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Amerikas Iran-Sanktionen : Der Dollar als Waffe

Washingtons langer Arm nach Europa: Der Dollar Bild: Picture-Alliance

Mittels Sanktionen die eigenen Interessen im Ausland durchsetzen: Was unter der Obama-Regierung zum Machtinstrument gefeilt wurde, nutzt die Trump-Administration schamlos als Allzweckwaffe. Wer den Dollar kontrolliert, kontrolliert den Welthandel.

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          „Wollen wir Vasallen am Rockzipfel der Amerikaner sein?“ Die Frage warf der französische Finanzminister Bruno Le Maire im Mai auf. Da hatte Präsident Donald Trump eben angekündigt, den Atompakt mit Iran zu verlassen. Firmen aus aller Welt würden vom amerikanischen Markt und Dollar abgeschnitten, wenn sie mit Iran Handel trieben. Auch in Berlin herrscht Empörung darüber, wie die Amerikaner den Dollar als Brechstange benutzen, um ihre Politik durchzusetzen. Außenminister Heiko Maas nannte es unverzichtbar, dass Europa „von den Vereinigten Staaten unabhängige Zahlungskanäle“ einrichte.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Die Wut richtet sich gegen Trump. Doch der Zusammenprall von Amerikanern und Europäern über die Sanktionspolitik hat sich schon lange vor seiner Präsidentschaft abgezeichnet. Es war der damalige amerikanische Finanzminister Jacob Lew, der bereits Anfang 2016 eine scharfe Warnung ausstieß, gerichtet auch an seinen Präsidenten Barack Obama: Amerika dürfe nicht allzu leichtfertig „Sekundärsanktionen“ gegen Marktteilnehmer aus Drittstaaten verhängen. Sonst drohe man durch „Überbeanspruchung“ ein Werkzeug zu verlieren, das man in eine immer präzisere Waffe umgeschmiedet hatte. Wenn selbst Verbündete den Eindruck gewönnen, so Lew, dass Amerika mit Sekundärsanktionen dem Rest der Welt seine Außenpolitik aufnötige, „dann sollten wir uns nicht wundern, wenn sie Wege suchen, keine Geschäfte in den Vereinigten Staaten oder im amerikanischen Dollar mehr zu tätigen“. Jetzt haben sich die Europäer auf diese Suche begeben.

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