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Nach der Wahlniederlage : Gibt es doch noch einen Platz für Clinton?

  • -Aktualisiert am
„Hard Choices“ erschien 2014. Eine neues und persönlicheres Buch könnte viele Leser erreichen.

Nur wenige Male hat Clinton seit dem Wahltag die Bühne betreten: um ihre Niederlage einzugestehen; um sich von ihren Mitarbeitern zu verabschieden; schließlich bei einer Wohltätigkeitsgala, für die sie zugesagt hatte, als sie noch glaubte, sie werde dort als designierte Präsidentin auftreten. Tapfer, wie sie ist, kam sie dennoch. Auf Wahlkampftour hatte sie einen Friseur und eine Visagistin im Tross, jetzt erblickte das Publikum eine auch äußerlich veränderte Frau mit einer hilflosen Alltagsfrisur und wenig Make-up; Clinton sah älter, aber natürlicher aus.

Kalt erwischt

Und man hörte eine ungekünstelte Sprache, die den Schmerz der Niederlage in allzu menschliche Worte fasste: „Manchmal in den vergangenen Tagen hätte ich mich am liebsten verkrochen mit einem Buch und unseren Hunden, und am liebsten hätte ich das Haus nie wieder verlassen.“ Wann hat man Hillary Clinton je so sprechen hören? Fast scheint es, als brächte die Niederlage eine andere, gefühlvollere Seite ihrer Persönlichkeit zum Vorschein. „Das ist die Wärme, die ihr im Wahlkampf gefehlt hat“, sagte der Filmemacher Michael Moore nach dem Auftritt.

Fragen zu ihrer Zukunft hat sie bislang nicht beantwortet. Aus ihrem Umfeld ist zu hören, dass sie einfach nicht mit der Niederlage gerechnet hat und vom Wahlergebnis kalt erwischt wurde. Einen Plan B gab es für sie nicht, auch deshalb braucht sie Zeit, um sich zu orientieren. Außerdem kann ihre politische Zukunft nicht in einem öffentlichen Amt und auch nicht in ihrer Partei liegen. Die Demokraten führen zwar heftige Debatten über die Zukunft, und noch ist offen, ob sie sich nach links oder zur Mitte bewegen. Doch allen Vorschlägen ist gemeinsam, dass Hillary Clinton darin nicht vorkommt.

Ruheständlerin ohne öffentliche Verpflichtungen?

Also doch der Rückzug ins Private? Dafür spricht manches. Sie hat selbst gesagt, dass sie gern mehr Zeit mit ihren beiden Enkelkindern verbringen will. Auch ist nicht sicher, wie gesund sie ist. Gerüchte darüber kamen im Wahlkampf nicht nur aus dem Trump-Lager, sondern, diskreter, auch aus der eigenen Partei. Noch größer sind die Zweifel am Gesundheitszustand von Bill Clinton, der in Zukunft womöglich viel stärker als bisher auf die Hilfe seiner Frau angewiesen sein wird.

Ein Handy-Foto, das eine Spaziergängerin am Tag nach der Niederlage im Wald von Bill, Hillary und ihren Hunden gemacht hat, scheint einen solchen Lebensabschnitt anzudeuten: Ehefrau, Mutter und Großmutter, Ruheständlerin ohne öffentliche Verpflichtungen. Ganz nach dem Muster von George W. Bush, der nach dem Ausscheiden aus der Politik zu malen begann und sich politisch nie wieder äußerte.

Ein neues Buch?

Doch Vertraute der früheren First Lady und Außenministerin halten es für unwahrscheinlich, dass ihr Rückzug ins Private von Dauer ist. „Stärker, als man denkt, ist Hillary Clinton ein religiöser Mensch, Methodistin eben, und das heißt vor allem: dienen wollen“, sagt Carl Bernstein, einer der Journalisten, die mit der Aufdeckung des Watergate-Skandals weltberühmt wurden. Er steht den Clintons nahe und vermutet, dass Hillary Clinton künftig andere Mittel nutzen wird, um für ihre Anliegen zu kämpfen.

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