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Laptop-Verbot : Warum elektronische Geräte eine Gefahr sein können

  • Aktualisiert am

Das Handy ist okay, der Computer eine Terrorgefahr: Das gilt jetzt für Flüge von 10 Flughäfen. Bild: Reuters

Spätestens ab Freitag dürfen Amerika-Reisende von zehn Flughäfen in muslimischen Staaten keine elektronischen Geräte mehr im Handgepäck mitnehmen. Als Grund gibt die Trump-Regierung Terrorgefahr an – oder stecken doch wirtschaftliche Interessen dahinter?

          Reisende von bestimmten Flughäfen in muslimischen Ländern dürfen auf Flügen in die Vereinigten Staaten künftig keine größeren elektronischen Geräte mehr in ihrem Handgepäck mitführen. Betroffen seien zehn Flughäfen, teilte das amerikanische Heimatschutzministerium am Dienstag mit. Geräte wie Laptops oder Kameras, die größer als ein Handy sind, müssen spätestens ab Freitag mit dem Gepäck aufgegeben werden. Damit reagiere man auf eine Terrordrohung. Die britische Regierung führte ähnliche Maßnahmen für sechs muslimische Staaten ein.

          Die Sicherheitskräfte befürchten, dass Sprengsätze unerkannt in Laptops versteckt werden könnten. In Somalia explodierte Anfang Februar möglicherweise eine solche Bombe an Bord eines Flugzeuges, tötete allerdings nur den Terroristen selbst. Die Terrorgruppe al Shabaab bezichtigte sich des misslungenen Anschlags, wie CNN berichtete. Es wird vermutet, dass die Terrororganisation, die vor allem in Somalia agiert, diese Technologie von der Al-Qaida-Schwester AQAP (Al Qaida in the Arabic Peninsula) im Jemen bekam. Sie soll ihr Wissen außerdem an Al-Qaida-Verbündete in Syrien weitergegeben haben. Zu den Mitgliedern der AQAP soll der bekannte Bombenbauer Ibrahim Hassan al-Assiri gehören.

          Das Verbot gilt für Flughäfen in Amman, Kairo, Kuwait-Stadt, Doha, Dubai, Istanbul, Abu Dhabi, Casablanca, Riad und Dschidda. Betroffen sind den amerikanischen Behörden zufolge unter anderem die Gesellschaften Royal Jordanian Airlines, Egypt Air, Turkish Airlines, Saudi Arabian Airlines, Kuwait Airways, Qatar Airways sowie Emirates und Etihad Airways. Vermutlich misstrauen die Sicherheitsbehörden zudem den Kontrollen auf den betroffenen Flughäfen. Da keine amerikanische Gesellschaft von den Flughäfen aus in die Vereinigten Staaten fliegt, sind amerikanische Unternehmen nicht betroffen. Medizinische Geräte sind von der Regel ausgenommen. Auch Amerikaner müssen sich an die Vorschrift halten.

          Keine Verbindung zum Einreiseverbot

          Dem Ministerium zufolge könnte das Verbot auf andere Flughäfen ausgedehnt werden, wenn die Lage dies erfordere. Nach amerikanischen Angaben gilt die Maßnahme auf unbestimmte Zeit. Dagegen erklärte Emirates Airlines, sie sei bis Mitte Oktober befristet.

          Das Heimatschutzministerium wies eine Verbindung zu dem von Präsident Donald Trump geplanten Einreiseverbot aus mehreren muslimischen Staaten zurück. Es sei nach Flughäfen und nicht nach Ländern vorgegangen worden, sagte eine Sprecherin.

          Ein Sprecher der britischen Premierministerin Theresa May kündigte ähnliche Maßnahmen für Passagiere an, die aus den sechs Staaten Türkei, Libanon, Jordanien, Ägypten, Tunesien und Saudi-Arabien nach Großbritannien einfliegen. Die britischen Behörden geben dabei konkrete Zentimeter-Angaben für zugelassene Geräte vor: eine Länge von nicht mehr als 16 cm, eine Breite von bis zu 9,3 cm und eine Höhe von maximal 1,5 cm. Geräte, die eine oder mehrere dieser Vorgaben überschreiten, müssen in den Koffer. „Wir sind der Ansicht, dass diese Schritte notwendig und angemessen sind, um eine sichere Reise der Passagiere zu gewährleisten“, sagte der Sprecher.

          Trumps Verbot könnte auch wirtschaftliche Gründe haben

          Zweifel an den Motiven der amerikanischen Regierung weckt die Verbannung der Geräte nur aus dem Handgepäck. Elektronische Geräte, in denen Sprengsätze verbaut sind, können im Frachtraum immer noch großen Schaden anrichten. Die „Washington Post“ mutmaßt, dass wirtschaftliche Gründe hinter dem Verbot stecken. Die betroffenen Fluglinien sind eine große Konkurrenz für die Amerikaner. Sie werden größtenteils von ihren Regierungen subventioniert und befördern viele wohlhabende Passagiere. Sie werden wohl kaum auf ihr Laptop im Handgepäck verzichten wollen – und deshalb womöglich auf amerikanische Fluglinien umsteigen.

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