https://www.faz.net/-gpf-9o6s3
Bildbeschreibung einblenden

Rückzug von Shanahan : Keine Ruhe im Pentagon

Wirft hin: Patrick Shanahan wird nicht amerikanischer Verteidigungsminister. Bild: AFP

Mitten in der Iran-Krise verliert Donald Trump seinen amtierenden Verteidigungsminister. Der Wunschkandidat des Präsidenten hat sich zurückgezogen – wegen eines „traumatischen Kapitels“ in seinem Familienleben.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Kein Wort verlor Donald Trump über die Personalie, von der er erst kurz vor der großen Show in Orlando erfahren hatte. Wenige Stunden vor der Großkundgebung am Dienstagabend in Florida, wo der amerikanische Präsident offiziell seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit bekanntgab, hatte er auf Twitter mitgeteilt, dass es im Pentagon schon wieder zu einem Wechsel an der Spitze kommen wird. Mitten in einer außenpolitischen Krise, in der die militärische Präsenz am Persischen Golf erhöht wird, verliert der Präsident seinen kommissarischen Verteidigungsminister Patrick Shanahan.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Für Trump ist das ein Nackenschlag – auch wenn die Gründe nicht politischer Natur sind. Anders als beim Rücktritt von Jim Mattis, der sich vor Weihnachten mit dem Präsidenten über die sicherheitspolitische Strategie in Syrien und Afghanistan, aber auch über den Umgang mit den Alliierten endgültig zerstritten hatte, geht Shanahan  aus familiären Gründen. Was oftmals als Floskel zur Überdeckung der eigentlichen Motive benutzt wird, trifft bei dem einstigen Boeing-Manager zu: Trump hatte ihn nach Monaten, in denen er das Ressort kommissarisch leitete, förmlich für den Ministerposten nominiert. Vor Beginn des Anhörungsverfahrens im Senat, wurde er noch einmal vom FBI durchleuchtet. Dabei stieß man auf eine alte Akte, in der es um häusliche Gewalt geht. Warum die Bundespolizei darauf nicht schon gestoßen war, als Shanahan als stellvertretender Minister das Bestätigungsverfahren im Senat zu durchlaufen hatte, ist eine von vielen Fragen, die man sich nun im Weißen Haus und im Kongress stellt.

          Der 56 Jahre alte Shanahan bat Trump nun, die Nominierung zurückzuziehen, da er davon ausgehen müsse, dass das Anhörungsverfahren seine „drei Kinder gezwungen hätte, ein traumatisches Kapitel in unserem Familienleben wieder zu durchleben, und Wunden wieder geöffnet hätte, die Jahre zur Heilung benötigten“. Die „Washington Post“ berichtete am Dienstag über frühere Fälle von häuslicher Gewalt. Dabei ging es sowohl um Handgreiflichkeiten zwischen Shanahan und seiner früheren Frau (beide beschuldigten sich später gegenseitig, den anderen geschlagen zu haben) als auch um einen Angriff des damals 17 Jahre alten Sohnes auf seine Mutter, bei dem er ihr mit einem Baseball-Schläger auf den Kopf schlug. Der Fall trug sich 2011 zu. Shanahan hatte seinen Sohn danach in Schutz genommen und zunächst davon gesprochen, er habe sich verteidigt. Hintergrund des Streit zwischen Mutter und Sohn war offenbar dessen Verhältnis mit seinem Kindermädchen. Die Gerichtsakte der späteren Scheidung habe mehr als 1500 Seiten umfasst. Shanahan sagte nun über die Episode in seinem Leben, manchmal passierten „üble Dinge in guten Familien“.

          Esper ist in Washington gut vernetzt

          Der Präsident lobte Shanahan und sagte, er habe „wunderbare Arbeit“ geleistet. Trump hob zudem hervor, er habe ihn nicht gebeten, seinen Posten zur Verfügung zu stellen. Der kommissarische Minister war anfangs in Washington skeptisch beäugt worden, weil er über wenig sicherheitspolitische Erfahrung verfügte, aber auch, weil ihm in rüstungspolitischen Fragen aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit für Boeing Interessenkonflikte unterstellt wurden. Shanahan bewies aber Unabhängigkeit von Trump, etwa wenn er betonte, das Pentagon müsse aus der Parteipolitik herausgehalten werden. Oder als er Trump die Idee ausredete, Alliierte für die Stationierung amerikanischer Soldaten in ihren Ländern zu zahlen.

          Mark Esper soll die kommissarische Leitung des Pentagons übernehmen.

          Trump kündigte an, Mark Esper, dem bisherigen Heeres-Staatssekretär, die kommissarische Leitung des Pentagon zu übertragen. Anders als Shanahan ist Esper in Washington gut vernetzt, wenngleich er noch nie einen politischen Leitungsposten innehatte. Der 55 Jahre alte Mann, über den Trump sagte, er sei hoch respektiert, hat die Militärakademie in West Point absolviert, wo er ein Jahrgangskollege Mike Pompeos war, des heutigen Außenministers. 1991 kämpfte er im Golfkrieg. Nach politik- und verwaltungswissenschaftlichen Studien in Harvard und an der George-Washington-Universität, wo er promoviert wurde, arbeitete Esper bei der konservativen Denkfabrik „Heritage Foundation“ sowie als Mitarbeiter im Kongress und im Pentagon. Danach wechselte er als Vizepräsident zu dem Rüstungsunternehmen Raytheon, dem weltgrößten Hersteller von Marschflugkörpern.

          Es ist noch unklar, ob Trump Esper auch für den dauerhaften Posten nominieren will. Zwei weitere Namen werden dafür genannt: Richard Spencer, der Marine-Staatssekretär, und Mike Pompeo.

          Weitere Themen

          „Sie ist sehr krank“

          Trump beleidigt Pelosi : „Sie ist sehr krank“

          Die Demokraten haben ein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten abgebrochen, weil Donald Trump die „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi beleidigt haben soll. Der Präsident legte auf Twitter noch nach.

          Topmeldungen

          Truppenabzug in Syrien : Amerika dankt ab

          Trump zieht aus Syrien ab und überlässt das Krisenland den Russen. Ob Erdogan seine Ziele erreicht, ist noch nicht klar. Aber zwei Sieger dürften schon feststehen. Von unseren F.A.Z.-Woche-Korrespondenten und -Autoren.
          Oliver Zipse

          F.A.S. exklusiv : BMW baut den i3 weiter

          Neue Manager, mehr Tempo: BMW-Chef Oliver Zipse baut den Konzern um. An dem teuren Elektroauto i3 hält er aus gutem Grund fest, wie er in seinem ersten Interview sagt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.