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Aufräumen in Texas : Verzweifelt gegen die Fluten

  • -Aktualisiert am

An der Whitewing Lane haben sich schon alle Anwohner in Sicherheit gebracht. Bild: Nina Rehfeld

Zwei Männer aus San Antonio haben alles stehen und liegen lassen, um in Houston zu helfen. Mit einem kleinen Boot suchen sie nach Überlebenden – bis ans Ende ihrer Kräfte und darüber hinaus.

          10 Min.

          „Okay, wir wollen alle zivilen Helfer aus dieser Zone raushaben!“, ruft der Mann, der mit Kurzhaarschnitt und in Armeekleidung auf der Brücke über dem Buffalo Bayou steht und mit den Armen fuchtelt. Hinter ihm ist soeben ein gigantischer Blackhawk-Hubschrauber auf der Kirkwood-Brücke gelandet, um Menschen aus den Flutgebieten zu retten.

          Es ist Dienstagmittag. Seit Sonntag sind hier Dutzende zivile Helfer im Einsatz, um die Anwohner aus ihren überfluteten Nachbarschaften am Buffalo Bayou zu befreien. Einige sind in Kanus und Paddelbooten unterwegs, viele in Flachbooten, sogenannten Johnboats, wie sie normalerweise zum Angeln in den hiesigen Sumpfgebieten benutzt werden. „Sie wollen uns abziehen“, gibt einer der Retter an die Freiwilligen im Boot hinter ihm weiter, das mit zwei alten Leuten und einem Hund an Bord auf die Brücke zusteuert.

          Eric Soluri, der am Steuer eines schmalen Johnboats sitzt und eben eine Hochschwangere und eine Frau mit einem vier Monate alten Kind abgesetzt hat, wirft seinem Freund Chance McLoud einen Blick zu und sagt: „Wir könnten gehorchen. Oder wir könnten das Gesetz wie so oft einfach missachten.“ Chance grinst und schiebt das Boot wieder in die Fluten. Soluri dreht den kleinen Acht-Pferdestärken-Motor auf und tuckert zurück in den Kirkwood Drive, eine hübsche Allee, die mehr als einen Meter tief unter Wasser steht, und in deren Nebenstraßen noch Leute auf Rettung warten.

          Hier am Buffalo Bayou im Osten Houstons hat Hurrikan Harvey nach dem Wind und dem Regen noch einmal zugeschlagen. Da die Dämme der nahen Addicks und Barker Reservoirs überzulaufen drohen, ließ das Army Corps of Engineers massiv Wasser in den sowieso schon angeschwollenen Buffalo Bayou ablaufen, der südlich der Interstate10 Richtung Stadtmitte mäandert. Während anderswo die Pegelstände sanken, stieg hier das Wasser erneut.

          An Polizeisperren vorbei in die Fluten

          Eric und Chance, dreiundvierzig und vierundvierzig Jahre alt, stammen aus dem drei Autostunden entfernten San Antonio. Am Sonntag machten sie sich unter dem Eindruck der Nachrichten über Harvey, der über Houston zum Stehen gekommen war und sintflutartige Regenfälle auf Amerikas viertgrößte Metropole niedergehen ließ, auf den Weg, um zu helfen.

          Während der Pegel im Stadtzentrum Houstons langsam sinkt, steigt das Wasser im Buffalo Bayou weiter an. Bilderstrecke

          Nur unter Umgehung von zahlreichen Polizeisperren schafften sie es in die Stadt. Großen Widerstand setzte man ihnen nicht entgegen. Soluri, der selbst eine Karriere bei der Militärpolizei der Air Force hinter sich hat, sagt: „Ich kenne die Jungs vom Law Enforcement. Sie warnen davor, in überflutete Gebiete zu fahren, und damit haben sie ihre Pflicht erfüllt. Denn sie sehen ja auch, dass wir ein Boot im Schlepptau haben und zum Helfen hier sind.“ Gestern, schätzen die zwei, holten sie weit über einhundert Menschen aus den überfluteten Gebieten in Houston. „Wir waren mit die Ersten, die vor Ort waren, und es ging Schlag auf Schlag“, sagt Eric. Heute haben sie bereits ein Dutzend Eingeschlossene an Land gebracht. Jetzt, da die Nationalgarde anrückt, sind die meisten Menschen schon in Sicherheit.

          Es ist kurz vor neun Uhr früh, als wir mit Erics GMC 1500 Pick-up und dem kleinen Boot im Schlepptau an der Ecke Kirkwood und Memorial Drive ankommen. Eine Polizistin hat die Einfahrt zum überfluteten Kirkwood Drive abgesperrt. Chance springt aus dem Wagen, wechselt ein paar Worte mit ihr und winkt dann Eric heran. „Wir können das Boot hier zu Wasser lassen, sagt Officer O’Leary.“

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