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Frieden in Afghanistan : Amerikanische Diplomaten suchen direkten Kontakt mit Taliban

  • Aktualisiert am

Inoffizielles Büro der Taliban in Doha: Fanden hier direkte Gespräche zwischen amerikanischen Diplomaten und den Rebellenführern statt? Bild: AP

Das wäre eine Wende der amerikanischen Außenpolitik in Afghanistan: Offenbar hat sich eine Diplomatin direkt mit Talibanvertretern getroffen. Ziel sei es, den Frieden voranzubringen.

          Ist dies eine Wende der amerikanischen Außenpolitik in Afghanistan? Zwei Vertreter der radikalislamischen Taliban haben einem Medienbericht zufolge ein Treffen mit Repräsentanten der amerikanischen Regierung bestätigt. An den Gesprächen im Golfemirat Katar vor einer Woche hätten mehrere Vertreter der Taliban und die Südasien-Gesandte der Vereinigten Staaten von Amerika, Alice Wells, sowie weitere amerikanische Diplomaten teilgenommen, zitiert die „New York Times“ die beiden Taliban-Vertreter. Bei dem Treffen sei es um den Friedensprozess in Afghanistan gegangen. Die Islamisten würden sich davon gute Resultate erwarten. Sie hoffen auf weitere solcher Treffen.

          Das amerikanische Außenministerium dementiere die Gespräche nicht, schreibt die „New York Times“ weiter. In einem Briefing des Außenministeriums diese Woche wurde eine Reise von Wells nach Katar bestätigt. Die Taliban unterhalten in Doha ein halboffizielles Büro. Eine Sprecherin des Außenministeriums, Stephanie R. Newman, betonte allerdings, dass „alle Verhandlungen über die politische Zukunft Afghanistans zwischen der Taliban und der afghanischen Regierung gehalten werden“.

          Der stellvertretende Leiter des Hohen Friedensrates in Kabul, Ataullah Salim, sagte der Deutschen Presse-Agentur, ihm lägen keine Informationen über Gespräche der Amerikaner mit den Taliban in Doha vor. Es solle aber Direktgespräche jeder Partei geben und „wir werden jeden Schritt begrüßen, der zu innerafghanischen Gesprächen führt“. Das Büro des afghanischen Präsidenten teilte außerdem mit, dass es alle möglichen Friedensbestrebungen begrüße. „Wir schätzen jede Hilfe und Unterstützung von allen Seiten, um den Friedensprozess voranzutreiben“, sagte Durrani Waziri, die Sprecherin des afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani. Sie wollte sich nicht dazu äußern, ob ihre Regierung über die Gespräche zwischen Amerika und der Taliban eingeweiht gewesen sei.

          Bereits vor rund zwei Wochen hatte die „New York Times“ berichtet, die Trump-Administration habe ihre Spitzen-Diplomaten angewiesen, Direktgespräche mit den Taliban zu suchen, um den Krieg in Afghanistan zu beenden. Dies wäre eine signifikante Änderung der amerikanischen Politik. Bisher hatten die Vereinigten Staaten gesagt, die Taliban sollten direkt mit der afghanischen Regierung verhandeln. Sie schlossen alleinige Verhandlungen mit ihnen aus. Ein Friedensprozess müsse unter afghanischer Führung stattfinden. Die Taliban lehnen aber bisher Gespräche mit der afghanischen Regierung ab und bezeichnen diese als Marionettenregime. Sie fordern vielmehr direkt mit den Amerikanern zu reden, solange diese noch Streitkräfte im Land haben. 

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