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Zu Gast bei Trump : Und jetzt Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel neben Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz am 17. März im East Room des Weißen Hauses Bild: Reuters

Die Umstände und das Dekor sind verschieden; und dennoch ist es eine Fügung, dass Merkel und Macron sich praktisch die Klinke in die Hand geben.

          Am Ende seines Staatsbesuchs hat Emmanuel Macron die Grenzen seiner Überzeugungskraft (und dieser speziellen Männerfreundschaft) kennengelernt. Donald Trump werde das Atomabkommen mit Iran verlassen, lautete die ernüchternde Bilanz nach drei Tagen voller Pomp und Glamour. Es fragt sich somit, ob die Kanzlerin nach ihrem kurzen, von Ablenkung freiem Arbeitsbesuch im Weißen Haus ebenfalls mit leeren Händen dastehen wird, zumal sie, anders als der französische Präsident, ohnehin ein kühles Verhältnis zu Trump hat. Es fällt zumindest unter „Erwartungsmanagement“, dass an die Visite sieben Monate nach der Bundestagswahl nicht die größten Hoffnungen geknüpft wurden, jedenfalls, was amerikanische Strafzölle auf europäische Stahl- und Aluminiumimporte und deutsche Autoexporte anbelangt.

          Die Umstände und das Dekor sind verschieden; und dennoch ist es eine Fügung, dass Merkel und Macron sich praktisch die Klinke in die Hand geben und, bei allen nationalen Nuancen, „europäische“ Standpunkte vorbringen, die sich vom Ansatz dieses amerikanischen Präsidenten unterscheiden. Vor dem Kongress warb Macron für einen starken Multilateralismus, vehement prangerte er Nationalismus und Isolationismus an – Grundströmungen in Trumps „America first“-Agenda. Merkel wird das gegenüber Trump wiederholen; es versteht sich von selbst, dass sie als Kanzlerin der Exportnation Deutschland das Hohelied auf offene Märkte und eines verlässlichen internationalen Regelsystems singt.

          Dass der große deutsche Überschuss im Handel mit Amerika – er ist viel größer als der französische – auch eine Verwundbarkeit darstellt, ist offensichtlich. Deswegen will sie über Industriezölle generell reden. Genau das wäre bei TTIP, gescheitert auch am Widerstand in Deutschland, geschehen. Welche Pointe!

          Trump dürfte also dem Gast vortragen, was ihm alles an der deutschen Politik nicht passt, vom Autoexport bis zur Gasleitung Nord Stream 2. Merkel wird vortragen, was die Bundesregierung schon alles getan hat, und auf höhere Verteidigungsausgaben verweisen. Und wie zuvor Macron wird sie Trump auffordern, nicht mit Feuer zu spielen. Der wird sich darüber klarwerden müssen, ob und wie sehr ihm an einer funktionierenden amerikanisch-europäischen Partnerschaft gelegen ist. Seine europäischen Partner braucht Amerika mehr, als die Nationalisten im Weißen Haus glauben.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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