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Nach der Wahlniederlage : Gibt es doch noch einen Platz für Clinton?

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Nach der Wahlniederlage saß der Schock tief bei Hillary Clinton. Aus ihrem Umfeld ist zu hören, dass sie nicht mit der Niederlage gerechnet hat. Bild: dpa

Hillary Clinton steht noch unter dem Schock der Wahlniederlage. Aber vielleicht ist die größte Demütigung ihrer politischen Karriere doch noch nicht das Ende ihrer Rolle als Leitfigur des amerikanischen Feminismus.

          Mehr Symbolik geht nicht. Die Bühne maßgefertigt als gigantische Landkarte der Vereinigten Staaten, das Rednerpult irgendwo im Süden, ungefähr da, wo Arkansas liegt und wo einst alles begann. Über der Bühne ein Glasdach, diese tausendfach beschworene Metapher im zwei Jahre langen Dauerwahlkampf. Die gläserne Decke steht für das, was keine Frau je durchbrechen konnte, für die unsichtbare Grenze allen politischen Ehrgeizes.

          Links und rechts der Bühne Kanonen, die grünlich schimmerndes Konfetti abfeuern sollten, damit es so aussah, als wäre nun das Glasdach zerborsten und der historische Durchbruch geschafft: Hillary Clinton wird als erste Frau Präsident der Vereinigten Staaten. Gleich nach dem Schlusswort der Siegesansprache, dem „God Bless America“, sollten die Kanonen loslegen. Das war das Drehbuch für die Wahlnacht.

          Um kurz vor Mitternacht verließ Hillary Clinton das Konferenzzentrum in Manhattan durch die Tiefgarage. Erst am nächsten Mittag hatte sie sich so weit gefasst, dass sie dem Erwartungsdruck gewachsen war und eine Rede halten konnte. Manche behaupten, dass sie in der Nacht hemmungslos geweint habe; weiß der Himmel, ob das stimmt. Wer könnte es ihr verdenken?

          In der Öffentlichkeit wollte sie sich eine solche Blöße nicht geben. Beherrscht, aber nicht gefühllos hat sie am Ende das Unausweichliche gemeistert: Niederlage eingestehen, Anhänger trösten, ermutigen, mit Würde abtreten. Was nun? Gibt es noch einen Platz für Hillary Clinton in der amerikanischen Politik? Was kann sie noch ausrichten mit 69 Jahren? Sicher ist nur eines: Der Traum ist aus. Präsidentin wird sie nicht mehr.

          Kritik von allen Seiten

          Der Erfolg hat viele Väter, Verlierer aber sind einsame Menschen. Jeder will jetzt erklären, warum Trump gewonnen hat und wieso es eigentlich gar nicht anders kommen konnte. Von Republikanern angefeindet zu werden ist Hillary Clinton gewohnt. Jetzt lassen auch die eigenen Parteifreunde kein gutes Haar an ihr. Die Liste der Vorwürfe ist hässlich: Arroganz, Hochmut, Starrsinn.

          Wie hat sie es geschafft, gegen den meistgehassten Präsidentschaftskandidaten der amerikanischen Geschichte zu verlieren? Warum hat sie doppelt so viel Geld ausgegeben wie Trump und doch verloren? Wieso hat sie sich nicht weiter links oder rechts positioniert, warum ist sie nicht aggressiver, zurückhaltender, weiblicher oder weniger weiblich aufgetreten? Jeder Halbgescheite darf sich mit seiner Analyse wichtigtun und Clinton zum Abschied noch ein bisschen Dreck hinterherwerfen. Noch schlimmer aber: Sie muss sich von Donald Trump öffentlich Mut zusprechen lassen: „Sie hat viel geleistet, sie ist eine ungemein starke Frau.“ Was für eine Demütigung.

          Die Verantwortung liegt bei ihr

          Natürlich gibt es auch die Apologeten. Doch sie sind nicht sehr zahlreich, und ihre Argumente sind schwach. Dass Hillary Clinton mehr Stimmen bekommen hat als Donald Trump, ist zwar richtig, aber das Wahlsystem ist nun einmal so, wie es ist, und kein Mensch weiß, wer mehr Stimmen bekommen hätte, wenn in allen Staaten Wahlkampf gemacht worden wäre. Ein anderes Argument lautet: Die Wahlbeteiligung war zu niedrig. Doch was heißt das schon? Hillary Clinton ist es nicht gelungen, ihre Anhängerschaft voll zu mobilisieren. Die Verantwortung dafür liegt am Ende bei der Kandidatin. Bei wem sonst?

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