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Wahlkampfhilfe des Präsidenten : Obamas Räuberleiter ins Weiße Haus

  • -Aktualisiert am

Macht = Timing + Erwartungen

Nicht alles, was er sich für seine beiden Amtszeiten vorgenommen hatte, konnte Obama in acht Jahren in die Tat umsetzen. Versprechen, wie die Schließung von Guantanamo, blieb er schuldig. Auch deshalb ist das Wahlkampfteam Clinton/Obama für beide gewissermaßen ein Gewinn: Durch seine Unterstützung macht er ihr die Räuberleiter ins Amt so gut es geht, damit sie dort sein politisches Vermächtnis fortführen kann.

Dieser politische Gleichschritt, den sie in North Carolina an den Tag legten, sah dabei einmal ganz anders aus. 2008, als beide sich zum ersten Mal um das Amt des Präsidenten bemühten, hatte sie für den Nachwuchspolitiker aus Illinois nur ein müdes Lächeln und ein paar gute Ratschläge übrig. „Mit Verlaub, wenn man von sechs bis zehn in Indonesien gelebt hat, zählt das nicht als außenpolitische Sachkenntnis“, sagte sie damals über Obama, der auch in Jakarta aufwuchs.

Wollte sie ihn damals kleinhalten, dürfte ihr heute klar sein, wie sehr er ihr im Wahlkampf nützlich sein kann. In den letzten Monaten seiner Amtszeit hat der Präsident seine Beliebtheitswerte noch einmal hochgeschraubt. Seit 2011, nach der Tötung Usama bin Ladins, hatte er keinen höheren Wert mehr als momentan. Und das, keine Frage, soll im Wahlkampf auf Clinton abstrahlen, deren Beliebtheitswerte im gleichen Zeitraum abgesackt sind.

Bricht man es auf eine krude Formel herunter, funktioniert Politik in Washington nach einer einfachen Gleichung. Macht = Timing + Erwartungen. Wer ganz oben sein will, muss den richtigen Augenblick erwischen und dabei die politischen Erwartungen erfüllen. Wer dieses Spiel beherrscht, hat gute Karten für höhere Würden. 2008 musste Clinton bekanntlich zurückstecken und Obama den Vortritt lassen.

FBI zur E-Mail-Affäre: „keine kriminelle Absicht“

Acht Jahre später scheint die Zeit gekommen. Er kenne niemanden, sagt Obama neben ihr auf der Bühne, der so geeignet sei für dieses Amt, wie Hillary Clinton. Vielleicht hat sie auf ihrer Wahlkampftour bislang noch nie so viel Szenenapplaus und „Hillary-Hillary-Hillary!“-Zwischenrufe bekommen wie an diesem Nachmittag während Barack Obamas Rede. Clinton, die wie eine Schülerband vor dem Hauptact Obama nach ihr Reden ließ, wurde so auch nicht müde, ihre Freundschaft zu betonen, die aus einer engen politischen Partnerschaft über die Jahre gewachsen sei.

Dass ihr ein paar Stunden zuvor FBI-Direktor James Comey „keine kriminelle Absicht“ im Umgang mit ihrem privaten E-Mail-Server als amerikanische Außenministerin bescheinigt hatte, ließ sie unerwähnt. Zu schön und wirkungsmächtig sind solche Bilder mit dem Präsidenten, der sie nach seiner Rede auf der Bühne auf die Wange küsste, in den Arm nahm, und anschließend ihren Arm in die Höhe riss. Und wieder „Hillary-Hillary-Hillary!“-Rufe. Perfektes Timing sowie ein weiterer Beweis für das bemerkenswerte Gespür für politische Schachzüge der Clintons.

Draußen, 32 Grad, hohe Luftfeuchtigkeit, braute sich in der Zwischenzeit ein schwaches Gewitter zusammen. An diesem Nachmittag der Eintracht vielleicht der einzige Fingerzeig, dass noch nicht alles eitel Sonnenschein ist.

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