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Wer darf in Wisconsin wählen? : Viren auf die Mühlen der Republikaner

Gerade arme Afroamerikaner haben aber häufig Mühe, dauerhaft einen Wohnsitz zu behalten; sie werden von ihren Vermietern beispielsweise herausgeworfen, wenn sie bei den Mietzahlungen in Verzug geraten, oder sie verstoßen gegen die in Sozialwohnsiedlungen oft strengen Regeln gegen Rauschgiftkonsum. Somit wird es armen Bürgern in Wisconsin schwerer gemacht, an Wahlen teilzunehmen. Republikaner wie Demokraten hoffen nun auf einen ihnen gewogenen Gerichtshof, sollten das Wahlrecht oder der Wahlkreiszuschnitt angefochten werden.

Für die Demokraten ist damit auch klar, dass die Blockadehaltung der Republikaner im Fall der Wahlverlegung nun ein Versuch ist, die Wahl zu manipulieren. Ihr Insistieren auf diesen Wahltermin sollte nach demokratischer Lesart besonders Menschen in den urbanen Zentren von der Wahl fernhalten. Dort lebt der Großteil der Minderheiten in dem Bundesstaat und diese stimmen mehrheitlich für demokratische Kandidaten. Sie mussten nun entscheiden, ob sie ihr Wahlrecht wahrnehmen wollen und sich der Gefahr aussetzen, sich mit einer potentiell tödlichen Krankheit anzustecken oder ob sie lieber auf ihre Gesundheit achten und ihr Wahlrecht nicht ausüben wollen.

Republikaner fürchten das Virus weniger

Wie amerikanische Medien berichteten, gab es vor allem in Städten lange Schlangen an den Wahllokalen. Das lag auch daran, dass die Organisatoren wegen der Corona-Gefahr – am Dienstag hatte der Bundesstaat bei einer Bevölkerung von rund 5,8 Millionen Menschen laut Gesundheitsministerium 2578 bestätigte Corona-Fälle und 92 Tote – nicht genügend Helfer mobilisieren konnten. So gab es laut Medienberichten in Wisconsins größter Stadt Milwaukee – in der im August der Nominierungsparteitag der Demokraten stattfinden soll – statt normalerweise 180 Wahllokalen lediglich fünf. Die wartenden Menschen hätten sich an die Abstandsregeln gehalten und es seien Schutzmasken an die Wartenden ausgegeben worden.

In den ländlichen Regionen, in denen eher republikanische Wähler leben, hat es laut „Washington Post“ weniger Schwierigkeiten gegeben. Weder habe es zu wenig Wahllokale gegeben noch sei es zu langen Wartezeiten gekommen. Auch hätten weniger Menschen Schutzausrüstung getragen.

Die Republikaner können in ihren Bemühungen auch darauf bauen, dass ihre Anhänger laut aktuellen Umfragen dem Coronavirus immer noch gelassener gegenüberstehen als Demokraten. Während diese sich in den Städten also um ihre Gesundheit sorgen und deswegen möglicherweise nicht zur Wahl gehen, könnten Republikaner eher geneigt sein, dem Virus zu trotzen und wählen zu gehen. Bezeichnenderweise hatten vierzig republikanische Abgeordnete am Montag noch an den Gouverneur geschrieben, er möge die Golfplätze wieder öffnen.

Wahlaufruf in Schutzkleidung

Außerdem gab es bekannte Persönlichkeiten der Partei, die die Menschen aufriefen, zur Wahl zu gehen. Präsident Trump schrieb auf Twitter: „Wisconsin, geh raus und stimme JETZT für Richter Daniel Kelly.“ Auf einer Pressekonferenz gefragt, wie das in Einklang zu bringen sei mit der Empfehlung der Bundesregierung, Kontakte zu Anderen zu meiden, sagte er, er habe lediglich einen Kandidaten empfohlen. Er wisse nichts über das Wahlverfahren in dem Bundesstaat.

Auch der republikanische Sprecher des Unterhauses des Kongresses in Wisconsin Robin Vos versuchte die Menschen in einem Video-Interview mit der „Racine Journal Times“ zum Wählen zu bewegen. Es sei „unglaublich sicher, raus zu gehen“, sagte Vos. Es sei sinnlos, die Wahl zu verlegen, weil nicht sicher sei, ob die Lage im Mai oder Juni anders wäre. Er selbst beteilige sich freiwillig als Wahlaufseher. Gekleidet war er bei dem Interview in einen Ganzkörperschutzanzug.

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