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Waldbrände und Tweets : Trump erzürnt Feuerwehr in Kalifornien

  • Aktualisiert am

Donald Trump am Sonntag in Frankreich Bild: AFP

In Kalifornien kommen Menschen bei den Waldbränden um. Doch statt viel Mitgefühl zu zeigen, ätzt der amerikanische Präsident gegen die Forstverwaltung – und muss Kritik vor allem von der Feuerwehr einstecken.

          Die Lage in Kalifornien ist verheerend: 25 Menschen sind durch die Waldbrände bisher ums Leben gekommen. Allein in Paradise im Nordosten von San Francisco, einer Stadt mit knapp 27.000 Menschen, starben 19 Personen. Hunderttausende Menschen in dem amerikanischen Bundesstaat mussten ihre Häuser verlassen. Viele Grundstücke und Gebäude verschlungen die Flammen. Die „New York Times“ zitierte einen Einwohner mit den Worten: „Paradise ist gestorben.“ Dort gebe es nichts mehr, wofür es sich lohne zurückzugehen.

          Auch der Badeort Malibu westlich von Los Angeles ist betroffen. Zwei Tote wurden in der Nähe der Kleinstadt am Sonntag in einem Fahrzeug gefunden. Tausende Gebäude brannten nieder, darunter die Villa des deutschen Entertainers Thomas Gottschalk. In dem Ort stehen viele Villen von Hollywoodstars wie Leonardo DiCaprio, Jack Nicholson, Jennifer Aniston, Halle Berry, Charlize Theron oder Brad Pitt. Luftaufnahmen der kalifornischen Feuerwehr zeigten, wie die Flammen über Hügelkämme hinweg auf millionenschwere Anwesen zurasten.

          Der mexikanische Regisseur und Oscar-Preisträger Guillermo del Toro teilte auf Twitter mit, dass sein Museum mit Exponaten aus Horrorfilmen genau auf dem Weg der Flammen liege. Bereits niedergebrannt war die Paramount Ranch, eine Kulisse für Cowboy-Filme und -Shows.

          „Weil die Forstverwaltung armselig ist“

          Präsident Donald Trump, der sich am Sonntag in Paris aufhielt, hat für die Waldbrände in seinem Heimatland schon Schuldige gefunden: In einer Reihe von Tweets ging er hart gegen die Forstverwaltung in Kalifornien vor, den er Misswirtschaft vorwirft. „Es gibt keinen Grund für diese massiven, tödlichen und teuren Waldbrände in Kalifornien, außer dass die Forstverwaltung so armselig ist. Milliarden Dollar erhält sie jedes Jahr.“ In derselben Nachricht vom Samstag drohte er damit, ihr die Finanzhilfen zu kürzen: „Bringt das jetzt in Ordnung, oder es gibt keine Zahlungen des Bundes mehr.“ Kalifornien wird von Demokraten regiert. Es ist nicht das erste Mal, dass Trump sich über kalifornische Angelegenheiten echauffiert.

          In einem zweiten Tweet am Sonntagmittag griff er abermals die Behörden an, die sich um die Löschung bemühen. „Mit einer richtigen Forstverwaltung können wir die weitergehende Zerstörung in Kalifornien stoppen. Seid schlau!“ In der Nacht von Freitag auf Samstag hatte er noch mäßigende Töne angeschlagen: „Unsere Herzen sind bei denen, die die Flammen bekämpfen“.

          Die Feuerwehr in Kalifornien wollte nicht auf der Kritik des Präsidenten sitzenbleiben. „Seine Kommentare sind rücksichtslos und beleidigen die Feuerwehrleute und Betroffenen“, zitierte der Sender CNN Harold Schaitberger, den Präsidenten der internationalen Vereinigung der Feuerwehrleute. Der Chef der kalifornischen Feuerwehr wies Trumps Vorwürfe als „gefährlich falsch“ zurück. „Diese schamlose Attacke auf Kalifornien ist eine Attacke auf alle unsere mutigen Männer und Frauen an vorderster Front.“

          Feuerwehrfrauen- und männer gelten in den Vereinigten Staaten als Helden, die mit dem Einsatz ihr Leben riskieren. Bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 kamen mehr als 340 Feuerwehrleute ums Leben. Auch durch Hollywood-Filme sind Feuerwehrleute ein Motiv für Heldengeschichten geworden. 1991 kam das Drama „Backdraft“ in die Kinos. Es erzählt die Geschichte von Feuerwehrleuten in Chicago.

          Die Aussichten für die kommenden Tage sind derzeit schlecht. Die Waldbrände breiteten sich zuletzt schnell aus. Unterdessen wuchs die Furcht vor Plünderern. In Ventura County bei Los Angeles wurden zwei mutmaßliche Plünderer festgenommen.

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