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Überraschender Wahlausgang : Wie die Welt auf Trumps Sieg reagiert

  • Aktualisiert am

In MIttelamerika, hier in Guatemala, verfolgten viele das Wahlergebnis mit besonderem Interesse. Trump hatte angedroht, eine Grenzmauer zu Mexiko zu errichten Bild: AFP

Träume von einer neuen Weltordnung in Moskau, Hoffnung und Sorge in der arabischen Welt und ein Notfallplan für Mexiko. F.A.Z.-Korrespondenten haben die ersten Reaktionen auf den Sieg Donald Trumps zusammengetragen.

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          Hoffnung und Sorge in der arabischen Welt

          In der arabischen Welt ist die Hoffnung verbreitet, dass Trump das Atomabkommen mit Iran aufkündigen werde. Sorgen bereitet indes die Unberechenbarkeit des außenpolitisch unerfahrenen neuen Präsidenten.

          „Wir werden Trump danach beurteilen, ob er, wie er versprach, das Atomabkommen mit Iran in Stücke reißt“, sagt etwa der Politologe und Kommentator Abdulkhaleq Abdulla aus Dubai. Die arabischen Staaten, vor allem am Golf, haben dieses von Präsident Obama ausgehandelte Abkommen immer vehement abgelehnt. Unklar ist, wie sich der Präsident in Syrien verhalten wird. Der politische Analyst des Nachrichtensenders al Dschasira, Marwan Bishara, erwartet, dass Trump in Syrien nicht intervenieren und stattdessen den Krieg gegen den „Islamischen Staat“ Russland überlassen werde. Dass Trump die Politik des scheidenden Präsidenten Obama in Syrien – wenn auch in radikalerer Form – also fortsetzen werde. Abdulla hingegen hält es für möglich, dass sich Trump in Syrien Russland entgegenstellen werde.

          Positiv wird in den arabischen Ländern, die mit Israel zusammenarbeiten, die starke proisraelische Einstellung Trumps aufgenommen. Freude herrscht in der ägyptischen Führung. So hatte Präsident Abd al Fattah al Sisi bereits im September Trump nach einem Treffen in New York gratuliert. „Trump werde zweifellos ein starker Führer sein“, hatte Sisi nach dem Treffen gesagt. Trump werde zur Stabilität Ägyptens beitragen, erwartet auch Abdulla. Beunruhigt ist der Politikwissenschaftler aus den Vereinigten Arabischen Emiraten jedoch wegen der möglichen Folgen für die Staatengemeinschaft, da Trump nicht über die für sein neues Amt erforderlichen Führungsqualitäten verfüge, aber auch weil die Vereinigten Staaten in den kommenden vier Jahren unter Trump rassistischer würden. (Rainer Hermann, Beirut)

          Träume von einem „neuen Jalta“ in Moskau

          Die Präferenz des Kremls für Donald Trump zeigte sich während des Wahlkampfes in den Berichten der eigenen In- wie Auslandsmedien und schlug sich, nach amerikanischen Angaben, auch in etlichen Hackerangriffen auf die Demokraten nieder. Aus Moskauer Sicht waren etliche von Trumps Äußerungen zu begrüßen, allen voran, dass er die Bündnissolidarität der Nato in Osteuropa in Frage stellte und ankündigte, als Präsident zu prüfen, die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim anzuerkennen.

          Doch glaubte auch der Kreml offenkundig den Umfragen, welche Clinton vorne sahen: In den Tagen vor der Wahl und noch am Wahltag selbst wurden die Russen in den gelenkten Medien auf die Linie eingestimmt, dass Trump der ehrliche, etwas ruppige und unbequeme Kandidat sei, dass aber Amerikas Politik und Medien seinen Sieg nicht zulassen würden, bis hin zu der Behauptung, Trump könne wegen seiner prorussischen Ansichten ermordet werden. Noch am Mittwochmorgen wies die kremltreue Zeitung „Iswestija“ ihre Leser ausführlich auf Fehler des amerikanischen Wahlsystems hin, ein Indiz dafür, dass man damit rechnete, den Russen die Wahlen schlicht als neuerlichen Beleg für die Verderbtheit von Demokratie westlichen Zuschnitts zu verkaufen. Dann bedeutete der Überraschungssieg des bevorzugten Kandidaten aber nicht, dass man nun das amerikanische Wahlsystem preisen würde: Das Fernsehen ließ die eigenen Fälschungsberichte einfach vergessen und berichte direkt von Trumps Jubelfeier.

          Auch in Moskau herrschte gute Laune vor. Einer der ersten, der sich äußerte, war Wjatscheslaw Wolodin, der bis vor kurzem im Kreml für Innenpolitik zuständig war und nun Sprecher der Duma ist. Er sagte, man wolle gern glauben, dass mit Trump als Präsident ein „konstruktiverer Dialog unserer Länder möglich ist“. Die Abgeordneten des Unterhauses applaudierten, als die Nachricht verkündet wurde, Clinton habe Trump gratuliert.

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