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Kommentar : Wut, Hass und Gewalt

In den Vereinigten Staaten greift der Hass um sich. Donald Trump müsste das Land dringend einen. Stattdessen spaltet er nur.

          Donald Trump ist von 63 Millionen Amerikanern gewählt worden. In den Motivanalysen wurden oft Unzufriedenheit mit „dem System“ genannt, dazu Hass auf „das Establishment“, Pessimismus – und Wut. Immer wieder Wut auf Gott und die Welt. Trump war und ist der Held dieser Wütenden; der Nationalismus, den er ihnen für den Weg in eine neue Morgenröte anbot, sprach vielen aus der Seele. Selbstverständlich kann man nur einen Teil des Trump-Elektorats am ganz rechten Rand des politischen Spektrums verorten, aber dieser rechtsradikale Teil gehört zum Kern seiner Wählerkoalition. Deswegen braucht man sich nicht wirklich zu wundern, dass Trump das Geschehen in der Universitätsstadt Charlottesville vom vergangenen Wochenende nicht eindeutig, klar und ohne jede Verrenkung einordnet und bewertet.

          Die Gewalt sei von beiden Seiten ausgegangen, von Neonazis und Rassisten, von (das ist nicht zu bestreiten) militanten Demonstranten, die sich ihnen in den Weg stellten. Auf beiden Seiten habe es schlechte und gute Menschen gegeben. Dieser „Objektivismus“, der Trump prompt das Lob eines ehemaligen Ku-Klux-Klan-Anführers eintrug und nichts anderes ist als moralischer Relativismus, ist eines Präsidenten unwürdig, der seinen Amtseid auf die Verfassung abgelegt hat, die Rassismus, Bigotterie und Hass keinen Raum lässt.

          Doch genau dieser Hass tobt sich wieder aus im Amerika des 21. Jahrhunderts. Die Auswüchse reichen ideologisch und personell bis ins Weiße Haus. Neonazis gibt es auch in anderen Ländern, doch nirgendwo scheinen sie so präsent zu sein, nirgendwo sind ihre Aufmärsche derart provozierend wie in einigen Regionen der Vereinigten Staaten. Es ist schwer zu sagen, wie viele Leute derlei Gedankengut mit sich herumtragen; mehr als eine (kleine) Minderheit dürfte es nicht sein. Aber auch diese radikale Minderheit reicht aus, um das Gemeinwesen zu erschüttern. In einem Land, dessen Wesensmerkmal Vielfalt und Gegensätzlichkeit sind – und dessen blutigster, verlustreichster Krieg der Bürgerkrieg war mit allen seinen geschichtspolitischen Folgen –, ist der Mann an der Spitze das Symbol der Einheit. Donald Trump aber gießt weiter Öl ins Feuer der Zwietracht.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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