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Donald Trump : Narziss und Rächer im Oval Office

Bundeskanzlerin Merkel hat nach der Rückkehr vom G-7-Gipfel auf Sizilien nach ernüchternden Erfahrungen mit einem Präsidenten diesen Satz gesagt: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere vollkommen verlassen konnten, sind teilweise vorbei. Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen.“ Das ist auf der einen Seite eine Selbstverständlichkeit, auf der anderen Seite bitter: Auf unseren wichtigsten Partner können wir uns nicht mehr wie früher verlassen. Und doch bleibt diese Partnerschaft für uns essentiell – sie hat aber Grenzen. Übrigens: Einen amerikanischen Botschafter gibt es in Berlin noch immer nicht. Und nur ein Fünftel der Deutschen hat Vertrauen in Trump. Damit steht er auf einer Stufe mit Putin.

Spaltung der Gesellschaft ist noch tiefer

Blicken wir auf das vor uns liegende Jahr. Im November wählen die Amerikaner einen neuen Kongress. Diese Zwischenwahl könnte zu einem Referendum über Donald Trump werden. Republikaner und Demokraten, hat der Direktor des Instituts für zeitgenössische deutsche Studien in Washington, Jack Janes, geschrieben, bereiteten sich auf eine Schlacht vor, die so geführt werde, dass jedes Gesetzesvorhaben, jede Personalie, jeder Streit mit dem Präsidenten über Haushaltskürzungen, Gesundheitspolitik und Einwanderung ausarten kann. Das bedeutet: Diejenigen, die sich um Kompromisse bemühen, kommen unter die Räder.

Die Zeitschrift „Economist“ hat neulich geunkt: „Donald Trump war kein guter Präsident in seinem ersten Jahr. Im zweiten könnte er Amerika großen Schaden zufügen.“ Danach gibt es keinerlei Anlass zur Entwarnung, auch weil einige internationale Krisenherde explodieren könnten.  

„Make America great again“ – mit der Parole hatte sich Trump in den Kampf um das Präsidentenamt geworfen. 63 Millionen Wähler, viele verbittert, wütend, voller Ressentiments, waren ihm gefolgt. Und heute also, „great again“? Durch Strafzölle auf Waschmaschinen? Die traurige Wahrheit ist: Die Spaltung der Gesellschaft ist noch tiefer, die Gegensätze sind trotz guter Wirtschaftslage noch unversöhnlicher geworden. Daran tragen freilich auch seine Gegner und Feinde Mitschuld.  

Rund drei Fünftel der Amerikaner sind mit Trumps Amtsführung nicht zufrieden. Aber seine Wählerbasis hält unerschütterlich zu ihm. Sie sieht in ihm einen Erlöser von den Zumutungen der Gegenwart mit ihren sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen. Handelt es sich bei Trumps Wahl um einen normalen demokratischen Machtwechsel, gäbe es keinen Grund für hysterische Reaktionen? Oder haben wir es mit einer Art „Regime change“ zu tun? Wir haben jenen Trump erlebt, der sich vom Pariser Klimaabkommen zurückzieht und Mauern bauen will; in seiner ersten Rede zur Lage der Nation neulich, gab sich Trump verbindlicher und  streckte die Hand zum Kompromiss aus. Donald Trump sieht sich selbst nicht als personifizierte Fortsetzung des Status quo, sondern als einen Präsidenten, der diesen Status quo umstürzlerisch über den Haufen wirft.

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