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Donald Trump : In der Sprache der Mafia

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Präsident Donald Trump Bild: Reuters

Trumps wütende Reaktionen auf den „Verrat“ seines ehemaligen Anwalts Michael Cohen erinnern viele an die Mafia. Das ist kein Zufall, denn der Präsident war einst nah dran an der New Yorker Unterwelt.

          Die Liste der verurteilten Kriminellen in Trumps Umfeld ist in der vergangenen Woche noch länger geworden. Mit dem Geständnis seines ehemaligen Anwalts Michael Cohen und der Verurteilung von Ex-Kampagnenmanager Paul Manafort wegen Finanzvergehen wächst auch die Gefahr weiterer Enthüllungen. Cohens Anwalt Lanny Davis kündigte bereits an, dass man mit dem Sonderermittler Robert Mueller zusammenarbeiten werde.

          Cohen ist damit für Trump verloren – er kann ihn nur noch öffentlich schlecht machen, um seine Glaubwürdigkeit anzuzweifeln. Anders Paul Manafort: Der Präsident drückte mehrfach seinen Respekt für den Ex-Politikberater aus und soll sogar eine Begnadigung erwogen haben, bis seine Mitarbeiter ihm davon abrieten. „Verrat“ – das ist zur Zeit das Thema, das Trump am wütendsten macht.

          „Ich weiß alles über Umfaller“, sagte Trump gegenüber Fox News. „Ich habe die Einknicker 30, 40 Jahre beobachtet. Alles ist wunderbar, und dann bekommen sie zehn Jahre Knast, und schon verraten sie den nächst Höheren, oder denjenigen, der so hoch in der Hierarchie steht wie möglich.“ Der Präsident sagte es nicht – aber für viele Beobachter war klar, wen er so intensiv beobachtet hatte: die halbseidenen Strippenzieher des Immobilienbusiness, in dem er sich selbst Jahrzehnte lang bewegte und in dem auch die Mafia mitmischte.

          Trumps Ausdrucksweise erinnerte die „New York Times“ denn auch an die Mafia-Bosse der Stadt. Und auch das Magazin „The Atlantic“ kommentierte, Trumps Einstellung erinnere an „die omertá, den Schweigecode der Mafia“. Trump hatte zuvor getwittert, Manafort sei ein ehrenhafter Mann, der nicht wie Cohen „umfallen“ und „Geschichten erfinden“ werde. „Trump ehrt damit Straftäter, die sich weigern mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Er erhebt die Ideologie von Gangstern zu einem höheren Prinzip“, meint „Atlantic“-Kommentator Jeffrey Goldberg, der mehrere Mafiosi interviewte.

          Trumps Angriffe sind in erster Linie dazu gedacht, Michael Cohen als unglaubwürdigen Kriminellen abzustempeln. Doch seine Argumentationsweise wirft auch ein Licht auf die Werte der Welt, die ihm einst sehr vertraut war. Um Trumps einstige Verbindungen in die New Yorker Unterwelt ranken sich viele Gerüchte – fest steht, dass er sich lange, bevor er ins Weiße Haus einzog, mit allen umgab, die ihm weiter nach oben helfen konnten.

          Stilprägende Verbindungen zur Halbwelt

          „Trump war von diesen Leuten umgeben. Weil er in diesem Umfeld aufwuchs, war so etwas völlig normal für ihn,“ sagte Nicholas Pileggi, Mafia-Spezialist, der „New York Times“.  Schon Trumps Vater habe sich in den 1930er Jahren seine ersten Immobiliendeals über den „Madison Club“ gesichert, wo sich korrupte Cliquen, Geschäftsleute mit Mafiaverbindungen und Funktionäre der demokratischen Partei trafen, schildert der Autor. In New York waren es die Demokraten, die die Macht hatten – auch der spätere Präsident war lange registrierter Demokrat.

          Gerade im Immobiliengeschäft hatten viele Unternehmer Kontakte zur italienischen Mafia. Manch ein Deal konnte nicht über die Bühne gehen, ohne dass die lokalen Bosse ihren Anteil bekamen. Eine direkte Beteiligung am organisierten Verbrechen war Trump nie nachzuweisen. Es gab jedoch enge persönliche und geschäftliche Verbindungen. So berichtete das Magazin „The Federalist“, dass Trump mehrere Hochhäuser von der Firma „S&A Concrete“ bauen ließ, die Mafioso Tony Salerno gehörte. Und Robert LiButti, ein Spieler mit Mafia-Verbindungen, war so wichtig für Trump, dass er es in seinem Casino in Atlantic City zuließ, dass Afroamerikaner nicht an LiButtis Spieltischen spielen konnten. Das brachte dem Casino eine Strafe in Höhe von 200.000 Dollar ein.

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