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Russland-Verbindungen : Wie die Republikaner zur Partei Putins wurden

  • -Aktualisiert am

Donald Trump und Wladimir Putin auf dem G-20-Gipfel in Hamburg Bild: dpa

Die Republikaner haben ihre Seele an Russland verkauft – und Trump ist nicht der einzige Grund. Die Grand Old Party ist ethisch verrottet. Ein Gastkommentar.

          „Könnte jemand mir bitte weiterhelfen, ich bin verwirrt“, las ich kürzlich in einer E-mail, die mir ein republikanischer Aktivist und Spender schickte. „Die Russen haben sich angeblich 2016 in unsere Wahlen eingemischt, indem sie in nicht ausreichend geschützte Server der Demokratischen Partei eindrangen, darunter auch einige in Hillarys Keller, und sie fanden E-mails, die eigentlich an Mitglieder des Clinton-Wahlkampfteams gerichtet waren, und veröffentlichten sie, sodass sie vom amerikanischen Volk gelesen werden konnten. Und das Volk hatte nicht das Recht, sie zu lesen? Und das ist schlimm? Sollten wir den Russen nicht dankbar sein, dass sie die Wahlen transparenter gemacht haben?“

          Lassen wir einmal die Ungenauigkeiten in dieser Mail beiseite (es war nicht Hillary Clintons umstrittener privater Server, der angeblich von Russen gehackt wurde, auch wenn Donald Trump sie ausdrücklich darum gebeten hatte, sondern die des Democratic National Committee und seines Wahlkampfleiters John Podesta). In dieser Mail zeigen sich ganz ungeschminkt die Grundmotive weiter Teile der heutigen Republikanischen Partei. Auf jedem anderen Gebiet wären unsere politischen Führer entsetzt über den krassen Opportunismus, die moralische Leichtfertigkeit und die an Landesverrat grenzenden Instinkte, die hier zum Vorschein kommen.

          James Kirchick ist amerikanischer Journalist.

          Stattdessen hören wir vom Präsidenten der Vereinigten Staaten zu dem Treffen zwischen seinem Sohn und russischen Mittelsleuten, die, wie man ihm ausdrücklich versicherte, für den Kreml arbeiteten: „Die meisten Politiker wären zu einem Treffen wie dem von Don jr. gegangen, um Informationen über einen Gegner zu erhalten. Das ist Politik!“ Und von gewählten Republikanern hören wir nichts als Schweigen oder allenfalls beschämende Ausreden.

          Was soll's, dass Trump jr. anfangs behauptete, bei dem Treffen habe es um das Adoptionsproblem gehen sollen und nicht um ein russisches Angebot, „ultrasensiblen“ Schmutz über Hillary Clinton zu liefern. Anfangs hieß es aus dem Trump-Team, es hätte niemals Treffen mit Russen gegeben, und inzwischen sagt uns der Präsident höchstpersönlich: „Na und?“

          Russlandfreundlichster Präsidentschaftskandidat seit 1948

          Wer den Wahlkampf des letzten Jahres aufmerksam verfolgt hat, den sollte nichts von alledem verwundern. Schließlich bat Trump damals die Russen ausdrücklich, Clintons privaten Email-Server zu hacken. Er war der russlandsfreundlichste Präsidentschaftskandidat, seit Henry Wallace 1948 als Vertreter der sowjetfreundlichen Progressive Party für das Amt kandidierte. Er lobte bei jeder Gelegenheit Putins männliche Tugenden und führte den kremltypischen moralischen Relativismus in den Wahlkampf ein. Am schlimmsten aber: Die Wähler der Grand Old Party (GOP) straften ihn dafür nicht ab. Vielmehr wählten sie ihn gerade deshalb.

          Auch war Trump jr. nicht der einzige Republikaner, der bei den Russen Hilfe gegen Clinton suchte. Im Mai berichtete das „Wall Street Journal“, ein republikanischer Funktionär in Florida habe von „Guccifer 2.0“, einem Hacker, der nach Angaben der amerikanischen Regierung für russische Geheimdienste arbeitet, gehackte Wähleranalysen der Demokratischen Partei erbeten und erhalten. Die Zeitung berichtete außerdem, dass der inzwischen verstorbene republikanische Funktionär Peter W. Smith „einen unabhängigen Versuch unternahm, an E-mails zu gelangen, von denen er glaubte, sie seien von Hillary Clintons privatem Server gestohlen worden, wahrscheinlich von russischen Hackern“.

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