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Zwischenbilanz : Der Gelegenheitsfaschist

  • -Aktualisiert am

Donald Trump grüßt beim Ausstieg aus dem Präsidentenhubschrauber einen Soldaten auf dem Rasen des Weißen Hauses. Bild: EPA

Hässliche Kräfte setzen auf Amerikas Präsident. Doch ihren Kurs stringent zu verfolgen, dafür ist Donald Trump zu faul. Er denkt über niemand anderen nach als sich selbst. Ein Gastkommentar.

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          Robert Welch war der Inbegriff eines paranoiden Antikommunisten, ein Mann, der McCarthy nachgerade friedfertig und vernünftig erscheinen ließ. Als Mitbegründer der fanatisch rechtsgerichteten John Birch Society, die ihr Hauptquartier in McCarthys Heimatstadt Appleton, Wisconsin, hatte, glaubte Welch, der Senator und Kommunistenjäger gehe in seinem Feldzug gegen die kommunistische Infiltration der amerikanischen Gesellschaft nicht weit genug.

          In Welchs Augen war kein Geringerer als Dwight D. Eisenhower – Held des Zweiten Weltkriegs und zweifach gewählter Präsident der Vereinigten Staaten – ein „engagierter und zielstrebiger Agent der kommunistischen Verschwörung“. Außerdem sei der jüngere Bruder des Präsidenten, Milt Eisenhower, dessen „Vorgesetzter und Boss innerhalb der Kommunistischen Partei“. Wozu der konservative Intellektuelle Russell Kirk spöttisch bemerkte: „Ike ist kein Kommunist, er ist ein Golfer.“

          Schon nach wenigen Monaten der Präsidentschaft Donald Trumps habe ich langsam das Gefühl, Kirks Einschätzung des Präsidenten Eisenhower – wonach der einfach allzu harmlos und banal gewesen sei, um als Extremist irgendeiner Couleur gelten zu können – ließe sich auch auf den gegenwärtigen Führer der freien Welt übertragen. Donald Trump ist kein Faschist, er ist ein Golfer (wenn auch einer, der dabei mogelt).

          Natürlich will ich Eisenhower und Trump nicht miteinander vergleichen. Eisenhower half, die westliche Zivilisation vor der Barbarei zu retten, und war Präsident einer erstklassigen Bildungseinrichtung (der Columbia University), bevor er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, während Trump nur ein ordinärer Egomane ist, der sich einst vor dem Militärdienst drückte. Gemeinsam haben sie allerdings, dass hyperventilierende Kritiker sie als etwas darstellen, was sie nicht sind. Hartgesottene Antikommunisten wie Welch redeten sich ein, der amerikanische Präsident sei ein sowjetischer Geheimagent, weil sie sich nur so eine Reihe außenpolitischer Entwicklungen erklären konnten, die mit dem „Verlust“ Chinas an Maos kommunistischen Streitkräfte 1949 begann.

          Trump ist ein Narzisst, der sich keiner Sache verpflichtet fühlt

          Was Trump anbelangt, setzt die Anschuldigung, dass er ein Faschist sei, ein Maß an intellektueller Stringenz und Disziplin voraus, das gegenüber den Faschisten offen gestanden unfair wäre. Während Faschisten Blut, Boden und Nation verehren und die Selbstaufopferung für das Vaterland romantisieren, ist Trump nur ein Narzisst, der sich keiner Sache verpflichtet fühlt außer seinen eigenen käuflichen Triebregungen. Seine häufigen Ausfälle gegen die Medien etwa sind zwar typisch für Despoten (bis hin zur Verwendung des von Stalin und Hitler gerne benutzten Ausdrucks »Volksfeinde«), scheinen aber weniger von dem Wunsch, den ersten Verfassungszusatz zu zerreißen, als von kindischer Überempfindlichkeit motiviert zu sein. Schließlich hat dieser Mann die Medien während seines ganzen öffentlichen Lebens bis hin zu seinem erfolgreichen Präsidentschaftswahlkamp stets (recht brillant) für seine eigenen Zwecke benutzt.

          Trumps politische Agenda (mit ihren Ursprüngen in dem Wunsch, sich an einem Präsidenten zu rächen, der sich im landesweiten Fernsehen über ihn lustig gemacht hatte) riecht eher nach Opportunismus als nach dem Bemühen, ein großes ideologisches Projekt voranzutreiben. Dadurch verringert sich nicht das Spektrum hässlicher Kräfte, die von Trump ermutigt werden; das gilt vor allem für die rassistische Alt-Right-Bewegung, zu deren Vorreitern die auf Verschwörungstheorien spezialisierte Webseite Breitbart.com und der selbsternannte „Leninist“ Steve Bannon gehören.

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