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Wahlpartys in New York : Triumph, Trauer und Terrorangst

  • -Aktualisiert am

Hier wird Hillary zur Wahlparty auftreten: Im Jacob K. Javits Center in New York wird die Bühne vorbereitet. Ob Clinton feiert, wird vom Ergebnis abhängen. Bild: AFP

Hillary Clinton und Donald Trump treten am Wahlabend beide in Manhattan auf. Während der Republikaner einen eher unscheinbaren Rahmen gewählt hat, strotzt Clintons Wahlparty-Lokalität vor Symbolik.

          Auf dem Times Square diskutieren die Menschen bereits leidenschaftlich, wer denn nun der neue amerikanische Präsident beziehungsweise Präsidentin wird. Die Clinton-Anhänger sind hier deutlich in der Mehrheit – kein Wunder, das liberale New York wählt traditionell demokratisch. „Wir bringen die erste Frau ins Weiße Haus“, ruft ein Souvenirverkäufer und bekommt spontanen Applaus seiner Kunden.

          Gerade einmal eine halbe Meile, zehn Minuten zu Fuß, ist es von hier bis zum „Midtown Hilton“, dem Hotel, in dem der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump den Wahlabend verbringen und vor Journalisten und Fans auftreten wird. Es ist ein eher unscheinbarer Rahmen, den sich der schillernde Politiker-Neuling, der gleich um die Ecke im „Trump Tower“ residiert, ausgesucht hat.

          Hillary Clinton dagegen, die vor den Toren der Millionenmetropole wohnt und einst den Bundesstaat New York im Senat vertrat, hat für ihre Wahlparty eine Örtlichkeit gewählt, die vor Symbolik nur so strotzt. Vor allem, wenn die demokratische Kandidatin bei ihrer Rede den Blick nach oben richten wird. Das große „Jacob K. Javits Conference Center“, an Manhattans West Side im Stadtteil Hell’s Kitchen direkt am Ufer des Hudson gelegen, verfügt nämlich über eine gläserne Decke – eine Metapher, die Clinton immer wieder in ihren Ansprachen benutzt, wenn sie die unsichtbare Barriere meint, gegen die Frauen im Berufsleben stoßen. Jetzt will sie diese Decke endlich durchstoßen.

          Wer auch immer an diesem Dienstagabend die Präsidentenwahl gewinnt, Triumph und Trauer werden in New York nahe beieinanderliegen. Erstmals seit mehr als 70 Jahren halten beide Kandidaten der zwei großen Parteien ihre Wahlnachtevents in Amerikas größter Stadt ab. Das allerdings sorgt durchaus auch für Kritik, denn New York gilt unter vielen Amerikanern als abgehobener Ort, der mit der Lebenswirklichkeit der Durchschnittsbevölkerung nichts zu tun habe.

          „Beide Kandidaten haben behauptet, dass sie die Mitte des Landes vertreten und dann ziehen sie sich für den wichtigsten Moment ausgerechnet in die Stadt zurück, der große Teile des Landes feindlich gegenüberstehen“, so der Professor und Autor Aaron Barlow, der vor einigen Jahren ein viel beachtetes Buch über die kulturelle Spaltung Amerikas geschrieben hat.

          Umfragen

          Für die Polizei in New York, so viel steht fest, wird es ein arbeitsreicher Tag. Bürgermeister Bill de Blasio kündigte an, dass alle 1200 Wahllokale der Stadt von Beamten bewacht werden. „Wir haben unsere Fähigkeit, an vielen verschiedenen Orten gleichzeitig im Einsatz seien zu können, verstärkt“, erklärte de Blasio. Der Einsatzplan der Polizei sei „vergleichbar mit denen am Silvesterabend oder dem Papst-Besuch im vergangenen Jahr“, so Carlos Gomez von der New Yorker Polizei.

          Die Bundespolizei FBI hatte in der vergangenen Woche zudem vor möglichen Anschlägen rund um den Wahltag gewarnt. Die Terrororganisation Al Qaida könne etwas geplant haben, hieß es etwa in einem Bericht. James O’Neill, Chef der New Yorker Polizei, sagte am Montag, seine Kollegen würden alle Entwicklungen „ständig überwachen“, hätten aber bisher „nichts Spezifisches, nichts Glaubhaftes“ gefunden.

          Deutlich wahrscheinlicher ist, dass es nach Verkündung des Wahlergebnisses zu Ausschreitungen kommen könnte. Immer wieder waren in den Vergangenen Monaten vor dem „Trump Tower“ auf der Fifth Avenue Unterstützer und Gegner des republikanischen Kandidaten aneinandergeraten. Viele New Yorker befürchten, dass es, gerade im Falle eines Trump-Sieges, gewalttätige Auseinandersetzungen geben könnte.

          Rund um den Times Square, aber auch an vielen anderen Orten der Stadt, werden trotzdem viele Menschen zusammenkommen, um gemeinsam die Verkündung der Ergebnisse auf Großleinwänden zu verfolgen. Sicherheitsbedenken hin oder her, das gemeinsame Feiern dieses historischen Wahlabends werde man sich nicht nehmen lassen.

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