https://www.faz.net/-gpf-9rn8r

Trump und der Whistleblower : Verschleiern, leugnen, drohen

  • -Aktualisiert am

Auf zum Angriff: Donald Trump auf dem Weg ins Oval Office Bild: EPA

Der amerikanische Präsident Donald Trump will herausfinden, wer dem Whistleblower die Informationen über sein Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj weitergegeben hat – und droht mit drastischen Folgen.

          4 Min.

          Wo Geheimdienste im Spiel sind, ist potentiell auch Desinformation nicht weit. Hinweise über die Identität des Whistleblowers, der aufgrund von Informationen über das Telefonat Donald Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Alarm schlug, sind also mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Die Zeitung „New York Times“ berichtete nun, der Whistleblower, der sich mit einer Beschwerde vorschriftsgemäß an den zuständigen Generalinspekteur der amerikanischen Nachrichtendienste gewandt hatte, sei ein Mitarbeiter der CIA, der früher im Weißen Haus gearbeitet habe. Quelle für den Bericht seien drei Leute, die behaupten, die Identität der Person zu kennen.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Der Whistleblower arbeitete seit einiger Zeit schon wieder „bei der CIA“ – ob im Hauptquartier in Langley/Virginia oder auf einem Auslandsposten, ist unbekannt. Wie überhaupt sonst wenig über die Person bekannt sei, schreibt die Zeitung. Nur, dass es sich um einen Mann handle. Die Anwälte der Person bestätigten die Informationen nicht; sie äußerten zudem, jede Information, die über die Person veröffentlicht werde, sei „gefährlich“. Sie beließen es bei diesem allgemeinen Hinweis.

          „Fast ein Spion“

          Der amerikanische Präsident hatte – wie auf einer Audiodatei zu hören ist, die von der Zeitung „Los Angeles Times“ verbreitet wurde – während eines internen Treffens mit amerikanischen Diplomaten am Donnerstagmorgen in New York gesagt, der Whistleblower selbst habe das Protokoll des Telefonats zwischen ihm und Selenskyj nie gesehen. Er habe lediglich „etwas gehört“ und entschieden ..., dann unterbricht er den Satz und nennt die Person „fast einen Spion“. Er wolle wissen, wer dem Whistleblower die Information gegeben habe. Auch das sei „fast ein Spion“. Er fügt hinzu: „Sie wissen, was wir früher gemacht haben, als wir noch schlau waren.“ Mit Spionen und im Falle von Verrat. „Wir sind damals ein bisschen anders damit verfahren.“ Auf dem Mitschnitt ist Gelächter zuhören.

          Die Ironie: Mindestens einer der Zuhörer des Präsidenten zeichnete die Worte auf. Trump spielte darauf an, dass Hochverräter früher zum Tode verurteilt worden seien. Mit „früher“ spielt er mutmaßlich auf die Zeit des Kalten Krieges an. Die einzigen Spione, deren Todesurteil in jener Zeit vollstreckt wurde, waren Julius und Ethel Rosenberg, die Geheimnisse über das amerikanische Atomprogramm an die Sowjetunion verraten hatten.

          „Whistleblower hat das Richtige getan“

          Trumps Bemerkung, die er nach der Veröffentlichung zunächst nicht kommentieren wollte, rief Empörung hervor. Der amtierende nationale Geheimdienstdirektor Joseph Maguire hatte in etwa zur gleichen Zeit vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses gesagt, der Whistleblower habe das Richtige getan. Er habe stets das Gesetz befolgt. Der Vorsitzende des Ausschusses, der Demokrat Adam Schiff, ließ sich von Maguire bestätigen, dass die Person, deren Identität dem Generalinspekteur der Nachrichtendienste bekannt ist, vor dem Ausschuss aussagen dürfe. Maguire hob hervor, er selbst wisse nicht, wer der Whistleblower sei. Später versicherte Schiff, er wolle diesen zügig anhören, doch müsse dies in einem Rahmen geschehen, der die Sicherheit des Whistleblowers gewährleiste.

          Weitere Themen

          Mexiko-Mauerbau auf Prüfstand Video-Seite öffnen

          Streit vorprogrammiert : Mexiko-Mauerbau auf Prüfstand

          Die „Washington Post“ hatte am Montag über Beratungen in der amerikanischen Regierung über einen Antrag in Höhe von 7,2 Milliarden Dollar berichtet. Das wäre weit mehr als der Kongress für den Bau der Abgrenzung zugesichert hat und könnte zu einer Auseinandersetzung mit den Demokraten führen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.