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Desinformation : Die Mission der russischen Trolle

Wiederverwertung der besonderen Art: Ein Bild angeblich russischer Trolle, das diese schon 2016 während der Präsidentenwahl in Amerika nutzten. Bild: Screenshot F.A.Z.

Nach der Desinformationskampagne im amerikanischen Präsidentenwahlkampf 2016 enttarnt Facebook eine neue Operation aus Russland. Sie zielte vor allem auf Instagram.

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          Seit der großangelegten russischen Desinformationskampagne vor der Präsidentenwahl in Amerika 2016 war vielen klar, dass es solche Operationen wieder geben würde. Zu einfach ist es, in den sozialen Netzwerken Zwietracht zu sähen und dabei die eigenen Spuren zu verwischen, zu vielversprechend ist die Aussicht für Staaten wie China, Russland und Iran, demokratische Gesellschaften auf diese Weise zu spalten. So ging es eher um die Frage, wann die Öffentlichkeit Kenntnis von der nächsten Desinformationskampagne erhalten würde.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Das ist seit diesem Montag klar. Da informierte Facebook darüber, dass es mehrere Netzwerke aus zusammenhängenden Nutzerkonten gelöscht habe, sowohl auf Facebook selbst wie auf dem zum Unternehmen gehörenden Dienst Instagram. Drei Kampagnen wurden demnach aus Iran gesteuert und zielten vor allem auf Nutzer in Amerika sowie Lateinamerika ab. Besonders interessant sind allerdings rund fünfzig Nutzerkonten auf Instagram, für die das Unternehmen Russland verantwortlich macht. Sie wiesen Verbindungen zur „Internet Research Agency“ auf, einer Trollfabrik in Sankt Petersburg, und zeigten Anzeichen einer „gut finanzierten Operation“, schreibt Facebook. Die Urheber hätten zudem durchgängig versucht, „ihre Identität und ihren Standort“ zu verschleiern.

          Das Ziel der Kampagne scheint ein ähnliches gewesen zu sein wie schon vor der Präsidentenwahl 2016: Konservative Wähler sollten darin bestärkt werden, Trump zu wählen, Wähler des linken Spektrums hingegen davon abgehalten werden, einen aussichtsreichen Kandidaten zu unterstützen, in diesem Fall Joe Biden. Dazu erstellten die Urheber zahlreiche Konten, die sich als konservativ oder links ausgaben und zudem so taten, als stammten sie aus Amerika. Diese teilten dann Bilder, die etwa auf Polizeigewalt hinwiesen, oder die Flagge der Konföderation zeigten. Um Wahlkampf ging es dabei nur am Rande, eher um allgemeine Kritik oder Zustimmung, wie die Firma „Graphika“ schreibt, die an der Untersuchung beteiligt war. Offenbar sollte zunächst ein breitangelegtes Publikum erreicht werden, um es dann in der heißen Phase des Wahlkampfs im kommenden Jahr zu beeinflussen.

          „Graphika“ führt zudem mehrere Beweise an, die belegen sollen, dass die inzwischen berüchtigte Trollfabrik in Sankt Petersburg hinter der Kampagne steckt. Demnach benutzten die Urheber die gleichen Bilder wie schon in der Desinformationskampagne von 2016. Das Unternehmen nannte die Operation deshalb „IRA Copy Pasta“. So teilte etwa ein Nutzerkonto, das angab, Polizisten zu unterstützten, das Foto einer amerikanischen Flagge. Darauf stand: „Wir kennen sie nicht, sind ihnen aber zu Dank verpflichtet.“ Dasselbe Bild hatte 2016 ein Nutzer verwendet, der vorgab, Militärveteranen zu unterstützen. Dieses Konto konnten die Amerikaner seinerzeit eindeutig zur IRA zurückverfolgen.

          Besserer Schutz vor Hackerangriffen

          In beiden Fällen ist zudem der digitale Fußabdruck der Bilder derselbe. Für sich genommen bedeutet das noch nichts, schließlich geistern die Bilder der Trollfabrik von 2016 mittlerweile überall im Netz herum. Jemand könnte sie kopiert haben. Allerdings versuchten die Urheber der Kampagne mehrmals, die digitalen Spuren der Bilder zu verwischen, und änderten etwa die Schriftart. In einem Fall verwischten sie sogar ein altes Logo. Spuren davon sind aber noch zu erkennen. Wer außer Mitarbeitern der Trollfabrik sollte das sonst tun?

          Neben der Löschung will Facebook mehrere Vorsichtsmaßnahmen für die kommende Präsidentenwahl ergreifen. So sollen Wahlkämpfer sich registrieren können, damit Facebook sie besser vor Hackerangriffen schützen kann. Wer eine Seite im Netzwerk betreibt, muss außerdem persönliche Daten angeben wie Anschrift und Telefonnummer. Die wichtigste Maßnahme aber betrifft Medien unter staatlicher Kontrolle, wie etwa RT, vormals Russia Today: Sie will Facebook von nun an eindeutig als staatlich kennzeichnen.

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