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Midterm Elections : Was ist aus der „Alt-Right“ Bewegung geworden?

  • -Aktualisiert am

Demonstranten im August auf dem Weg zu einer „Alt-Right“-Kundgebung in Seattle. Bild: AFP

Die „Alt-Right“-Bewegung ist in Amerika derzeit aus der Öffentlichkeit verschwunden. Das könnte jedoch beabsichtigt sein – und entschärft die gefährlichen Ideen der Rechten keineswegs.

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          Um die „Alt-Right“-Bewegung ist es ruhig geworden. Zumindest in Deutschland hört man nicht mehr so viel über sie. Steve Bannon, der ehemalige Berater des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der in seiner Funktion als Chefredakteur des Online-Magazins „Breitbart“ dieses zum „Sprachrohr der Alt-Right“erklärt hatte, taucht immer mal wieder auf, weil er seine Aktivitäten nach Europa verlegt hat. Doch ansonsten ist das Schlagwort, dass nach Trumps Wahl so oft gesprochen und geschrieben wurde, aus dem Fokus verschwunden.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Dass die Menschen und Gedanken hinter dieser Ideologie allerdings alles andere als verschwunden sind, zeigen Ereignisse wie das Attentat von Pittsburgh. Der mutmaßliche Täter soll in einem Internetforum namens Gab unterwegs gewesen sein, in dem sich vor allem Anhänger der „Alt-Right“-Bewegung tummeln sollen. Doch warum fliegt die Bewegung derzeit unter dem Radar? Für Cynthia Miller-Idriss, Professorin an der American University in Washington, ist das im Gespräch mit FAZ.NET auf die Vorgänge in Charlottesville im vergangenen Jahr zurückzuführen.

          Islamophobie und Verschwörungstheorien

          Dort hatte ein Anhänger der „Alt-Right“-Bewegung sein Auto in eine Gruppe Menschen gesteuert, die gegen eine rechte Demonstration unter dem Motto „Unite the Right“ auf die Straße gegangen waren. Der Fahrer tötete eine Frau und verletzte mehr als ein dutzend weitere. Miller-Idriss sagt, die führenden Köpfe der Bewegung hätten sich daraufhin bewusst aus dem Rampenlicht zurückgezogen, da sie das Gefühl gehabt hätten, dass solche Aktionen ihren Zielen schade. Sie versuchten immer noch, ihre Ideen in den Mainstream einzuspeisen, „nur leiser“.

          Cynthia Miller-Idriss ist Professorin für Bildung und Soziologie an der American University in Washington.

          „Alt-Right“-Bewegung ist dabei ein Begriff, den Miller-Idriss nur ungern benutzt. Er sei von der Bewegung selbst geprägt worden, um „die dahinter stehenden Ideen ein wenig abzumildern“. Die Bewegung umfasst ein großes Spektrum an politischen Vorstellungen. Diese haben jedoch einen gemeinsamen Kern, nämlich den Nationalismus und eine Bevorzugung der weißen Menschen. Darüber hinaus ist die Bewegung extrem divers. So finden sich dort Neonazis genauso wie christliche Fundamentalisten oder Männerrechtler, die den Feminismus ablehnen. Wie der Extremismus-Fachmann J.M. Berger im Magazin „The Atlantic“ schreibt , gibt es drei Ideen, die vom Großteil derjenigen geteilt werden, die als zur „Alt-Right“-Bewegung zugehörig zu betrachten sind: Islamophobie, Verschwörungstheorien und eine Zuneigung zu Donald Trump. Gerade dies sei, so Berger, „der Klebstoff“, der die Gruppen zusammenhalte.

          Diese breite Streuung macht es auch schwierig, die Anzahl der Anhänger der „Alt-Right“-Bewegung zu erfassen. George Hawley, Fachmann für die Bewegung von der Universität von Alabama, hat das versucht und eine staatliche Wählerbefragung zur Beantwortung der Frage herangezogen. Wie er schreibt, hätten Menschen, die den Ideen der „Alt-Right“ nahe stehen, erstens ein starkes Bewusstsein ihrer weißen Identität, zweitens glaubten sie an die Wichtigkeit weißer Solidarität und sähen drittens Weiße derzeit diskriminiert. Menschen, die alle drei dieser Punkte vereinen, bezeichnet Hawley als solche, die den Ideen der „Alt-Right“ nahe stehen, auch wenn sie sich selbst nicht als dieser Gruppe zugehörig fühlen oder überhaupt von ihr wissen. Hawley zufolge trifft das auf rund sechs Prozent, also elf Millionen der weißen Amerikaner zu.

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