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Trumps Social-Media-Gipfel : Der „zensierte“ Präsident

  • -Aktualisiert am

Selbst Trumps Lieblingssender „Fox News“ nannte dessen Einlassungen beim Social-Media-Gipfel eine „bizarre Tirade“. Bild: AP

Präsident Donald Trump lädt zu einem Social-Media-Gipfel ins Weiße Haus ein. Rechtskonservative Internetaktivisten diskutieren, wie sie die Basis für Trump aktivieren können – und beklagen die „Zensur“ rechter Parolen im Internet.

          Am Ende schrien sich Sebastian Gorka und Reporter Brian Karem vom „Playboy” an. Im Rosengarten des Weißen Hauses saß Trump-Berater Gorka mit ein paar rechten Internet-Prominenten bei der Pressekonferenz des Präsidenten. Die Stimmung unter den treuen Fans war nicht sehr gut. Gerade hatte Trump angekündigt, dass seine Regierung nicht weiter versuchen werde, bei der anstehenden Volkszählung nach der Staatsangehörigkeit zu fragen.

          Nachdem der Oberste Gerichtshof kürzlich bestätigt hatte, dass der Zensus nur die Zahl aller Einwohner erheben soll, will Trump nun mit Hilfe existierender Unterlagen herausfinden, wie viele Menschen im Land amerikanische Bürger sind. Gorka beschimpfte Karem als „Punk“und einige anwesende Journalisten als „asshats“, bevor er sich zurückzog.

          Trump verdankt Bloggern und Aktivisten viel

          Gorka war im Weißen Haus, weil sich dort am Donnerstag rund zweihundert Blogger, Influencer und Online-Provokateure aus der rechtskonservativen Szene versammelt hatten, auf Einladung Trumps. Für die war der Rückzug in Sachen Volkszählung eine Niederlage. Mit Trump wollten sie eigentlich diskutieren, wie sie seine Botschaft noch effektiver unter die Leute bringen können.

          Der Präsident weiß, wie viel er jenen verdankt, die als Blogger und Aktivisten seine Politik vertreten, gern unterlegt mit Verschwörungstheorien. Er selbst war seit 2011 einer der eifrigsten Verbreiter der „Birther“-Lüge gegen Barack Obama, die dem früheren Präsidenten unterstellte, nicht in den Vereinigten Staaten geboren zu sein.

          Bei dem Termin im Weißen Haus waren laut der „New York Times“ auch Anhänger der „Q“-Verschwörungstheorie anwesend. Sie glauben unter anderem, dass John F. Kennedy seinen eigenen Tod vortäuschte und dass Trump einen geheimen Kampf gegen einen Kindervergewaltiger-Ring führe. Bill Mitchell war vor Ort, der auf dem Videokanal „Your Voice America“ gern die „Q“-Phantasien diskutiert, ebenso Ali Alexander, der die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris bei Twitter verleumdet hatte – sie sei „keine amerikanische Schwarze“.

          Treffen mit rechtskonservativen Bloggern und Influencern im Weißen Haus

          Auch Charlie Kirk bekam die Gelegenheit, direkt mit Trump zu sprechen. Der 25 Jahre alte Mann gründete die Organisation „Turning Point USA“, die junge Menschen für den Präsidenten und rechte Ideen begeistern will.

          Den Präsidenten schreckt es wenig, dass das Spektrum seiner Unterstützer nicht nur breit ist, sondern dass manche der Eingeladenen den Boden eines rationalen öffentlichen Diskurses verlassen oder nie betreten haben. Allerdings schien er durchaus eine Grenze zu ziehen. Er lud mehrere rechte Provokateure nicht ein, die von Online-Plattformen gesperrt worden waren, weil sie etwa zu Gewalt aufgerufen hatten.

          Dazu gehörten „Infowars“-Gründer Alex Jones und die rechten Aktivisten Laura Loomer und Gavin McInnes, Gründer der nationalistischen „Proud Boys“. Vertreter des rechten Netzwerks Gab lästerten auf Twitter, Trump habe offenbar nur „safe“, also harmlose und gemäßigte Aktivisten eingeladen, die noch nie echte „Zensur“ erlebt hätten.

          Ideen für die Wiederwahl sammeln

          Zweck des Social-Media-Gipfels war es, Ideen für die Kampagne zu Trumps Wiederwahl zu sammeln und die Stimmung an der Basis zu testen. Aus dem Weißen Haus hieß es, der Präsident wolle „mit diesen digitalen Meinungsführern über die Macht der sozialen Medien diskutieren“.

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