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Rechte Medien in Amerika : Wird „Breitbart“ jetzt Trumps Staatsfunk?

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Stephen Bannon half als Wahlkampfstratege Donald Trump dabei, das Weiße Haus zu erobern. Bild: AFP

Der „Breitbart“-Chef Stephen Bannon wird Chefberater im Weißen Haus. Nicht nur Bürgerrechtler sind besorgt über die Rolle, die der Rechte im Weißen Haus spielen könnte.

          Die Ernennung von Stephen Bannon zum Chefstrategen des Weißen Hauses durch den neu gewählten Präsidenten Donald Trump hat Amerika vielfältige negative Reaktionen hervorgerufen. Nicht nur Bürgerrechtsgruppen waren entsetzt über die Berufung des Chefs des extrem konservativen Internet-Dienstes „Breitbart“, auch Medien äußerten Befürchtungen, Bannon sei eine Gefahr für die seriöse Berichterstattung, da er den Präsidenten Trump in seiner Verachtung der „Mainstream“-Presse bestärke und seine Webseite nutzen könne, positive Nachrichten über Trump zu verbreiten.

          Mehrere Bürgerrechtsbewegungen reagierten geschockt und mit Ablehnung auf die Wahl Bannons. Das Southern Poverty Law Center, eine Anti-Rassismus-Organisation hat „Breitbart“ schon seit langem beschuldigt, „Ethno-Nationalismus“ zu vertreten. Die Organisation veröffentlichte auf Twitter mehrere Beiträge die auf Artikel von „Breitbart“ verwiesen und die Hass-Rhetorik dort belegen sollen. So veröffentlichte das Portal zwei Wochen nach dem Massaker in Charleston, als ein weißer Nationalist in einer Kirche neun Schwarze erschossen hatte, ein Artikel mit der Überschirft: „Lasst sie hoch und stolz wehen: Die Konföderierten-Flagge steht für ein glorreiches Erbe“. Damit wurde Bezug darauf genommen, dass der Täter Dylan Roof mehrmals mit der Flagge posierte und nach der Tat eine Diskussion entbrannte, wofür die Flagge stehe und ob sie noch auf offiziellen Gebäuden wehen dürfe. Außerdem schreiben die Bürgerrechtler auf Twitter: „Bannon war die treibende Kraft dahinter, Breitbart zu einer ethno-nationalistischen Propagandamühle zu machen.“

          Die Anti-Defamation-League nannte den Tag von Bannons Ernennung „einen traurigen Tag“. Jonathan Greenblatt, der Chef der Organisation, sagte, er rufe Trump dazu auf, Amerikaner zu ernennen, denen das Wohlergehen aller Landsleute am Herzen liege. Auch der Council on American-Islamic Relations machte deutlich, was er von Bannon und „Breitbart“ hält. Er transportiere „frauenfeindliche und rassistische Geschichten die gegen Frauen, Farbige und Immigranten gerichtet“ seien. Nihad Awad, der Direktor der Organisation, sagte, die Berufung Bannons zeige, dass „anti-muslimische Verschwörungstheorien“ jetzt im Weißen Haus willkommen seien.

          In den amerikanischen Medien gab es ebenfalls Bedenken über die Rolle, die Bannon nun spielen solle. In der „New York Times“ wurden Befürchtungen geäußert, „Breitbart“ könne nun eine Art Staatsrundfunk werden. Ben Shapiro, ein ehemaliger „Breitbart“-Redakteur sagte, dass der Gründer der Seite, Andrew Breitbart immer gegen den „Demokraten-Medien-Komplex“ gewettert habe, doch durch die Verbindung von Bannon und Trump sei das gleiche nun auf republikanischer Seite entstanden. Es sei nun interessant zu sehen, ob es irgendwelche Kritik an der Politik des Weißen Hauses geben werde. Ebenso sei noch nicht geklärt, ob Bannon seine finanziellen Anteile an „Breitbart“ behalten werde, schreibt die „New York Times“.

          Weitere Kritik an dem Schritt Trumps kam nicht nur von liberaler Seite. So schrieb John Weaver, ein Berater des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Jonh Kasich, auf Twitter, dass der nächste Präsident gerade einen Rassisten und Anti-Semiten als gleichwertig zum Stabschef des Weißen Hauses ernannt habe.

          David Duke, ehemaliger Chef der Rassisten-Vereinigung Ku-Klux-Klan, ließ auf Twitter wiederum seine Unterstützung für Bannon erkennen. Auf den Beitrag einer anderen Nutzerin, Bannon werde wohl ernannt, antwortete Duke „Ich hoffe es wirklich - er hat gerade das Establishment geschlagen“. Duke und der Ku-Klux-Klan hatten im Wahlkampf offensiv Werbung für Trump gemacht, der sich, danach befragt, weigerte, sich davon zu distanzieren.

          Auch der konservative republikanische Politiker Mike Huckabee, ehemaliger Gouverneur von Arkansas und Donald Trump im Vorwahlkampf unterlegen, zeigte sich zufrieden mit Bannons Ernennung. Auf Twitter schrieb er, dass Bannon klüger und zäher sei als seine Kritiker. Bannon sei ein guter Kerl und es sei eine gute Sache, wenn der Council on American-Islamic Relations einen nicht leiden könne.

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