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Gipfeltreffen in Hanoi : Warum Kim und Trump scheiterten

Nordkorea hatte eine Stilllegung von Teilen des Yongbyon-Komplexes im September 2018 beim Besuch des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in in Pjöngjang ins Gespräch gebracht. Das in die Jahre gekommene Gelände war früher schon Gegenstand von Atomverhandlungen gewesen, doch schien das Angebot diesmal weiter zu gehen als je zuvor. Dafür verlangte Nordkorea „entsprechende Gegenmaßnahmen“ der Vereinigten Staaten. Worin diese bestehen sollten, hatte Pjöngjang zunächst offengehalten – bis die Nordkoreaner nun in Vietnam eine weitgehende Aufhebung der Wirtschaftssanktionen forderten, die 2016 und 2017 als Reaktion auf die Atom- und Raketentests verhängt worden waren.

Außenminister Ri sagte bei seiner Pressekonferenz nach dem Gipfel, noch wichtiger als Sanktionserleichterungen seien für Nordkorea „Maßnahmen im militärischen Bereich“ – gemeint sein könnte eine Reduzierung der amerikanischen Truppen in Südkorea oder eine Verlegung atomar bestückbarer Bomber und U-Boote. Man habe jedoch davon abgesehen, eine solche Forderung zu stellen, sagte Ri, weil man gewusst habe, dass dies für Washington „noch schwieriger“ zu erfüllen sei. Denkbar ist, dass er mit diesen Äußerungen dem Eindruck entgegentreten wollte, dass die Sanktionen Nordkorea schwer zu schaffen machen. Seine Stellvertreterin Choe Son-hui, die schon mehrfach in die Rolle der Hardlinerin geschlüpft war, erinnerte nach dem Gipfel an eine Drohung Kim Jong-uns, dass Nordkorea zu einer Politik zurückkehren könne, die das Atomprogramm in den Mittelpunkt stellt.

Weißes Haus bereitete Zeremonie für Kim und Trump vor

Angesichts der weit auseinanderliegenden Positionen ist weiterhin unklar, warum das Weiße Haus am späten Mittwochabend für den kommenden Tag eine Zeremonie zur Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung angekündigt hatte. Der Raum war für das Ereignis mit den Flaggen beider Länder und einem Tisch zur Unterzeichnung der Dokumente bereits hergerichtet. Kritik daran, dass Trump sich trotz der erheblichen Differenzen überhaupt auf den Gipfel eingelassen hatte, hatte Außenminister Mike Pompeo mit dem Hinweis zurückgewiesen, dass bei einem Land wie Nordkorea „nur die ranghöchsten Führer solche wichtigen Entscheidungen treffen können“. So sollen die nordkoreanischen Unterhändler nicht in der Lage gewesen sein, zu konkretisieren, welche Anlagen in Yongbyon geschlossen werden sollten. Dies, so wurden sie zitiert, könne nur Kim Jong-un sagen.

Das vorzeitige Ende der Gespräche wurde von Gipfelteilnehmern nun so beschrieben: Trump und Kim seien noch einmal zu zweit (vermutlich mit ihren Dolmetschern) in den Garten des Metropole-Hotels gegangen. Dort, am Pool, wo sie sich während der Verhandlungen mehrmals die Beine vertreten hatten, hätten sie einander die Hand gegeben und sich verabschiedet. Während Trump rasch abreiste, blieb der nordkoreanische Machthaber noch bis Samstag in Hanoi für Gespräche mit dem vietnamesischen Präsidenten Nguyen Phu Trong. Es war spekuliert worden, dass Kim Jong-un sich eine Samsung-Fabrik und eine Kohlemine ansehen werde. Mit einem solchen Besuch hätte er seinen Willen unterstreichen können, sein Land wirtschaftlich zu modernisieren. Auch für das mitgereiste Staatsfernsehen. Da nun aber, anders als von Nordkorea erhofft, die Sanktionen vorerst in Kraft bleiben, erschien ihm dieses Signal offenbar fehl am Platze.

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