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Donald Trump : Narziss und Rächer im Oval Office

Trump lobte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping über den grünen Klee. Die Glückwünsche zu dessen Wiederwahl kamen einer Huldigung nahe. Das hat natürlich damit zu tun, dass die amerikanische Regierung auf den Einfluss Pekings auf das nordkoreanische Regime setzt. Was immer die Rolle Chinas bei der Entwicklung des nordkoreanischen Atomprogramms war, an einer Eskalation hat es kein Interesse.  

Kontroverse Impulse in Nahost

Tatsächlich aber hat sich die Lage weiter verschärft. Nordkorea hat die Schwelle zur Atommacht überschritten. Es wird nicht mehr bestritten, dass es über Interkontinentalraketen verfügt, welche Nordamerika erreichen können. Kein Wunder also, dass die amerikanische Regierung alarmiert reagiert und so vehement auf Sanktionen setzt. Mit beschränktem Erfolg. Der rhetorische Austausch zwischen Trump und dem Diktator Kim Jong-un hatte zeitweise Schulhofniveau. Und das bei einem Konflikt von ungeheurer Brisanz. Es wäre eine Katastrophe, sollte er militärisch explodieren.

Im Nahen und Mittleren Osten, der Weltregion im Dauerkonflikt, hat die Regierung Trump allenfalls kontroverse Impulse gesetzt. Auf der einen Seite hat sie den amerikanischen Fußabdruck weiter verkleinert; in Syrien sitzt der Machthaber Assad dank russischer und iranischer Intervention wieder fester im Sattel. Auf den israelisch-palästinensischen Konflikt hat Trump in den Augen vieler Zunder geworfen, als er Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannte. Das ist zwar symbolisch brisant, aber in der Konsequenz weniger gefährlich als die Drohung, das Atomabkommen mit Iran aufzukündigen. Sollte das wirklich Anfang Mai geschehen, wäre mit einer beschleunigten iranischen Aufrüstung zu rechnen. Das Atomabkommen ist nicht perfekt, aber es friert das iranische Atomprogramm für zehn bis zwanzig Jahre ein. Ja, Iran stiftet Unruhe in der Region. Aber nicht zuletzt Trumps wichtigste militärische Ratgeber versuchen ihn davon zu überzeugen, dass die Aufkündigung des Abkommens eine Torheit wäre.

Tonlage gegenüber Deutschland gemäßigt

Diese Berater begreifen anders als die „America first“-Nationalisten im Weißen Haus auch den Wert und die Bedeutung von Bündnissen für die Vereinigten Staaten. Womit wir beim deutsch-amerikanischen Verhältnis wären.

Donald Trump hat gleich auf zweifache Weise Deutschland aufs Korn genommen: Er hat den Deutschen sicherheitspolitische Trittbrettfahrerei vorgeworfen; die deutschen Ausgaben für Verteidigung seien viel zu gering. Gleichzeitig hat er der deutschen Wirtschaft faktisch eine Mitschuld an der trostlosen Lage vieler weißer Arbeiter gegeben, weil sie zu viel nach Amerika exportiere und zu wenig von dort importiere. Die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung hat er natürlich gegeißelt. Nicht weniger gravierend waren Attacken, die Trump zu Beginn seiner Amtszeit gegen die EU und Nato geritten hat. Die EU könne ruhig auseinanderfallen, die Allianz sei überholt. Damit hatte er die beiden Institutionen verächtlich zur Disposition gestellt, die für Deutschland Wohlstand und Sicherheit nicht unerheblich sind. Ein ordnungspolitischer Frontalangriff gegen einen der engsten Verbündeten Amerikas.

Im Laufe des Jahres hat sich die Tonlage gemäßigt. Aber die Reserviertheit ist geblieben und somit die Furcht, Trumps protektionistischer Instinkt könnte sich an der deutschen Exportwirtschaft entladen. Feindbilder, gerade wenn aus ihnen Ahnungslosigkeit spricht, halten lange.

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