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Präsident und der Pornostar : Wusste Trump doch vom Schweigegeld für „Stormy Daniels“?

  • -Aktualisiert am

Pornodarstellerin Stephanie Clifford alias „Stormy Daniels“: Wusste Donald Trump doch von dem Schweigegeld, das ihr gezahlt wurde? Bild: AP

Hatte Donald Trump eine Affäre mit einer Pornodarstellerin – und zahlte ihr ein Schweigegeld, um die Verbindung zu vertuschen? Bislang hat der Präsident stets bestritten, von dem Geld gewusst zu haben. Diese Darstellung könnte jetzt ins Wanken geraten.

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          Die Affäre um eine angebliche Schweigegeld-Zahlung an die Porno-Darstellerin „Stormy Daniels“ zieht immer weitere Kreise – und erreicht nun auch das direkte Umfeld des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Wie das „Wallstreet Journal“ berichtet, soll Jill Martin, eine Rechtsberaterin der Trump-Organisation, an einer Korrespondenz beteiligt gewesen sein, in der es um diese Transaktion geht.

          Donald Trump bestreitet nach wie vor eine außereheliche Affäre mit der Porno-Darstellerin. Erwiesen ist jedoch, dass „Stormy Daniels“, die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heißt, kurz vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl 130.000 Dollar von Trumps Anwalt Michael Cohen erhielt – als Schweigegeld, wie sie behauptet. So sollte die mutmaßliche Affäre zwischen Trump und Clifford geheim gehalten und damit Trumps Wahlerfolg nicht gefährdet werden. Cohen behauptete stets, dass das Geld ihm „weder direkt noch indirekt“ von Trump-Wahlkampfteam oder Trumps Firmen zurückerstattet worden sei. Die Zahlung sei legal gewesen. Die Summe stamme von seiner eigenen Beratungsfirma Essential Consultants (EC LLC).

          Der Anwalt reagierte damals mit seiner Erklärung auf eine Beschwerde der Organisation Common Cause bei der amerikanischen Wahlkommission. Die Aktivisten witterten einen Verstoß gegen das Gesetz zur Wahlkampffinanzierung.

          Ein Schreiben schürt Zweifel

          Die Berichte des „Wall Street Journal“ nähren nun Zweifel an Cohens Version und werfen die Frage auf, ob der Trump-Konzern nicht doch in die Zahlung an Clifford involviert war. Die Juristin Martin, die nach einem Bericht der „Washington Post“ einen hohen Posten in der Rechtsabteilung des Trump-Konzerns inne hat, soll zumindest nach der Transaktion Dokumente zu dem Vorgang unterzeichnet haben.

          Dabei handelt es sich offenbar um ein Schreiben mit dem Betreff „Forderung nach einem Schiedsspruch“, das am 22. Februar 2018 aufgesetzt worden ist. Das Dokument steht offenbar im Zusammenhang mit Cohens Bemühungen, eine Unterlassungsverfügung gegen die Porno-Darstellerin zu erwirken. Denn Clifford will über ihr Verhältnis zu Trump auspacken und bemüht sich derzeit, die mit der Zahlung verbundene Schweigevereinbarung zu revidieren. Sie fühlt sich daran nicht gebunden, weil nur sie und Cohen das Dokument unterschrieben haben, nicht aber Trump selbst. Clifford hat auch gesagt, sie sei bereit, das Geld zurückzuzahlen. Clifford hatte nach eigenen Angaben von 2006 bis 2007 eine „intime Affäre“ mit Trump. Damals war er bereits mit seiner heutigen Frau Melania verheiratet.

          Wusste Trump doch von dem Schmiergeld?

          In dem Schreiben, das die Rechtsberaterin von Trumps Unternehmen, Jill Martin, in die Bredouille bringt, wird diese nun als Vertreterin der „EC, LLC“ aufgeführt, eben jener von Trump-Anwalt Cohen gegründeten Beratungsfirma, die Daniels die 130.000 Dollar gezahlt hat.

          Was lief da? Donald Trump und die Porno-Darstellerin Stephanie Clifford alias „Stormy Daniels“

          Im amerikanischen Fernsehsender CNN bestritt Martin, in der Causa Daniels im Auftrag des Trump-Konzerns gearbeitet zu haben und behauptet, eigenständig für Cohens Beratungsfirma tätig gewesen zu sein. „Die Trump-Organisation vertritt niemanden und das Unternehmen war nicht an der Angelegenheit beteiligt.“

          Martin sprang Trump schon öfters bei

          Martin gilt als loyale Trump-Anhängerin. Bereits während des Wahlkampfs nahm sie Trump mehrfach in Schutz, als dieser mit Belästigungsvorwürfen konfrontiert wurde. „Tausende Frauen, inklusive mir, haben für ihn gearbeitet und er hat uns mit Respekt behandelt“, sagte sie im Oktober 2016, zwei Wochen vor der Wahl, in einem CNN-Interview.

          Einen Monat zuvor erwiderte sie in der „Los Angeles Times“ auf Vorwürfe, wonach Trump Frauen in seinem Golf-Club entlassen wollte, weil sie ihm nicht hübsch genug waren: „Wir haben zu keiner Zeit einen Beitrag zur Diskriminierung in irgendeiner Weise geleistet.“

          Jill Martins Beteiligung an dem Rechtsstreit mit Clifford könnte für Trump nun unangenehme Folgen haben. Michael Avenatti, ein Anwalt der Porno-Darstellerin, versucht schon seit langem nachzuweisen, dass Donald Trump, entgegen seiner Beteuerungen, von dem Schweigegeld für Clifford wusste. Das Dokument mit Martins Unterschrift untermauert für Avenatti diesen Verdacht. Dass Cohen auf eigene Faust gehandelt haben soll, ohne Wissen von Trump oder seiner Firma, sei „eine komplette Erfindung“, sagte er CNN. Und weiter: Cohen „erwartet vom amerikanischen Volk zu glauben, dass er all seine Energie und Zeit, Stunden über Stunden“, darin investiert habe, Clifford zum Schweigen zu bringen, „und weder der Präsident noch jemand in Trumps Firma je etwas davon gewusst haben soll“.

          Martins Rolle in der Causa Clifford heizt nun auch Spekulationen über die Herkunft des Geldes an, das an die Porno-Darstellerin ging. Juristen sehen es als Indiz dafür, dass es doch eine Verbindung zwischen Trumps Konzern und der Zahlung an die Darstellerin gibt. Sollte das Geld an Clifford etwa doch aus Trumps Wahlkampfkasse stammen? Das wäre ein klarer Verstoß gegen das Gesetz zur Wahlkampffinanzierung.

          Die Korrespondenz der Rechtsberaterin beweist zwar, dass eine weitere und noch dazu ranghohe Angestellte des Trump-Konzerns in den Versuch verstrickt war, Clifford zum Schweigen zu bringen. Mehr aber auch nicht. Eine Beteiligung von Trumps Unternehmen oder gar von Trump selbst an der Transaktion belegt es nicht. Sicher ist hingegen eines: Die Affäre „Stormy Daniels“ ist für den amerikanischen Präsidenten noch längst nicht ausgestanden.

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