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Sieben Grafiken : Wie Trump Clinton übertrumpfte

Bild: F.A.Z.

Wie konnte das passieren? Fast alle Umfragen sahen Hillary Clinton vorn – und dann heimste Donald Trump einen Sieg nach dem anderen ein. Der Unfall der Wahlnacht, erklärt in sieben Grafiken.

          Hillary Clinton konnte nicht einen einzigen „republikanischen“ Staat gewinnen, Donald Trump dagegen stahl ihr (nach derzeitigem Stand) gleich in sechs Staaten die Show, die 2012 noch Barack Obama holte: Mit klarem Vorsprung siegte Trump in Iowa und Ohio. Äußerst knapp – bei einer Differenz von oft nur einem Prozentpunkt - gewann er auch Michigan, Florida, Pennsylvania und Wisconsin.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Trump konnte so viele Wähler mobilisieren, wie es kaum jemand für möglich hielt. Allen voran scharte sich die weiße Arbeiterklasse hinter ihn. Offenbar haben die Demoskopen deren Wahlbeteiligung unterschätzt. Aufgrund alter Nachwahlbefragungen, die nun angezweifelt werden, ging man zudem davon aus, dass auch Obama unter weißen Arbeitern nur wenige Unterstützer fand – und trotzdem gewinnen konnte. Warum sollte das Clinton nicht auch gelingen? Doch in der Wahlnacht zeigte sich: Unter weißen Arbeitern gab es für die Demokraten noch viel Luft nach unten.

          Clinton konnte Trumps Vorsprung nicht durch die Stimmen von Schwarzen, Latinos und Amerikanern mit asiatischen Wurzeln wettmachen. Sie kam bei ihnen spürbar schlechter an als einst Barack Obama im Duell mit Mitt Romney. Viele hatten erwartet, dass Trump die Minderheiten mit seinen markigen Sprüchen vor den Kopf stoßen würde, etwa über die Mauer, die er an der mexikanischen Grenze bauen will, oder über die geplante Ausweisung illegaler Immigranten. Doch dieser Effekt blieb offenbar aus.

          Auch bei den jungen Wählern und Erstwählern konnte Clinton nicht wie erhofft punkten. Nachwahlbefragungen offenbaren: In der Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren „fehlten“ ihr mindestens sechs Prozentpunkte gegenüber Obamas Wahlergebnis von 2012. Verluste erlitt sie auch in den übrigen Altersgruppen; allein bei den Senioren, die älter als 65 Jahre sind, hat sie einen Hauch mehr bekommen als Obama.

          Nicht einmal die Frauen konnte Clinton im erhofften Umfang für sich gewinnen. Trumps Prahlerei mit sexuellen Übergriffen hat sie nicht in größerem Umfang davon abgehalten, ihn zu wählen. Es gilt: Trump verlor weniger Wählerinnen, als er Wähler auf seine Seite ziehen konnte.

          Clinton kann viele Städter für sich begeistern, auf dem Land aber nicht zu den Menschen durchdringen. Das zeigt – stellvertretend für viele Staaten – ein Blick nach Florida, mit 29 Wahlmännerstimmen der wichtigste Swing State dieser Wahl. Florida hatte Amerika im Jahr 2000 einen Wahlkrimi beschert, die Auszählung zog sich über einen Monat hin. Am Ende wurde George W. Bush mit nur 537 Stimmen Vorsprung zum Sieger ausgerufen. Clinton konnte in Florida in Städten wie Miami, Tampa und Orlando gewinnen, darüber hinaus aber in kaum einem anderen Landkreis.

          Besonders bitter für Clinton: Obwohl sie (nach derzeitigem Stand) über hunderttausend Stimmen mehr bekam als Trump, wird er Präsident. Das hat mit dem komplizierten Wahlsystem zu tun. Denn der Präsident wird nur indirekt gewählt. Clinton hat die Mehrheit der Stimmen geholt, aber eben nicht die Mehrheit der 538 Wahlmänner. Diese Situation gab es in Amerika bereits vier Mal, zuletzt im Jahr 2000, als Al Gore mehr Stimmen bekam als George W. Bush.

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