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Gipfeltreffen in Hanoi : Warum Kim und Trump scheiterten

Donald Trump und Kim Jong-un am 27. Februar 2019 auf einer Pressekonferenz in Hanoi. Bild: AP

Tage nach dem Gipfel in Hanoi wird klar: Das Angebot Nordkoreas hatte schon vorher auf dem Tisch gelegen – und war von Amerika abgelehnt worden.

          Das Angebot Nordkoreas, den Atomkomplex Yongbyon im Gegenzug für die Aufhebung eines erheblichen Teils der Sanktionen stillzulegen, lag schon auf dem Tisch, bevor Donald Trump in der Nacht zum Dienstag ins Flugzeug nach Hanoi stieg. Und die Unterhändler Kim Jong-uns wussten bereits, dass der Vorschlag von Amerika als inakzeptabel zurückgewiesen worden war, als der Machthaber am Samstag vor einer Woche mit dem Zug nach Hanoi aufgebrochen war. Beide Führer hielt das nicht davon ab, sich auf das Treffen einzulassen.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Das geht aus Aussagen amerikanischer Gipfelteilnehmer hervor, die am Wochenende in Medien des Landes veröffentlicht wurden. Aus den Schilderungen ergibt sich das Bild zweier Führer, die offenbar beide hofften, die andere Seite in letzter Minute noch umstimmen zu können. Donald Trump versuchte es nach Recherchen der „New York Times“ zwischenzeitlich mit dem ganz großen Wurf. Beim Abendessen im Metropole-Hotel soll er Kim Jong-un am Mittwoch die Aufhebung aller Sanktionen angeboten haben, wenn Nordkorea dafür alle seine Atomwaffen, das Material für den Bombenbau und die Produktionsstätten aufgeben würde. Kims Reaktion darauf ist nicht überliefert.

          Der Machthaber soll am selben Abend zur Verwunderung der Amerikaner jenes Angebot wiederholt haben, das diese längst abgelehnt hatten. Immerhin waren die Amerikaner so weit darauf eingegangen, dass sie laut dem „Wall Street Journal“ Berechnungen angestellt hatten, wie hoch die Einnahmen sein würden, die Nordkorea durch die Aufhebung von Exportverboten etwa für Meeresfrüchte und Kohle erzielen würden. Von Milliarden Dollar ist die Rede.

          Am Donnerstag ging es dann nach übereinstimmenden Medienberichten um einen Gebäudekomplex knapp 30 Kilometer südwestlich von Pjöngjang, in dem amerikanische Geheimdienste seit Jahren eine zweite Urananreicherungsanlage vermuten, was Nordkorea bestreitet. Laut der „New York Times“ betrachtete Trumps Verhandlungsteam einen Zugang amerikanischer Waffeninspekteure zu der Anlage als Gradmesser für die Ernsthaftigkeit des nordkoreanischen Abrüstungswillens. Informationen über das sogenannte Kangsong-Gelände, die auf Satellitenaufnahmen und Aussagen von Überläufern basieren, wurden erstmals im Mai 2018 vom Institute for Science and International Security veröffentlicht. Die amerikanischen Verhandler sollen Kim Jong-un mit Geheimdienstinformationen über den Komplex konfrontiert haben. Trump bestätigte das indirekt in seiner Pressekonferenz nach dem Gipfel: „Ich glaube, sie waren überrascht, dass wir es wussten.“

          Verhärtete Fronten könnten zu atomaren Drohungen zurückführen

          Womöglich war das der Moment, in dem beiden Seiten endgültig klarwurde, dass es bei dem Gipfel keine Einigung geben werde. Jedenfalls sagte später der nordkoreanische Außenminister Ri Yong-ho, es sei „kristallklar“ geworden, dass die Amerikaner das nordkoreanische Angebot nicht akzeptieren würden, als sie „verlangten, dass wir einen weiteren Schritt machen“. Und seine Stellvertreterin beschwerte sich, Trump habe im Laufe der Gespräche „die Ziellinie“ verschoben, denn es sei ursprünglich nur um Yongbyon gegangen.

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