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Donald Trump : Narziss und Rächer im Oval Office

Hat das Amt verändert: Donald Trump im Weißen Haus Bild: AP

63 Millionen Wähler sind Donald Trumps Schlachtruf „Make America Great Again“ gefolgt. Sie wollten, dass der selbsternannte Rächer der weißen Männer die Politik umkrempelt. Doch hat er das getan?

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          Vor einem Monat hat sich Donald Trump ein bemerkenswertes Attest ausgestellt: „Ich bin ein sehr stabiles Genie.“ In einem seiner Early-morning-Tweets schrieb er: „Ich bin vom SEHR erfolgreichen Geschäftsmann zu einem Top-TV-Star zum Präsidenten der Vereinigten Staaten aufgestiegen (beim ersten Versuch). Ich finde, das geht nicht nur als klug, sondern als genial durch.“

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Warum hat sich Trump so begeistert selbst gelobt? Weil zuvor wieder Zweifel an seiner geistigen Gesundheit geäußert und ihm psychische Instabilität unterstellt worden waren. Und weil ein Enthüllungsbuch erschienen ist, das alles andere als schmeichelhaft ist. In „Fire and Fury“ („Feuer und Zorn“) zeichnet der Enthüllungsautor Michael Wolff das Bild eines ahnungs- und ideenlosen, unreifen und paranoiden, verlogenen und selbstverliebten Präsidenten. Schlimmer geht es nicht. Die Etiketten, die vermeintliche Freunde dem Präsidenten angeblich anheften, ist auch nicht hochglanzbroschürewürdig: Idiot, Depp, verrückt, dumm, saudoof. Wenn diese Etikettierungen nur halbwegs stimmen, würden Psychologen bei Trump eine Schizophrenie diagnostizieren.

          Auch unabhängig von solchen deftigen Charakterurteilen ist festzustellen: Einen derart unberechenbaren, unkonventionellen und eigentlich unglaublichen Präsidenten hat es schon sehr, sehr lange nicht gegeben, wenn überhaupt. Dass zum Jahrestag der Amtseinführung in Washington eine Haushaltssperre in Kraft trat, war Symbolik pur, selbst wenn die Sperre nur wenige Tage galt.

          Wie also fällt die Bilanz aus nach gut zwölf Monaten im Amt? War es so schlimm, wie man zeitweise befürchten musste? Oder wurde doch nicht so heiß gegessen, wie gekocht wurde? Sind nicht zuletzt viele Medienleute besessen von einem Mann, der den Sumpf aus Korruption, Günstlingswirtschaft und elitärer Anmaßung in Washington trocken legen und sich keiner Etikette beugen wollte? Oder haben die recht, die vorhersagten, Trump, der Narziss im Gewand des Rächers weißer Wähler, werde die amerikanische Politik auf den Kopf stellen und stelle eine Gefahr dar für die Demokratie? Darüber ist in den vergangenen Wochen viel diskutiert worden.

          Das blanke Chaos

          Bei seiner Einführung in das Amt des Präsidenten am 20. Januar 2017 hatte Donald Trump eine Art populistisches Manifest verkündet. Was sonst als zivilreligiöses Hochamt der amerikanischen Demokratie zelebriert wird, geriet zu einer wütenden Kampfansage gegen seine Vorgänger, gegen Demokraten und Republikaner; gegen die Presse und gegen finstere Mächte, die Amerika zerstörten. Angeblich.

          Der Kampf begann in der Regel in den frühen Morgenstunden. Mit knapp 3000 Tweets begeisterte oder entsetzte Trump die Amerikaner und die Welt. Mal nannte er den von ihm entlassenen FBI-Direktor einen unehrlichen Spinner, mal machte er sich über den nordkoreanischen Diktator lustig und drohte ihm totale Vernichtung an; er nannte schwarze Football-Spieler Hurensöhne, jammerte über die angebliche Hexenjagd gegen ihn in der Russland-Affäre. Und immer wieder Angriffe auf Barack Obama und Hillary Clinton. Diese Angriffe sind nichts anderes als Vernichtungsphantasien. Tweeten – das ist ganz besonders Trumps persönlicher Regierungsstil.

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