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Neue Wikileaks-Enthüllungen : Clinton vorab informiert – CNN-Beraterin gefeuert

  • Aktualisiert am

Eine Woche vor der Wahl sorgen neue E-Mail-Enthüllungen für Aufregung im Lager von Hillary Clinton; hier auf einer Wahlkampfveranstaltung am Montag in Ohio. Bild: AP

Nächster Schlag gegen Hillary Clinton: Neue Enthüllungen legen nahe, dass die Demokratin vorab über Fragen in TV-Duellen informiert wurde. Der Fernsehsender CNN reagiert umgehend. Und Clintons Vorsprung auf Trump schmilzt dahin.

          Eine Woche vor der Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten belasten neue Enthüllungen den Wahlkampf von Hillary Clinton: Die Plattform Wikileaks veröffentlichte am Montag vertrauliche E-Mails von Parteistrategen, die den Verdacht nahelegen, dass Clinton bei TV-Debatten im Vorwahlkampf vorab über anstehende Fragen informiert worden sein könnte. Nach Bekanntwerden der neuen gehackten E-Mails trennte sich der Fernsehsender CNN umgehend von der prominenten Politikanalystin Donna Brazile, die die Fragen vorab an Clintons Team weitergeleitet haben soll.

          In dem konkreten Fall geht es um E-Mails, welche die damalige CNN-Mitarbeiterin Brazile an Clintons Wahlkampfchef John Podesta und andere Kampagnenmanager geschrieben hat. Sie nehmen Bezug auf bevorstehende TV-Debatten, die von CNN ausgerichtet wurden und in denen sich Clinton und ihr damaliger parteiinterner Gegner Bernie Sanders gegenüberstanden. Die E-Mails lassen den Schluss zu, dass Brazile der Kandidatin einen Vorteil gegenüber Sanders verschaffen wollte.

          „Eine der Fragen morgen an HRC wird ...“

          In einer E-Mail an Podesta vom März schreibt Brazile: „Eine der Fragen morgen an HRC (Hillary Rodham Clinton) wird von einer Frau mit Ausschlag kommen. Ihre Familie leidet an Bleivergiftung, und sie wird fragen, was Hillary tun wird, um den Menschen in Flint zu helfen.“ Flint ist eine Stadt in Michigan, die damals wegen vergifteten Leitungswassers in den Nachrichten war.

          Bei der Debatte am folgenden Tag wurde Clinton dann tatsächlich von einer Frau befragt, die über Hautprobleme in ihrer Familie berichtete. Allerdings stellte die Frau eine andere Frage.

          In einer weiteren gehackten E-Mail, die sich an eine Clinton-Mitarbeiterin richtete, schrieb Brazile, dass sie „gelegentlich die Fragen vorab“ bekäme und diese vor den TV-Debatten an das Wahlkampfteam weiterleiten könne.

          CNN wirft Mitarbeiterin raus

          Der Fernsehsender CNN kritisierte Braziles Vorgehen und gab die Trennung von der langjährigen Mitarbeiterin bekannt. Im Sender herrsche „absolutes Unbehagen über das, was wir über ihre Kontakte mit dem Clinton-Team während ihrer Zeit als Mitarbeiterin erfahren haben“, erklärte CNN. Der Sender beteuerte, dass er Brazile niemals Zugang zu Gästen der TV-Debatten und erwarteten Fragen gewährt habe.

          Die prominente Politikanalystin Donna Brazile soll Fragen vorab an Clintons Wahlkampfteam weitergeleitet haben.

          Brazile ist eines der bekanntesten Gesichter aus dem Parteiapparat der amerikanischen Demokraten. Seit Juli ist sie kommissarische Parteivorsitzende, nachdem die vorherige Chefin ihren Posten - ebenfalls wegen Wikileaks-Enthüllungen - aufgegeben hatte. Seit Juli hatte Brazile ihren Vertrag mit CNN ruhen lassen und war nicht mehr als Analystin aufgetreten.

          Clintons rechtspopulistischer Gegenkandidat Donald Trump hatte im Wahlkampf immer wieder den Vorwurf erhoben, die Demokratin sei vorab über Fragen in TV-Debatten informiert worden; Belege hatte er dafür aber nicht vorgelegt.

          Die neuen Enthüllungen von Wikileaks sind Teil einer ganzen Serie, die auf interne Mails aus dem gehackten E-Mail-Konto von John Podesta beruhen und den Wahlkampf der Demokraten belasten. Die Geheimdienste vermuten, dass Russland hinter dem Hackerangriff und den Veröffentlichungen steht. Clinton sieht darin einen Versuch, den Wahlkampf zu ihren Lasten zu beeinflussen.

          Clintons Vorsprung vor Trump schmilzt

          Die Enthüllungen haben derweil Auswirkungen auf die aktuellen Umfragewerte. Der Vorsprung von Hillary Clinton gegenüber dem Republikaner Trump sank einer am Montag veröffentlichten Reuters/Ipsos-Umfrage um einen Punkt auf fünf Prozentpunkte. Clinton kam dabei auf 44 und Trump auf 39 Prozent. Auch andere Umfragen über das Wochenende hatten Verluste für Clinton konstatiert. Gewählt wird am 8. November.

          Die meisten Experten halten es aber kaum für möglich, dass Trump in den verbleibenden Tagen die Führung übernehmen kann, auch weil in vielen Bundesstaaten seit Wochen abgestimmt wird. Bei den Wählern, die in den vergangenen beiden Wochen ihre Stimmen abgaben, liegt Clinton mit 15 Prozentpunkten vorn, wie eine Studie von Reuters und Ipsos ergab.

          In der E-Mail-Affäre wurde Clinton vorgeworfen, dass sie ihren Mailverkehr als Außenministerin über ihren privaten Mailserver abgewickelt hat. Dies habe ein Sicherheitsrisiko dargestellt. Die fast ein Jahr dauernden Ermittlungen des FBI hatten aber nicht zu einer Anklage geführt, weil Clinton zwar „extrem sorglos“ gehandelt habe, aber keine strafbare Handlung vorliege. Am Freitag hatte das FBI aber erklärt, es seien neue E-Mails aufgetaucht, die zu weiteren Ermittlungen führen könnten.

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