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WHO-Austritt : Trump bestraft die Falschen

Donald Trump kehrt am 1. Juni nach einem Statement im Rosengarten des Weißen Hauses zurück in seinen Amtssitz. Bild: AFP

Amerikas Präsident kappt die Verbindungen zur Weltgesundheitsorganisation. Die Hauptschuld für die Ausbreitung von Sars-CoV-2 auf der Welt aber trägt sie nicht.

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          Vor ein paar Tagen hat der amerikanische Präsident die Verbindungen zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gekappt – aus Rache dafür, dass die WHO mit den chinesischen Behörden in der Corona-Krise angeblich unter einer Decke gesteckt habe und quasi daran schuld sei, dass die Vereinigten Staaten von der Pandemie so schwer getroffen worden seien. Sieht man davon ab, dass dies nach „Operation Sündenbock“ aussieht, so stimmt eines doch: Gerade in der frühen Phase der Epidemie kam von der WHO viel Lob für das Vorgehen Chinas; selbst dessen Transparenzgebaren wurde gepriesen. Glaubten die Verantwortlichen der WHO das, was sie sagten?

          Eine Zusammenstellung der Nachrichtenagentur AP über die Ereignisse im Januar macht klar, dass die WHO verzweifelt versuchte, mehr Informationen von den chinesischen Behörden zu erhalten, und die öffentlichen Lobpreisungen nur dem Zweck dienten, mehr zu erfahren, und zwar zeitnah.

          Die Taktik schlug fehl, die WHO wurde im Dunkeln gehalten. Deshalb legt die Dokumentation den Schluss nahe, dass, hätte China tatsächlich Transparenz walten lassen, die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus „dramatisch“ hätte verringert werden können. Die Forderung nach einer Untersuchung bleibt also richtig, dagegen trifft die WHO nicht die Hauptschuld für die Ausbreitung von Sars-CoV-2 auf der Welt. Ohnehin ist es nicht sonderlich klug, die Organisation jetzt zu verlassen, da die Pandemie noch immer wütet.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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