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Umfragen in Amerika : Warum die Kongresswahlen schwer vorherzusagen sind

  • -Aktualisiert am

Er ist auch wieder mit dabei: Donald Trump begrüßt den republikanischen Kandidaten aus Florida, Ron DeSantis, und dessen Ehefrau Casey auf einer Wahlkampfveranstaltung am 31. Oktober. Bild: AFP

Den Wahlsieg von Donald Trump vor zwei Jahren haben nur Wenige kommen sehen. Die Umfrageinstitute in Amerika haben ihre Fehler von damals kleinlich aufgearbeitet. Das ändert allerdings nichts an einem wichtigen Unterschied.

          99 Prozent – so sicher sei ein Sieg Hillary Clintons in der Präsidentenwahl 2016, hieß es von einem Professor der Princeton-Universität. Er irrte sich – und war dabei nicht alleine. Fast alle bekannten und renommierten Analysten sahen Clinton vor Trump. Sie stützten sich dabei unter anderem auf Umfragen, die einen Vorsprung der ehemaligen Außenministerin vor ihrem Hauptkonkurrenten zeigten. Lagen diese also auch falsch?

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Die Beantwortung der Frage hat zwei Stränge, sagt Courtney Kennedy, Direktorin für Umfrage-Forschung beim Umfrageinstitut Pew, im Gespräch mit FAZ.NET. Die nationalen Umfragen seien ziemlich genau gewesen. Lediglich eine Abweichung von zwei Prozent vom Endergebnis habe es gegeben und das liege innerhalb der Fehlermarge. Letztendlich habe Clinton ja auch mehr Stimmen der Wähler bekommen als Donald Trump. Die Crux habe bei einigen Umfragen in bestimmten Bundesstaaten gelegen. Insbesondere in Michigan, Wisconsin und Pennsylvania habe es Fehler gegeben, die einen Vorsprung Clintons zum Ergebnis gehabt hätten. Tatsächlich hat es diesen nicht gegeben.

          „Wir wissen zu einem großen Teil, woran das lag“

          „Doch wir wissen zu einem großen Teil, woran das lag“, so Kennedy. Ein wichtiger Einfluss sei gewesen, dass die Umfrageinstitute die überproportional große Zahl von Befragten mit höherer Bildung nicht genug in ihre Berechnungen einbezogen haben. Von dieser Gruppe ist die Mehrzahl für Clinton gewesen. Ein zweiter Faktor sei gewesen, dass sich viele zunächst Unentschlossene erst sehr spät festgelegt hätten, teilweise erst wenige Tage vor der Wahl. Das sei auch nicht mehr in die Umfragen eingeflossen.

          Es muss aber auch gesagt werden, dass Umfragen etwas anderes sind als Vorhersagen. Umfragen zeigen nur eine Meinungsbild zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie behaupten nicht zu wissen, was in der Zukunft geschehen wird. Im Gegensatz dazu steht die Vorhersage, die neben den Umfragen noch andere Faktoren mit einbezieht, wie zum Beispiel die wirtschaftliche Lage oder Veränderungen in der Bereitschaft, wählen zu gehen. Die sind es dann, die Kandidaten oder Parteien bestimmte Gewinnchancen zusprechen. Einer der bekanntesten Vorhersager in den Vereinigten Staaten ist Nate Silver, der auf seinem Blog „Fivethirtyeight“ (benannt nach der Zahl der Wahlmänner, die den Präsidenten wählen) die Wahlen verfolgt und einordnet.

          Aktuell schreibt er dort den Demokraten eine Chance von 85 Prozent zu, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu erobern und den Republikanern den gleichen Wert für die Behauptung im Senat. Silver hatte sich sowohl nach den Vorwahlen des Präsidentenwahlkampfs als auch nach der Präsidentenwahl selbstkritisch gegeben – er hatte Clinton eine Chance von 71 Prozent gegeben, die Mehrheit der Stimmen, im Wahlmännerkollegium zu erobern und von 81 Prozent die Mehrheit aller Stimmen zu erhalten. Mit der zweiten Vorhersage lag er richtig, mit der ersten nicht. Er habe unter anderem den Fehler gemacht, in der Vorwahl die Zahlen an das erwünschte Ergebnis, die Nicht-Wahl von Trump zum republikanischen Kandidaten, angepasst zu haben, gab er zerknirscht zu.

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