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Trumps Wiederwahl : Die Suche nach einem innerparteilichen Gegenkandidaten

  • -Aktualisiert am

Donald Trump hat sich die Republikanische Partei Untertan gemacht. Bild: AP

Bei den Republikanern gibt es Überlegungen, einen Gegenkandidaten aufzubauen, um Donald Trump in Vorwahlen zu zwingen. Doch die Partei hat sich in den vergangenen zwei Jahren entscheidend verändert.

          Donald Trump hatte sich wieder einmal heiß geredet. Zusammenhanglose Passagen mit frei assoziativen Sätzen reihten sich an Abschnitte, in denen er instinktsicher lieferte, was die Menge hören wollte: Er halte sich schon längst nicht mehr an das Redemanuskript, sagte er an einer Stelle. Aber genau so habe er 2016 ja auch gewonnen – ohne Manuskript. Jubel im Saal. Die American Conservative Union, die älteste politische Vorfeldorganisation der Republikaner, hatte zur jährlichen Konferenz nach National Harbor vor den Toren Washingtons geladen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Zwei Stunden und zwei Minuten lang sprach der amerikanische Präsident am Samstag nach einer für ihn schwierigen Woche zwischen dem Gipfel mit Kim Jong-un in Hanoi und der Anhörung Michael Cohens im Kongress. Der Parteitermin kam da sehr gelegen. Wenn Trump unter Druck steht, zieht es ihn in die politische Arena. Längst dreht sich alles um den Herbst 2020 und eine zweite Amtszeit. Genüsslich höhnte er über die Demokraten, bei denen mindestens zwei Dutzend potentielle Präsidentschaftskandidaten einander auf den Füßen stehen. Die innerparteilichen Vorwahlen, die in einem Jahr beginnen, erinnerten ihn an die Zeit vor drei Jahren. Damals, sagte er augenzwinkernd, habe es „17 Republikaner gegeben – und mich“. Das folgende Gegröle in der Halle führte noch einmal vor Augen, was mit der „Grand Old Party“ seither passiert ist. Trump hat die Republikanische Partei gekapert und das alte Establishment gedemütigt und marginalisiert.

          Seine Frühwarnsysteme funktionieren weiterhin. Trump verfolgt genau, was sich unter der Oberfläche tut. So baute er versteckte Botschaften in seine Rede ein: Zwar hatte er in längeren Passagen vor dem Sozialismus gewarnt, der mit den Demokraten drohe, um auf den Richtungskampf bei der politischen Konkurrenz zwischen Zentristen und linken Flügelvertretern aufmerksam zu machen. Doch fügte er warnend hinzu: Die Demokraten stünden am Ende immer zusammen. Die Republikaner nicht. „Merkt euch das.“

          Die Jubelstimmung konnte nicht überdecken, dass es eine Gegenströmung gibt bei den Republikanern. Keine sehr starke, aber eine spürbare. Dabei geht es nicht einmal darum, dass im Repräsentantenhaus kürzlich ein Dutzend Republikaner mit den Demokraten für eine Resolution stimmten, die Trump zwingen soll, seine Notstandserklärung zurückzunehmen. Es geht auch nicht darum, dass es im Senat eine Handvoll Leute gibt, welche die Mehrheit der Präsidentenpartei in der zweiten Kammer gefährden könnte. Es geht stattdessen um Überlegungen in der Partei, einen republikanischen Gegenkandidaten aufzubauen, der Trump in einem Jahr Vorwahlen aufzwingen würde.

          Aufbau einer Infrastruktur

          Einige Namen werden in diesem Zusammenhang genannt: John Kasich, der frühere Gouverneur von Ohio, schließt nicht aus, seinen Hut in den Ring zu werfen. Auch der Libertäre William Weld, ein früherer Gouverneur von Massachusetts, sowie Ben Sasse, Senator aus Nebraska, gelten als potentielle Herausforderer. Bearbeitet wird zudem Larry Hogan, der Gouverneur von Maryland. Der Republikaner, der im November für eine weitere Amtszeit von vier Jahren bestätigt wurde, wäre jenen Kräften, die an dem Projekt Gegenkandidatur arbeiten, am liebsten. Er wäre, so das Kalkül, nämlich kein reiner Zählkandidat.

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