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Wähler auf Staten Island : Die Trump-Insulaner

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St. George, ein Stadtteil an der Nordostspitze von Staten Island. Bislang galt der Stadtbezirk von New York City als sichere Bank für die Demokraten. Bild: Lorenz Hemicker

New York ist Donald Trumps Heimatstadt, aber bei der Wahl 2016 hatte er hier nichts zu lachen. Ausnahme war der Stadtteil Staten Island, wo viele Bürger ihm auch jetzt die Treue halten.

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          Die „Staten Island Ferry“, die orangefarbene Fähre an der Südspitze von Manhattan, ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen New Yorks. Auch Tausende Pendler drängen sich täglich auf die Schiffe, um zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Die meisten Touristen warten in St. George auf Staten Island gleich auf die nächste Gratis-Fahrt zurück. Ihnen geht es um den Blick auf die Skyline und die Freiheitsstatue, nur wenige sehen den Stadtteil, der so ganz anders ist als Manhattan.

          Rund dreißig Kilometer südlich vom lauten Finanzviertel ist das Tempo langsamer – hier ist man schnell mitten in „Suburbia“, der Welt der amerikanischen Vorstädte mit ihren Malls, kleinen Kirchen und großen Sportplätzen. Und auch die Wähler ticken in Staten Island anders als in der restlichen Stadt, die eine sichere Bank für die Demokraten ist. Donald Trump holte 2016 in der ganzen Stadt unter 37, aber auf der Insel 57 Prozent der Stimmen – wieder einmal ein Grund für viele Einheimische, den „vergessenen Stadtteil“ zu verspotten. Dabei muss man in New York nirgends weit fahren, um zu sehen, wie die Basis der Republikaner tickt. Sie sind an der Wall Street und an der Upper East Side, unter den Wohlhabenden, genauso zu finden wie in den eher vorstädtisch geprägten Ecken von Queens, Brooklyn oder eben in Staten Island.

          In der Villengegend Todt Hill scheinen Washington und die Impeachment-Ermittlungen ganz weit weg zu sein. In manchen der ordentlich gestutzten Vorgärten ist das dunkelblaue „Trump 2020“-Kampagnenschild zu sehen. Manche Familien haben sich hier Villen im Tudor-Stil gebaut, es gibt Giebel und Fachwerk. In den Einfahrten stehen Sportwagen und SUV's, nicht selten ist beides vertreten.

          Das Durchschnittseinkommen liegt bei 120.000 Dollar im Jahr, viele hier haben von den Steuererleichterungen profitiert, die die Trump-Regierung einführte. Über den Präsidenten reden will aber keiner so richtig. Gefragt nach den Amtsenthebungs-Ermittlungen winken manche ab oder beschränken sich auf ein Wort: „Unsinn“ oder „Mist“ oder „uninteressant“.

          „Die Medien haben seine Worte verdreht“

          Auf der Insel leben rund 480.000 Menschen, viele sind Angestellte bei der Stadt, Feuerwehrleute, Polizisten. Während die im Amtsamerikanisch „non-hispanic whites“ genannten Menschen in ganz New York etwa 33 Prozent ausmachen, stellen sie in Staten Island mit um die 63 Prozent die Mehrheit. Die Weißen auf der 152 Quadratkilometer großen Insel stammen häufig von Italienern und Iren ab und die meisten von ihnen wählen die Republikaner. Lokalpolitiker umwerben das Weiße Haus zur Zeit, weil sie wollen, dass Trump, der aus Queens stammt, in Staten Island seine Präsidentenbibliothek einrichtet.

          Etwas offener als in Todt Hill sind die Leute in New Dorp, einer kleinen Gemeinde weiter im Süden. Hier gibt es eine Hauptstraße mit Cafés, Geschäften und einer Bibliothek, die Häuser in den Seitenstraßen wirken gediegen, aber weniger pompös. Die Menschen in New Dorp verdienen im Durchschnitt 80.000 Dollar pro Jahr und sind zu rund 80 Prozent weiß. Frank Messina, ein 65-jähriger Rentner, glaubt, dass die Demokraten das Amtsenthebungsverfahren wollen, weil sie die Wahl verloren haben. „Ich glaube nicht, dass er irgendetwas falsch gemacht hat. Ich glaube, dass die Medien seine Worte verdreht haben“, sagt Messina über den Vorwurf, Trump habe die Ukraine in seinen Wahlkampf einspannen wollen.

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