl amerikanischer Soldaten auf deutschem Boden ab. Es sind gute Gründe dafür denkbar, die Truppenstärke hier zu reduzieren und in Polen oder anderen Ländern entlang der Ostflanke der Nato zu verstärken – dort, wo durch Russlands aggressives Verhalten die größte Gefahr für die europäische Sicherheit droht.

          An Zusammenhalt der Nato nicht interessiert

          Aber in einem Bündnis müsste unter den Partnern über einen solchen Schritt diskutiert werden. Voraussetzung dafür wäre eine erkennbare sachliche Grundlage für einen solchen Vorstoß, doch von der ist bisher nichts zu sehen. Ernsthafte strategische Überlegungen sollte man hinter dem Beschluss zum Abzug von Truppen aus Deutschland wohl gar nicht erst suchen. Trump geht mit der Nato so um, wie er auch mit dem eigenen Land umgeht. Was das bedeutet, kann man sowohl an seinem Umgang mit Covid-19 als auch an seiner Reaktion auf die Proteste nach der Tötung von George Floyd durch Polizisten sehen.

          So ist der Kern dieser Nachricht nicht eine Verlagerung von Truppen von hierhin nach dorthin (wobei noch niemand so genau weiß, wo das überhaupt sein soll), sondern ein weiteres Mal die politische Botschaft: Der Führungsmacht der Nato ist der Zusammenhalt des Bündnisses nicht mehr wichtig. Wenn es nach der Wahl im November nicht zu einem Machtwechsel im Weißen Haus kommt, bedeutet das im besten Fall, dass der Einfluss des demokratischen Westens in der Welt schneller schmelzen wird als das arktische Eis im Klimawandel. Im schlechteren Fall werden sich Moskau und Peking dadurch zu militärischen Abenteuern ermutigt fühlen.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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