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Präsidentenwahl in Amerika : 21 Kandidaten und ein Trump

  • -Aktualisiert am

Frankreichs König Ludwig XVI. sah sich als Sonnenkönig. Donald Trump gibt sich ähnlich. Er bewirbt sich 300 Jahre nach Ludwigs Tod um die amerikanische Präsidentschaft. Bild: dpa

Die Qualifikationsphase um die nächste amerikanische Präsidentschaft wird in wenigen Stunden mit einer TV-Debatte eröffnet. 22 Kandidaten haben sich beworben. Geredet wird vor allem über einen Außenseiter. Der FAZ.NET-Kandidatencheck.

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          Siebzehn Kandidaten der Republikaner und fünf Bewerber der Demokraten haben bisher ihren Hut in den Ring geworfen. Sie alle wollen Nachfolger von Barack Obama im Weißen Haus und damit der nächste Präsident oder die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. Vorher müssen sie jedoch die Vorwahlen der jeweiligen Parteien überstehen, bevor sie sich am 8. November 2016 dem Votum der amerikanischen Wähler stellen können. Startschuss ist am Donnerstagabend eine Debatte der zehn aussichtsreichsten Bewerber im amerikanischen Nachrichtensender Fox News. FAZ.NET stellt alle Kandidaten vor und verrät, welche Erfolgsaussichten sie haben.


            Demokraten

            Lincoln Chafee

            „Ich mag Herausforderungen und Amerika muss sich vielen Herausforderungen stellen.“
            dpa

            Lincoln Chaffee (62) war der einzige Senator, der 2002 gegen den Einmarsch im Irak votierte – in der Fraktion der Republikaner. Doch der Spross einer der Gründungsfamilien von Rhode Island verließ ein paar Jahre später die Republikanische Partei, wurde 2010 als Unabhängiger zum Gouverneur seines winzigen Neuengland-Staats gewählt und trat noch vor dem Ende seiner Amtszeit im Januar dieses Jahres den Demokraten bei. Für den Kampf gegen Hillary Clinton hat der Außenseiter kaum Geld oder Personal – nur die klare Botschaft, dass Clinton ein gefährlicher Falke sei und Amerika aufhören müsse, sich in der Welt überall einzumischen.


            Hillary Rodham Clinton

            „Normale Amerikaner brauchen einen Vorstreiter und ich möchte dieser Vorstreiter sein.“
            AP

            Abgesehen von Amtsinhabern, die sich zur Wiederwahl stellten, dürfte nie ein Präsidentschaftskandidat von Anbeginn so berühmt gewesen sein wie Hillary Clinton (67). Alle kennen die frühere First Lady, Senatorin und Außenministerin. Das ist ein Vorteil, der sich in einem uneinholbar scheinenden Vorsprung niederschlägt, aber auch eine Bürde. Denn Clintons Berater können wenig tun, um das Image der Kandidatin zu beeinflussen, auch wenn diese sich etwas nahbarer zeigt als beim ersten Versuch 2008. Sie muss aufpassen, als Kandidatin Demut zu demonstrieren, schließlich lästern die Republikaner schon lange über die bevorstehende „Krönung“ bei der Konkurrenz. Im Wesentlichen will Clinton an Obamas Politik festhalten, die linksliberalen Konzepte aber geschickter in die Tat umsetzen. Wenn ihr der Einzug in Weiße Haus gelingen sollte, dann wird sie das nicht zuletzt Frauen zu verdanken haben, die Clinton auffordert, Amerikas höchste „gläserne Decke“ zu zertrümmern.


            Martin O'Malley

            „Wir müssen unser eigenes Land retten. Und wir werden das tun, indem wir den Traum wiederbeleben.“
            AP

            Martin O’Malley ist mit 52 Jahren der mit Abstand jüngste Demokraten-Kandidat, spielt Gitarre in einer Band, sieht gut aus, hat ein gewinnendes Wesen und bietet damit vieles, was die Amerikaner von ihren Politikern erwarten. Dennoch bekommt der frühere Gouverneur von Maryland kein Bein auf den Boden. Ein bisschen mag das daran liegen, dass er mit seiner Bilanz als vorheriger Bürgermeister von Baltimore nicht mehr punkten kann, seit dort Rassenkrawalle eskalierten. Vor allem aber fällt es O’Malley schwer, sich von Clinton zu distanzieren, die er früher unterstützt hat. Er positioniert sich ein Stückchen weiter links – aber nicht genug, um die Clinton-Skeptiker an der Parteibasis zu beeindrucken.


            Bernie Sanders

            „Ich denke, die Leute sollten mich nicht unterschätzen.“
            AFP

            Bernie Sanders (73) ist der Überraschungsstar im linken Lager. Als Senator gehört der selbst erklärte „demokratische Sozialist“ der Partei gar nicht an, in deren Namen er nun das Weiße Haus erobern will. Seit 25 Jahren vertritt Sanders im Kongress seinen progressiven Heimatstaat Vermont; 2007 wechselte er vom Repräsentantenhaus in den Senat. Viele Strategen im linken Lager hatten nicht kommen sehen, dass der kämpferisch gegen die „Wall Street“ und für einen starken Sozialstaat skandinavischen Zuschnitts werbende Sanders auch in anderen Landesteilen großes Publikum zu begeistern vermag – und Hunderttausende Kleinspender. Wenig spricht dafür, dass Sanders die 20-Prozent-Marke deutlich überschreiten könnte, an der er kratzt. Aber er zwingt Clinton, die Parteilinken nicht aus dem Blick zu verlieren.


            Jim Webb

            „Wir brauchen einen Präsidenten, der etwas von Führung versteht.“
            AP

            Die Stimme von Jim Webb (69) war im Vorwahlkampf bisher kaum vernehmbar. Der frühere Senator von Virginia gehört der aussterbenden Gattung des Südstaaten-Demokraten an. In populistischer Weise fordert er wirtschaftliche Umverteilung, hält aber wenig von der gezielten Förderung ethnischer Minderheiten. Nach dem rassistischen Kirchen-Attentat von Charleston sprach er sich dagegen aus, die Konföderierten-Flagge als Symbol von Sklaverei und Diskriminierung aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. Die Homosexuellenehe liegt dem Politiker, der unter Ronald Reagan hoher Amtsträger im Pentagon war, weniger am Herzen als eine gute Versorgung von Amerikas Veteranen. Um sich von Hillary Clinton abzuheben, betont er aber vor allem etwas anderes: Anders als die damalige Senatorin, so Webb, hätte er niemals für den Einmarsch in den Irak gestimmt.




            Republikaner

            Jeb Bush

            „Ich nehme nichts und niemanden als gegeben an. Ich werde mit Herz kämpfen. Ich trete an, um zu gewinnen.“
            REUTERS

            Jeb Bush (62) ist einer der Favoriten auf den Kandidaten-Platz der Republikaner. Der Präsidentensohn, Präsidentenbruder und frühere Gouverneur des in jedem Wahljahr hart umkämpften Staats Florida verfügt über viel mehr Geld als seine Konkurrenz – mehr als 100 Millionen Dollar hatte ein Bush unterstützendes „Aktionskomitee“ bis Ende Juni schon gesammelt. Andererseits hat es der belesenste und vermutlich nachdenklichste der Bushs bisher nicht vermocht, sich einen soliden Vorsprung zu sichern. So sehr ihn Teile des Republikaner-Establishments im Rennen sehen wollen, so skeptisch ist die Basis, die von einer Neuauflage des Klassikers „Bush gegen Clinton“ nichts wissen will. Jeb Bush spricht perfekt Spanisch, er ist mit einer Mexikanerin verheiratet. Dass er die meisten illegalen Einwanderer nicht abschieben will, irritiert viele Republikaner.


            Ben Carson

            „Ich werde wahrscheinlich nie politisch korrekt sein, denn ich bin kein Politiker.“
            REUTERS

            Ben Carson (63) wurde berühmt, weil er ausgerechnet beim „Nationalen Gebetsfrühstück“, einem Washingtoner Ritual politischer Versöhnlichkeit, Barack Obamas Gesundheitspolitik angriff und die „politische Korrektheit“ zu einem Grundübel der Gesellschaft erklärte. Eigentlich ist der einzige Afroamerikaner unter den Präsidentschaftskandidaten ein in Fachkreisen berühmter Neurologe. Da er in Detroit in armen Verhältnissen aufwuchs und zu einem der besten Mediziner Amerikas avancierte, begeistert seine Geschichte viele Amerikaner. Doch seit er seine Präsidentschaftskandidatur erklärte, scheint sich der Arzt Carson in den Fallstricken politscher Kampagnen verheddert zu haben. Zugleich hat er mit seinen erzkonservativen Ansichten viele Afroamerikaner verprellt, die in ihm früher ein großes Vorbild sahen.


            Chris Christie

            „Ich bin jetzt bereit, für die Menschen der Vereinigten Staaten zu kämpfen.“
            AFP

            Chris Christie (52) wurde vor knapp zwei Jahren mit großer Mehrheit als Gouverneur von New Jersey wiedergewählt. Da der Ostküstenstaat eher demokratisches Terrain ist, wollte der übergewichtige Politiker mit Hang zu überklaren Botschaften darauf seine Präsidentschaftskampagne aufbauen. Hitzig stritten Republikaner im ganzen Land darüber, ob ein Politiker, der tagtäglich mit Demokraten zusammenarbeite, geeignet sei, Amerika nach acht Jahren Obama auf den rechten Kurs zu bringen. Doch das war voreilig: Heute redet kaum noch jemand über Christie. Der von Skandalen und einer durchwachsenen Bilanz in New Jersey geschwächte Gouverneur ist in den Umfragen weit nach hinten gerutscht. Manche Beobachter trauen ihm allerdings ein Comeback zu, denn der fast nie mit Manuskript sprechende Klartext-Politiker ist eine Kämpfernatur.


            Ted Cruz

            „Die Kraft von Amerikanern, die aufstehen und für Freiheit kämpfen, ist grenzenlos.“
            AP

            Je mehr es sich Ted Cruz (44) im Senat mit dem Establishment verscherzt hat, desto begeisterter feierte ihn die Tea Party. Im Herbst 2013 trieb der Juniorsenator aus Texas die Partei im Budgetstreit so schmerzlos vor sich her, dass sie sich sehenden Auges in das politische Unglück eines Verwaltungsstillstands stürzte. Kompromisslosigkeit ist das Markenzeichen des Juristen. Seit dem Aufstieg Donald Trumps hat Cruz zwar mehr Mühe als zuvor, mit seinen Parolen Gehör zu finden. Doch er hat potente Spender. Dank ihnen wird er selbst dann über lange Zeit im Rennen bleiben können, wenn er in den Umfragen weiterhin im einstelligen Prozentbereich verharrt.


            Carly Fiorina

            „Frau Clinton ist in vielen wichtigen Angelegenheiten nicht offen.“
            REUTERS

            Als einzige Frau, die für die Republikaner ins Weiße Haus einziehen will, nimmt Carly Fiorina (60) für sich in Anspruch, die beste Waffe der Konservativen gegen Hillary Clinton zu sein. Außerdem verweist sie auf ihre Erfahrungen als Managerin eines Weltkonzerns: Von 1999 bis 2005 war sie Vorstandsvorsitzende des Computerherstellers Hewlett-Packard. Allerdings ist das ein zweischneidiges Schwert, denn sie verließ das Unternehmen im Streit über seine wirtschaftliche Schieflage. Wenige Amerikaner kennen Fiorina – aber wenn sie auftritt, schlägt sie mit ihrem Spott und ihrer Zähigkeit viele Zuhörer in ihren Bann. Politische Erfahrung hat sie kaum – außer einem gescheiterten Versuch im Jahr 2010, für Kalifornien in den Senat zu ziehen.


            Jim Gilmore

            „Ich bin Kandidat, weil die jetzige Führung in Washington Amerika auf einen Pfad des Niedergangs geführt hat und ich kann diesen Niedergang umkehren.“
            AP

            Als sich Jim Gilmore (65) vor acht Jahren schon einmal zum Präsidentschaftskandidaten erklärte, währte die Sache nur kurz. Noch vor der ersten Abstimmung in Iowa hatte der Politiker aufgegeben. Das Ende seiner vier Jahre als Gouverneur von Virginia liegen am Wahltag 2016 schon 16 Jahre zurück. Bis zu seiner Ankündigung am 29. Juli war Gilmores Name in fast keiner Umfrage genannt worden.


            Lindsey Graham

            „Ich will der Präsident sein, der unsere Nation vor allen in- und ausländischen Gefahren schützt.“
            REUTERS

            Der Senator Lindsey Graham (60) war jenseits seines Heimatstaats South Carolina bis vor kurzem allenfalls Leuten bekannt, die sich im Gegensatz zum amerikanischen Durchschnittswähler besonders für Außen- und Sicherheitspolitik interessieren. Und auch diese Leute nahmen Graham oft nur als Adlatus seines Senatskollegen John McCain wahr, der Graham kürzlich scherzhaft als „meinen unehelichen Sohn“ bezeichnete. Den Außenseiteranwärter für die Wahl 2016 verbindet mit dem nominierten Kandidaten des Jahres 2008, dass beide für eine zentristische Politik und Kompromisse mit den Demokraten eintreten – außer in der Außenpolitik, wo sie zu den schärfsten Falken zählen. Etwas Bekanntheit hat Graham zuletzt durch die Debatte über das Iran-Abkommen erlangt, das er vehement ablehnt – und durch ein öffentliches Scharmützel mit Donald Trump, den der Senator als „größten Esel der Welt“ beschimpfte.


            Mike Huckabee

            „Dies ist nicht die Zeit für einen Chamberlain. Es ist die Zeit für einen Churchill. Entweder wehren wir uns gegen das Böse oder nicht.“
            AP

            Mike Huckabee (59) ist ein Evangelikaler aus dem Süden. Darauf gründet seine zweite Präsidentschaftskampagne: „God, Guns, Grits, and Gravy” („Gott, Schusswaffen, Hafergrütze und Bratensoße“) heißt eines seiner Bücher. Nachdem es der frühere Gouverneur von Arkansas bei den Republikaner-Vorwahlen 2008 auf den dritten Rang gebracht hatte, übernahm er eine Talkshow im konservativen Politsender Fox News. Dort gab und bis heute gibt er sich als Kulturkämpfer, ob er nun die Sängerin Beyoncé für ihren aufreizenden Tanz beschimpft oder Präsident Obama vorwirft, mit dem Iran-Abkommen die Israelis „an die Tür des Ofens“ zu führen. Jenseits der Südstaaten ist Huckabees Anhängerschaft klein.


            Bobby Jindal

            „Wir hatten genug Schwätzer. Wir brauchen endlich jemanden, der etwas tut.“
            AP

            Schon seit 2008 regiert der erst 44 Jahre alte Bobby Jindal den Staat Louisiana. Vor einigen Jahren sagten viele Republikaner dem Gouverneur eine große Zukunft voraus. Als Sohn indischer Einwanderer, der als Schüler vom Hinduismus zum katholischen Glauben übergetreten war, verkörperte Jindal einerseits die von vielen Parteistrategen geforderte Öffnung gegenüber ethnischen Minderheiten und vertrat andererseits streng konservative Positionen etwa in der Haushalts- und in der Gesellschaftspolitik. Doch Jindal scheint zumindest den ersten Zenit seiner Karriere überschritten zu haben. Selbst in Louisiana halten ihn die Leute für amtsmüde, und auch anderswo kommt nur noch wenig Begeisterung für ihn auf.


            John Kasich

            „Wir werden die Lektionen des Innenlandes nehmen und Washington DC und unser Land wieder in Ordnung bringen.“
            AP

            John Kasich (63) regiert Ohio – einen der wichtigsten der sogenannten Schlachtfeldstaaten, in denen es jedes Jahr knapp wird zwischen Demokraten und Republikanern. Obwohl „Washington“ heutzutage beinahe als Schimpfwort gilt, wirbt der Gouverneur auch mit dem Argument für sich, dass er als Kongressabgeordneter Ende der neunziger Jahre einige tragfähige Budgetkompromisse mit der Clinton-Regierung ausgehandelt habe. Doch auch das Wort „Kompromiss“ ist an der Republikaner-Basis eher verpönt. Wenn man ihn nicht wolle, hat der freundlich auftretende, aber nicht sonderlich charismatische Kasich schon gesagt, dann werde er eben mehr Zeit zum Golfspielen haben.


            George Pataki

            „Ich kann dieses Land führen und diese Wahl gewinnen. Und die Notwendigkeit Washington zu verändern war niemals größer.“
            dpa

            George Pataki (70) wurde dreimal zum Gouverneur des Staats New York gewählt. Er hatte das Amt bis 2006 inne, also auch während der Anschläge vom 11. September 2001. Dennoch ist seine Bekanntheit in der Nation überschaubar. Pataki ist als typischer Vertreter eines Nordost-Staats womöglich der linkeste Republikaner im Rennen. Entsprechend wenig nimmt die Basis Notiz von seiner Kandidatur. Umgekehrt ist Pataki nicht links genug, dass er versprechen könnte, der Wahl-New-Yorkerin Hillary Clinton das Leben schwer zu machen. Auch in den Washingtoner Parteizirkeln hat Pataki daher keinen nennenswerten Rückhalt.


            Rand Paul

            „Es ist Zeit für einen neuen Weg. Ein Weg der auf Gerechtigkeit, Chancen und Freiheit beruht.“
            AFP

            Rand Paul (52) war für die Zeitschrift „Time“ im vorigen Herbst noch „der interessanteste Mann in der amerikanischen Politik“. Der Vater des Juniorsenators aus Kentucky, Ron Paul, war für die Libertäre Partei bei Präsidentenwahlen angetreten. Dessen Fans versucht der jüngere Paul bei der Stange zu halten, und gleichzeitig andere Wähler für sich zu gewinnen. Im NSA-Streit machte er sich für das Recht auf Privatsphäre stark. Obamas Drohnenkrieg lehnt er ab. Beides gefällt vielen jungen Leuten. Doch mit außenpolitischem Lavieren hat Paul viele in der Partei verprellt.


            Rick Perry

            „Führung heißt nicht, eine Rede im Senat zu halten. Es geht nicht darum, was man sagt. Es geht darum, was man getan hat.“
            AP

            Rick Perry (65) wurde Gouverneur von Texas, als George W. Bush das Amt wegen Umzugs ins Weiße Haus aufgab. Vierzehn Jahre lang regierte er den Staat, der sich wirtschaftlich danach in guter Verfassung befand. Im Jahr 2012 war Perry denn auch zu den Favoriten für die Nominierung der Republikaner gezählt worden. Doch er blamierte sich eher. In einer Debatte kündigte er etwa an, drei Bundesbehörden abzuschaffen – doch dann fielen ihm nur zwei ein. Perrys Berater versichern, der Perry des Jahres 2016 habe nicht nur sein Brillengestell verändert, sondern werde sich den Amerikanern wesentlich kraftvoller präsentieren. Doch eine Favoritenrolle spricht ihm diesmal praktisch niemand zu.


            Marco Rubio

            „Es die Zeit gekommen, dass unsere Generation den Weg in ein neues amerikanisches Jahrhundert voranschreitet.“
            REUTERS

            Ein bisschen ist Marco Rubio (44) der Barack Obama der Republikanischen Partei. Der Sohn zweier Exilkubaner, die aus einfachen Verhältnissen stammen, hat es in einer politischen Blitzkarriere schon 2010 zum Senator von Florida geschafft. Obwohl er dort mit seinem Mentor Jeb Bush um Spender wetteifern muss, schlägt er sich bisher gut: Sein Strahlen, seine Bilderbuchfamilie und seine Lebensgeschichte kommen gut an, und auch seine scharfe Falken-Linie in der Außenpolitik entspricht den Erwartungen eines großen Teils der Parteibasis. So fließend Rubio Spanisch spricht, so gering scheint aber die Anziehungskraft des „Kubaners“ auf Latinos aus anderen Ländern zu sein – zumal sich der Senator heute dafür entschuldigt, dass er vor Jahren in Washington einen Einwanderungskompromiss schmieden half.


            Rick Santorum

            „Arbeiterfamilien brauchen keinen Präsidenten mit Verbindungen zu großen Konzernen oder zu den Wohlhabenden.“
            AP

            Rick Santorum (57) bekam in den Vorwahlen des Jahres 2012 die zweitmeisten Stimmen. Mit seinen Plädoyers etwa gegen die Homosexuellenehe oder künstliche Mittel zur Empfängnisverhütung zog er die sogenannten Sozialkonservativen an, die sich vom moderaten Mormonen Mitt Romney nicht vertreten fühlten. Diesen Erfolg hatte dem vormaligen Senator des Staats Pennsylvania vorher kaum jemand zugetraut. Das ist der einzige Trost, der Santorum beim Betrachten der aktuellen Umfragen bleibt. Diesmal buhlen deutlich mehr Kandidaten um die Herzen der gesellschaftspolitisch konservativsten Wähler.


            Donald J. Trump

            „Trump wird Amerika wieder groß machen.“
            AP

            Noch vor wenigen Wochen erwartete kaum jemand, dass Donald Trump (69) seinen großen Worten diesmal Taten folgen lassen und die Formalitäten zur Anmeldung einer Präsidentschaftskandidatur erledigen würde. Doch „The Donald“, den viele Amerikaner aus dem Reality-TV kennen, hat sich im Juli an die Spitze vieler Umfragen katapultiert. Noch derber als die Konkurrenz beschimpft der Immobilienentwickler und Multimilliardär Einwanderer aus Mexiko. Genüsslich und grob legt sich der Mann, der lauter als alle anderen Barack Obamas amerikanische Staatsangehörigkeit in Zweifel zog, jetzt öffentlich mit anderen Republikanern an. Damit setzt er fürs erste den Ton. Und seine Drohung, er könnte auch als Unabhängiger antreten, wenn die Partei ihn nicht nominiere, bereitet manchen Republikaner-Strategen schlaflose Nächte.


            Scott Walker

            „Ich will Präsident werden, um für Amerikaner zu kämpfen und zu siegen.“
            AFP

            Scott Walker (47) ist keiner, der allein durch sein Auftreten einen Raum zum Toben brächte. Doch seit Monaten jubelt ein so großer Teil der Parteirechten dem Gouverneur von Wisconsin zu, dass er heute zu den Anwärtern mit den besten Aussichten auf die Nominierung zählt. Denn anders als viele Mitbewerber kann er eine Bilanz vorweisen, die ihn als wirksamen Kämpfer für die konservative Sache ausweist. Nach seiner Wahl 2010 hat Walker in seinem traditionell eher den Demokraten zuneigenden Staat konsequent die Rechte der Gewerkschaften beschnitten. Dafür erntete er nicht nur Massendemonstrationen, sondern sogar ein Abwahlreferendum, das er überstand. Da er 2014 zudem wiedergewählt wurde, kann er von sich sagen, in vier Jahren drei Wahlen gewonnen zu haben. Einer, der wie er die Gewerkschaften in die Knie gezwungen habe, werde auch mit dem „Islamischen Staat“ fertig, versprach Walker im März. Angeblich haben die schwerreichen Gebrüder Koch Gefallen an dem Gouverneur gefunden.



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