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Präsidentschaftswahlkampf 2020 : Bernie Sanders, das Original?

  • -Aktualisiert am

Bernie Sanders spricht am 17. Juli in Washington über sein Projekt „Medicare for All“. Bild: EPA

Bernie Sanders hat im noch jungen Vorwahlkampf der Demokraten solide Umfragewerte. Doch um den Enthusiasmus seiner Kampagne von 2016 muss er kämpfen. Derweil nutzen andere Kandidaten seine Themen.

          „Viele denken, ich wäre immer griesgrämig, aber das stimmt nicht. Manchmal bin ich auch nicht griesgrämig. Heute ist keiner dieser Tage.“ Bernie Sanders schmunzelte ein bisschen über sich selbst und sein Image in dem Video des Internet-Magazins „Now This“. Für etwas Griesgrämigkeit hat Sanders dieser Tage durchaus Gründe. In der jüngsten „Morning Consult“-Umfrage steht er zwar an zweiter Stelle hinter dem ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden, aber der Abstand von 19 zu 32 Prozent ist nicht gerade klein.

          Im Vorwahlkampf 2016 war Sanders die eine echte Alternative zu Hillary Clinton und seine Ideen begeisterten besonders junge Demokraten. Auch, wenn er unterlag, seine Forderungen konnte er immer stärker in die demokratische Partei tragen. Bei diesen Vorwahlen ist die Situation eine andere, denn an der Spitze des unübersichtlichen Kandidatenfeldes stehen gleich mehrere Politikerinnen und Politiker mit eigenem Profil. Und mehrere von ihnen präsentieren ähnliche Ideen wie Sanders. Elizabeth Warren streitet seit Jahren für die Regulierung der Finanzmärkte, Kamala Harris schlug Steuerpläne vor, die die Mittelschicht entlasten sollen, sie und zahlreiche andere Kandidaten wollen einen Erlass von College-Schulden und kostenlose öffentliche Universitäten.

          Ein Mann, dessen „Zeit vorbei“ ist?

          Sanders machte viele der sozialpolitischen Projekte erst richtig populär, mit denen andere nun antreten. Wenn einige Kritiker seine Reden zur „politischen Revolution“ als redundant bezeichnen, dann liegt das auch daran, dass der parteilose Senator aus Vermont seit Jahrzehnten für die gleichen Ziele stritt: für höhere Löhne, eine öffentliche Gesundheitsversorgung für alle Bürger, stärkere Regulierungen von Unternehmen und Börsenspekulanten. Er werde die Themen seiner Reden ändern, „wenn die Armen reicher werden und die Reichen ärmer, wenn alle unsere Leute das garantierte Recht auf eine Krankenversicherung haben, und wenn wir die Welt im Kampf gegen den Klimawandel anführen“, sagte Sanders am vergangenen Sonntag bei NBC. Der 77 Jahre alte Politiker ist für viele Linke das „sozialistische“ Original, doch der Enthusiasmus der Kampagne 2016 ist bei manchen kleiner geworden.

          Das Magazin „The Hill“ berichtete, dass Sanders' Mitarbeiter „frustriert“ über die Berichterstattung über ihren Kandidaten seien, der manchmal als ein Mann porträtiert werde, dessen „Zeit vorbei“ sei. Der Enthusiasmus der Kampagne werde unterschätzt oder heruntergespielt, lautet ihre Botschaft an die Medien. Die Besessenheit mit Umfragen und Momentaufnahmen lenke von den Themen ab, mit denen Sanders antrete. „Viele von denen sind obere Mittelschicht oder reich. Sie arbeiten für Unternehmen, die Milliarden wert sind. Also hat man im Fernsehen Millionäre, die von Milliardären bezahlt werden, um zu informieren“, klagte Ari Rabin-Havt, Stabschef im Sanders-Team, über Journalisten. Andere sehen negative Berichterstattung eher als motivierend an. „Jedes Mal, wenn es eine Geschichte darüber gibt, dass Bernie nicht gewinnen kann, heizt es unsere Basis erst an und wir bekommen mehr Spenden und mehr Freiwillige“, versicherte ein anderer Sanders-Mitarbeiter dem Magazin.

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