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Vereinigte Staaten : So funktionieren die Vorwahlen

Die Republikaner verfahren in vielen Bundesstaaten ebenfalls nach diesem System. In einigen ist es jedoch möglich, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen alle Delegierten erhält. In anderen Staaten bekommt ein Kandidat sämtliche Wahlmänner zugesprochen, wenn er mehr als 50 Prozent der Wählerstimmen erhält.

Wie viele Delegierte gibt es pro Bundesstaat?

Die Parteien legen fest, wie viele Delegierte ein Staat zum Nominierungsparteitag entsenden darf. Bei den Demokraten beruht die Anzahl auf zwei Faktoren: Zum einen darauf, wie viele Stimmen der demokratische Präsidentschaftskandidat der vergangenen drei Wahlen aus dem jeweiligen Staat bekommen hat und zum anderen darauf, wie viele Wahlmänner der Staat ins Gremium zur Wahl des Präsidenten schickt.

Die Republikaner bestimmen je Wahlbezirk drei Delegierte. Hinzu kommen für jeden Staat mindestens zehn weitere – abhängig unter anderem davon, ob der Staat einen republikanischen Gouverneur hat, eine republikanische Mehrheit im Staatsparlament und wie viele republikanische Abgeordnete im Kongress in Washington.

In Iowa zum Beispiel, dem Staat, in dem die Vorwahlen beginnen, wählen die Demokraten 44 Delegierte, die Republikaner 30. Die wenigsten Delegierten gibt es bei den Demokraten in Amerikanisch Samoa mit vier, bei den Republikanern haben alle Überseeterritorien bis auf Guam neun Delegierte. Die meisten Delegierten bringt in beiden Parteien das bevölkerungsreiche Kalifornien ein. Die Republikaner vergeben dort 172 Stimmen und die Demokraten 476.

Was wird von den Delegierten erwartet?

Die in den „Caucuses“ und „Primaries“ bestimmten Delegierten sind beim jeweiligen Parteikongress daran gebunden, für den Kandidaten zu stimmen, für den sie gewählt wurden. Es gibt bei den Parteitagen jedoch auch unabhängige Delegierte, die frei abstimmen dürfen. Das hat strategische Gründe: Bei unklaren Verhältnissen sollen sie für das aus Parteisicht bessere Ergebnis sorgen. Die unabhängigen Delegierten werden von der Partei bestimmt – meist sind es aktuelle oder ehemalige Amtsträger.

Im Rennen um die Präsidentschaft steigen regelmäßig Kandidaten aus. Die Delegierten, die sie bis dahin gewonnen haben, sind dann frei, sich für einen innerparteilichen Konkurrenten zu entscheiden. Falls ein Kandidat seine Kampagne nur ruhen lässt, wie es meist geschieht, kann er seine Delegierten aus ihrer Verantwortung entlassen oder sie als Verhandlungsmasse mit anderen Kandidaten einsetzen, zum Beispiel um sich einen Posten in der künftigen Regierung zu sichern.

Wie viele Delegiertenstimmen brauchen die Kandidaten?

Um die Nominierung der Partei zu erringen, braucht ein Kandidat mindestens die Stimmen der Hälfte der Delegierten plus einen. Bei den Demokraten entspricht das in diesem Jahr voraussichtlich 2026 Delegiertenstimmen. Der republikanische Bewerber muss wahrscheinlich 1051 Delegiertenstimmen auf sich vereinen.

Warum fangen Iowa und New Hampshire an?

Die frühen Termine in Iowa und New Hampshire sind historisch bedingt. New Hampshire hatte sich als erster Staat für diese frühe Position interessiert. Es gibt sogar ein Staatsgesetz, welches vorschreibt, dass es vor der „Primary“ in New Hampshire keine ähnliche Vorwahl in einem anderen Staat geben darf.

In Iowa wiederum kam der frühe Termin durch ein Missgeschick zustande. Weil zum geplanten Termin im Juni 1968 nicht genügend Hotelzimmer in der Hauptstadt Des Moines zur Verfügung standen, musste die Wahl verlegt werden und landete so vor der New-Hampshire-Vorwahl. Seitdem wurde der Termin beibehalten. Da beide Parteien in Iowa „Caucuses“ abhalten, wird die Vorwahl dort juristisch nicht als „gleichwertig“ angesehen, so dass es keinen Konflikt zwischen New Hampshire und Iowa gibt.

Dass gerade in diesen beiden Bundesstaaten die Vorwahlen beginnen, kann durchaus politischen Einfluss haben. So kann ein Kandidat, dem bundesweit eigentlich wenig Chancen zugestanden werden, der aber in einem der beiden Staaten gut abschneidet, viel Schwung für das weitere Rennen bekommen. Auch der umgekehrte Fall ist möglich: Wer in Iowa und New Hampshire schlecht abschneidet, geht mit erheblich schlechteren Chancen in die weitere Kandidatenkür.

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